Netzwerk Gegen Gewalt - Ein Offenes WikiWeb - Jeder kann sich beteiligen!

Postmigration

Grundwissen Postmigration    

Eine Annäherung an Aspekte einer Gesellschaft im Kontext Politischer Bildung/ Erwachsenenbildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Grundwissen Postmigration   
Eine Annäherung an Aspekte einer Gesellschaft im Kontext Politischer Bildung/ Erwachsenenbildung   
Vorwort   
1 Einleitung   
2 Postpolitische Elemente   
2.1 Staatsbürgerschaft   
2.2 Kriminalität   
2.3 Abschiebungen   
2.4 Asyl auf Zeit   
2.5 Werte- und Orientierungskurse   
3 Lernfeld Politik - Politische Bildung   
3.1 Politikwissenschaft   
3.2 Demokratie   
3.3 Medien   
3.4 Internationale Beziehungen   
3.5 Frieden - Konflikte   
3.6 Internationale Organisationen   
Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 2 - 3   
4 Interkulturelle Kompetenz   
4.1 Aneignungsprozess   
4.2 Kulturbegriff   
4.3 Interkulturelle Bildung - Kompetenzbegriff   
4.4 Kulturalistische Ansätze - Kritik   
4.5 Interkulturelle Öffnung   
4.6 Interkulturelle Pädagogik   
Reflexion   
Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 4   
5 Politische Ökonomie im 20. Jahrhundert   
5.1 Fordismus   
5.2 Keynesianische Wirtschaftspolitik   
5.3 Subprime - Krise   
6 Ökologie   
6.1 Vorbemerkung   
6.2 Klimawandel und Klimaschutz   
6.2.1 Vorhersehbarkeit des Klimawandels   
6.2.2 Folgen des Klimawandels   
6.2.3 Handlungsfelder des Klimawandels   
6.2.4 Klimapolitik   
7 Nachhaltigkeit   
7.1 Ökonomische Nachhaltigkeit   
7.2 Ökologische Nachhaltigkeit   
7.3 Soziale Nachhaltigkeit   
7.4 Kritik   
7.5 Nicht-Nachhaltigkeit? - Risikopolitik   
7.5.1 Nicht-Nachhaltigkeit?   
7. 5.2 Risikopolitik   
Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 5 -7   
8 Inklusion   
8.1 Dimensionen einer Inklusionspädagogik   
8.2 Dimension der Migration   
8.3 Möglichkeiten und Grenzen   
Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 8   
9 Kultur   
9.1 Kulturvielfalt   
9.1.1 Herkunftskulturelle Identität   
9.1.2 Kulturelle Übersetzung   
9.2 Kulturbegrifflichkeiten   
9.2.1 normativer (enger) Begriff   
9.2.2 deskriptiver (erweiterter) Begriff   
9.2.3 neue Begrifflichkeit   
9.2.4 Populärkulturen   
Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 9   
10 Zukunftsfähige Bildung   
10 Problembereiche   
10.1 Klimawandel   
10.2 Energie und Ressourcen   
10.3 Konsum und Lebensstil   
10.4 Landwirtschaft - Ernährung - Ökologie   
10.5 Bauen und Stadtplanung   
10.6 Politisierung - Umbruchsituationen   
10.7 Arbeit - Beruf   
10.8 Demokratie - Partizipation   
10.8.1 Prinzipien einer Demokratie   
10.8.2 Migrationsbedingte Heterogenität   
10.9 Lernen   
10.10 Wissen   
10.11 Kultur - Religion   
10.11.1 Kulturell-religiöse Identität   
10.11.2 Politische und religiöse Bildung   
10.12 Nachhaltigkeit   
10.13 Digitalisierung   
Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap.10   
Zum Autor   

Vorwort    

In einer Epoche der Folgerungen von Migration und Interkulturalität in ihrer Verschiedenheit werden Aspekte einer "Postmigration" zur Bedeutung für Überlegungen in einer Politischen Bildung, die sich vorrangig mit der Trias Policy/ Gestaltung, Politics/ politische Prozesse und Polity/ formale Dimensionen beschäftigt.

Die Studie als Annäherung an eine gesellschaftliche Entwicklung beschäftigt sich thematisch und fachliterarisch exemplarisch aus der langen Tätigkeit des Autors als politischer Bildner in der Erwachsenenbildung, vorrangig aus persönlichem Interesse, mit zentralen Elementen einer Entwicklung, die zunehmend Interesse und Bedeutung findet in

  • politischen Elementen in aktueller Rechtslage wie Staatsbürgerschaft, Kriminalität, Abschiebungen, Asyl auf Zeit und Werte- und Orientierungskurse
  • Lernfeld Politik - Politische Bildung
  • interkultureller Kompetenz - Interkulturalität
  • politischer Ökonomie
  • Ökologie
  • Nachhaltigkeit
  • Inklusion
  • zukunftsfähiger Bildung und
  • Kultur - Religion.
1 Einleitung    

Folgt man FOROUTAN (2019, 19-21), geht es in einer postmigrantischen Gesellschaft um gesellschaftspolitische Vorgangsweisen ("Aushandlungen"), die nach (post) der Migration erfolgen. Verdeckt sind sie von der Migrationsfrage und gehen über die Migration hinaus.

Es geht demnach um neue Gestaltungsprozesse des Landes, wobei Ähnlichkeiten von Problembereichen in Deutschland, Österreich und Europa bestehen.

  • Das "post" weist auf andere Problembereiche hin mit struktureller, sozialer, kultureller und identifikativer Anerkennung.
  • Das "post" weist auf die binäre Codierung von Einheimischen und Zugewanderten mit einem "agreement" des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Das Interesse bezieht sich mit einer Interkulturalität auf eine "zeitdiagnostische"/ zeitbezogene Gesellschaftsanalyse (vgl. NOWICKA 2018, 57-69).

  • Der Zugang zur Gesellschaftsanalyse ist ein empirisch - analytischer auf der Basis eines normativen. Der Schwerpunkt bezieht sich auf ein Hinterfragen und einer kritisch - dialektischen Sichtweise.
  • Das Interesse der Politischen Bildung ist damit gegeben.
  • Der multidisziplinäre/ interdisziplinärer Ansatz sieht den Kontext zur Interkulturalität als wesentlich an (vgl. BARTMANN - IMMEL 2012, BERTELS-BUSSMANN? 2013, 33-121, ALTENBURG - FAUSTMANN - PFEFFER - SKRIVANEK 2017, 29-36).
2 Postpolitische Elemente    

Eine Basis für postpolitische Elemente ist die aktuelle Rechtslage, die am Beispiel Österreich (2023) dargestellt wird (vgl. BALDINGER-ZIMMERMANN? 12.1.2024, 3).

2.1 Staatsbürgerschaft    

Österreich zählt in der EU zu jenen Ländern, die besonders streng bei der Einbürgerung vorgehen.

Die folgenden Eckpunkte bestimmen die Kriterien einer Einbürgerung.

  • Es gibt eine Wartefrist von sechs Jahren und kaum eine Ausnahme für die im Lande geboren sind.
  • Nachzuweisen ist ein gesicherter Lebensunterhalt (keine Sozialhilfe) über einen längeren Zeitraum.
  • Entzogen wird die Staatsbürgerschaft nur in Extremfällen wie bei einer Verurteilung in Terrorismus, Kampf im Ausland für eine bewaffnete Gruppe, wobei eine Staatenlosigkeit zu vermeiden ist.
  • Doppelstaatsbürgerschaften sind in Österreich selten, wobei in der Regel man bei der Verleihung der Staatsbürgerschaft den bisherigen Pass verliert.
  • Es gibt wenig Einbürgerungen, abgesehen von der Verleihung der Staatsbürgerschaft an die Nachfahren an NS-Opfern? (ca. 3 500 fast alle im Ausland lebend), wurden 2023 rund 8 500 Personen eingebürgert (hauptsächlich Syrer, Türkinnen, Bosnier und Afghaninnen).
IT-Hinweis?

Staatsbürgerschaft Österreich - Bundesgesetz

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10005579 (12.1.2024)

2.2 Kriminalität    

Eine Statistik von 2023 mit Stand Jänner 2024 liegt noch nicht vor. 2022 lag der Ausländeranteil der rund 310 000 Tatverdächtigen bei 42,5 Prozent, hauptsächlich aus Rumänien (14 468), Deutschland (12 919), Serbien (9 965), Türkei (7 236) und Ungarn (7 159). 6504 Tatverdächtige stammen aus Syrien, 5398 aus Afghanistan, damit ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung in der Statistik überrepräsentiert und fällt durch Körperverletzungen auf.

In der gleichen Höhe liegen die rechtskräftigen Verurteilungen. 2022 waren es 42,6 Prozent Ausländer. Bei den Straftaten gab es keine großen Unterschiede zwischen In- und Ausländern. Eigentumsdelikte wurden die häufigsten Delikte, Österreicher 27,1 Prozent aller Verurteilungen, Ausländer 31,5 Prozent. An zweiter Stelle kamen Gewalttaten Österreicher 20,3 Prozent, Ausländer 16,9 Prozent aller Verurteilungen. An dritter Stelle folgten Drogendelikte, Österreicher 13,9 Prozent, Ausländer 15,9 Prozent.

IT-Hinweis?

Polizeiliche Kriminalstatistik 2022 - Österreich

https://bundeskriminalamt.at/501/files/2023/PKS_Broschuere_2022.pdf (13.1.2024)

2.3 Abschiebungen    

Straffällige Asylbewerber verwirken zwar ihr Aufenthaltsrecht, aber Abschiebungen in Krisenregionen wie Syrien und Afghanistan als Hauptherkunftsländer scheiden aus, weil nicht in Länder mit dem Risiko einer Todesstrafe, Folter oder sonstigen unmenschlichen Strafen bzw. Behandlungen abgeschoben werden darf (vgl. Art 19 EU -Grundrechtscharta; Art 3 der UN - Menschenrechtskonvention; Verfassungsrang in Österreich).

Bei Weigerung mancher Länder, ihre Staatsangehörigen zurückzunehmen, sind die Behörden machtlos. Erfolgreich sind Abschiebungen bei EU - Bürgern.

2.4 Asyl auf Zeit    

2015 als Jahr mit der Massenmigration brachte eine Verschärfung der Maßnahmen. Seither muss automatisch nach drei Jahren des Erhalts eines positiven Asylbescheids überprüft werden, ob sich die Lage im Herkunftsland verbessert hat und es einen Asylgrund noch gibt. In den ersten drei Quartalen 2023 wurden gegen 15 Syrer, 80 russische Staatsbürger (hauptsächlich Tschetschenen) zwölf Serben und zehn Somalier Verfahren zur Aberkennung des Schutzstatus wegen "geänderter Umstände" eingeleitet.

IT-Hinweis?

Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl - Allgemeines zu Asyl

https://www.bfa.gv.at/201/start.aspx (25.1.2024)

2.5 Werte- und Orientierungskurse    

Seit Jahren sind Asylanten/ Flüchtlinge, Zuwandernde in Österreich gesetzlich zum Besuch eines Werte- und Orientierungskurses verpflichtet.

Am Beginn handelte es sich um eintägige Kurse, seit 2022 sind sie dreitägig in Form von drei mal acht Stunden. Soeben wurde die Mark von 100 000 absolvierten Kursen laut Integrationsfonds/ ÖIF überschritten.

In den Kursen geht es um die geltenden Grundwerte und Grundkenntnisse des Zusammenlebens in Österreich.

Zusätzlich bieten Institutionen der Erwachsenenpädagogik in Österreich und in Deutschland Kurse/ Lehrgänge in Politischer Bildung an.

IT-Hinweise?/ Auswahl

Werte- und Orientierungskurse

https://www.integrationsfonds.at/kurse/werte-und-orientierungskurse/werte-und-orientierungskurse/ (29.1.2024)

https://www.integrationsfonds.at/fileadmin/user_upload/WOK_Folder_2021.pdf (29.1.2024)

Politische Bildung in der Erwachsenenpädagogik

https://www.politischebildung.at/lehrgang-politische-erwachsenenbildung-2023/ (29.1.2024)

https://www.vhs-tirol.at/kultur/kulturgeschichte-und-politik/kurs/U18-1001/ (29.1.2024)

https://tu-dresden.de/gsw/phil/powi/joddid/bildung-beratung/abendschule/staffel-1/einfuehrung-in-die-politische-erwachsenenbildung (29.1.2024)

3 Lernfeld Politik - Politische Bildung    

Politische Bildung im Kontext mit dem Teilbereich Politikwissenschaft ist deswegen von Interesse, weil die Politikwissenschaft als Leitwissenschaft wesentlich und durchaus ausbaufähig ist. Fachwissenschaftliches Wissen ist als Vermittlungsprozess von politischen Sachverhalten und Erkenntnissen notwendig (vgl. SANDER 2014, 47-48).

Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf die Auseinandersetzung mit den Inhalten, die für eine zeitgemäße Politische Bildung relevant sind.

Aus heutiger Sicht geht es um ein Grundwissen, das eine Gesamtschau des Faches Politikwissenschaft beinhaltet. Zu behandelt sind etwa Politikbegriffe, Demokratie, Mehr- und Einparteiensystem, Wahlen, öffentliche Meinung, Parteisysteme, Verbände und Bürokratie, internationale Konflikte und deren Prävention, internationale Organisationen, Außenpolitik und die politische Ideengeschichte.

3.1 Politikwissenschaft    

Als Sozialwissenschaft unterscheidet sich Politikwissenschaft von anderen Teildisziplinen durch den Untersuchungsgegenstand. Das Interesse bezieht sich auf Erkenntnisse über gesellschaftliche Zusammenhänge, deren Beobachtung, Beschreibung und Analyse.

Empirisch ist der Gegenstand, weil die Ergebnisse an der Wirklichkeit messbar sein müssen. Dies unterscheidet von der Spekulation. Theoretische Aussagen und Zusammenhänge der Praxis müssen zur politischen Wirklichkeit rückgekoppelt werden können. Sie müssen an der Wirklichkeit überprüfbar und veränderbar sein. Damit ist Politikwissenschaft die Lehre vom tatsächliche Zustand gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse (vgl. PELINKA-VARWICK? 2010, 14).

Forschung ist um Wertfreiheit bemüht. Allerdings gibt es im Forschungsvorgang Wertvorstellungen und Interesse.

Forschungsobjekt ist die Politik. Fließend ist die Grenze zwischen reinen politischen Objekten und Objekten anderer sozialwissenschaftlicher Teilbereiche, wobei es selbstverständlich ist, dass bestimmte Gebiete von mehreren Sozialwissenschaften untersucht werden (vgl. die verschiedenen Teilbereiche in den Forschungsgebieten etwa der Bildungsreform, Sozialpartnerschaft und Gewaltphänomenen).

Hauptrichtungen dieser thematischen Auseinandersetzung sind die empirisch-analytische, normativ-praktische und kritisch-dialektische Richtung. Diese drei Richtungen sind miteinander verbunden. Als Trias bilden sie die Nutzung empirischer Sozialforschung, einer direkten Verwertung und Politik sowie einer kritischen Distanz zu vorhandenen Verhältnissen.

Politikbegriffe und Definitionen sind die Begrifflichkeiten

  • gouvernementale Politik (staatsbezogen),
  • normative Politik (wertbezogen),
  • konfliktorientierte Politik (Politik und Auseinandersetzung),
  • historisierende Politik (Abhängigkeit und Veränderbarkeit),
  • partizipatorische Politik (Individuum und Politik ohne Staat),
  • deskriptive Politik (beschreibend),
  • konsensbezogen (Ausgleichs- und Friedensfunktion) und
  • ahistorische Politik (Zeitlosigkeit und Unveränderbarkeit).
Eine Fülle von Einzeldefinitionen zeigt, dass die verschiedenen Aspekte im Spannungsfeld der Begrifflichkeiten.

Der angelsächsische Bereich kennt für das deutsche Wort "Politik" drei Begriffe:

  • "polity" - formale Organisation (Verfassung, Normen, Institutionen),
  • "policy" - Inhalte (Ziele, Programme) und
  • "politics" - Prozesse (Interessen und Gestaltung).
Merkmale des Politischen sind die drei Phänomene

  • Knappheit - nicht alle Interessen können befriedigt werden,
  • Konflikte - Entstehung aus der Knappheit der Güter. Unterschiedliche Interessen ergeben sich in der Verteilung der Güter (Wirtschaftsverbände, Eliten-Masse?, Großmächte-Kleinstaaten?, unterschiedliche Wertvorstellungen) und
  • Macht - Politik mündet in Macht zur Durchsetzung des eigenen Willens (physische Macht, eigene Überzeugungskraft, Gewohnheit, Gesetz). Gestaltung und Veränderung der Machtverhältnisse sind Gegenstand der Politikwissenschaft. Als immanentes Phänomen ist Macht in der Gesellschaft vorhanden (Familie, Betrieb, Freizeit, Wirtschaftsverflechtungen). Ziel ist, gesellschaftliche Machtverhältnisse bzw. Konflikte - beispielhaft in den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Recht - verbindlich zu regeln.
Politik stößt an Grenzen im gesellschaftlichen Zusammenleben bei

  • der Umsetzung der Menschenrechte als Produkt der Politik (vgl. 1776 und 1789; Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) und
  • den Grenzen der Machbarkeit - Gestaltungsfähigkeit, Raum und Zeit, Partizipation und gesellschaftlichen Arbeitsteilung.
Politikwissenschaft kann dem politischen Interesse nicht ausweichen. Dies gilt für jeden Wissenschaftsbetrieb. Umgekehrt hat die Wissenschaft auch ein grundsätzliches Interesse an der Politik (vgl. bei der Finanzierung und Legitimation, PELINKA-VARWICK? 2010, 26).

Formen der Beziehung zwischen Politik und Wissenschaft ergeben sich im

  • dezisionischten Modell - Trennung von Politik und Wissenschaft, als Entscheidungshilfe,
  • technokratischen Modell - Vorrangigkeit der Wissenschaft, und
  • diskursiven Modell - Diskurs zwischen Politik und Wissenschaft, keine Trennlinie.
Von Interesse ist der Missbrauch von Wissenschaft durch die Politik. Eine politisch gesteuerte Wissenschaft drückt eine Missbrauchsneigung aus. Als aktuelle Beispiele dieser Schwierigkeit sind das Verhältnis Politik und Genforschung, Politik und Sterbehilfe und Terror und Todesstrafe anzusprechen. Die analytische Dimension zeigt sich im Verhältnis policy - polity - politics und deren Gestaltung.

3.2 Demokratie    

Anzusprechen sind Formen der direkten und indirekten Demokratie, von Konkurrenz/ Konflikt und Konkordanz, Wahlen und dem Parlamentarismus, den Entscheidungsprozessen und der Verfassung und Gewaltenteilung.

Der Begriff "Demokratie" ist deswegen so unscharf, weil er unterschiedliche Bedeutungen in unterschiedlichen politischen Systemen beinhaltet. Zu unterscheiden ist zwischen direkter(plebiszitärer) und indirekter (repräsentativer) Demokratie , wobei eine Demokratie beide Elemente zu beinhalten hat.

  • Die direkte Demokratie entspricht dem Wortverständnis, dass das Volk direkt herrscht. Entwickelt wurde diese Form vor allem in kleinen Einheiten(etwa der attischen Polis, Kantone/Halbkantone der Schweiz, in Kibbuzim Israels). Aktuell werden plebiszitäre Elemente der Demokratie durch die technologische Entwicklung (IT, e-voting)in großen Einheiten auch gefördert.
    • Plebiszit (Volksabstimmung),
    • Volksinitiative (Volksbegehren),
    • Wahlen und
    • Demoskopie (Meinungsforschung).
  • Repräsentative (indirekte) Formen sind
    • Parlamentarismus (Parlament und Verfassungsorgane/ Regierung und Verwaltung),
    • Parteien (wahlwerbende Gruppen),
    • Verbände (Kammern, Vereinigungen, Gewerkschaften) und
    • Neokorporatismus (Sozialpartner)als Kooperation von Verbänden und Verfassungsorganen.
Neben dem Mix von direkter und indirekter Demokratie benötigt eine Demokratie ebenso Elemente aus Konflikt und Konsens , also aus dem Wechselspiel von Konkurrenz und Konkordanz.

Erst der politische Konflikt erlaubt die Mitwirkung des Volkes mit Machtzuweisung, Machtkontrolle und Machtablösung. Es bedarf bestimmter Grundwerte in Form von Regularien in der Verfassung(formaler Konsens) und ihren Organen, um den Mechanismus einer demokratischen Kontrolle und Machtablöse funktionieren zu lassen. Mit "bestimmten Grundwerten" sind Regularien ("Spielregeln") eines bestimmten Menschen-und Gesellschaftsbildes gemeint, die die Anerkennung von Grund- und Freiheitsrechten (Menschenrechten) beinhalten.

Politische Konflikte beinhalten in der Regel mehrere Alternativen, die für den Wähler zur Auswahl stehen. Dies bedeutet einen Konkurrenzkampf von zwei oder mehreren Parteien bzw. Kandidaten. Liegt ein Defizit an Konsens vor, werden Regularien nicht eingehalten, verschiedene Interessen ein Kampffeld, kann eine Demokratie daran zugrunde gehen.

Moderne Politsysteme bevorzugen entweder Aspekte eines Konflikts (Konkurrenzmodell) oder des Konsens (Konkordanzmodell). Konkurrenz bedeutet eine Auseinandersetzung mehrerer Parteien, Konkordanz Zusammenarbeit der politischen Eliten(vgl. etwa die Unterschiedlichkeiten daher in den angelsächsischen Politsystemen und den kleinen europäischen Demokratie wie der Schweiz, Österreich und den Niederlanden).

Ein Konsens kann in der Verfassung verankert sein, ebenso auch in der politischen Praxis(Verfassungswirklichkeit; vgl. die Schweizer Konkordanzdemokratie mit der derzeitigen "Vier-Parteien-Koalition?"). Neue Verfassungen bevorzugen eine Präambel mit einer allgemeinen Erklärung oder einem Grundrechtskatalog, der wesentliche politische Rechte außer Streit stellt. Als beispielhaft gilt etwa das Wahlrecht mit den Grundsätzen unmittelbar und direkt, frei und geheim sowie allgemein und gleich (vgl. in diesem Kontext die Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz 1971, die Aufhebung des Kurienwahlrechts in Österreich 1907, der Ausschluss vom Wahlrecht in einigen arabischen Staaten; zu vermerken ist ebenso der Ausschluss von einer demokratischen Mitbestimmung von Zugezogenen/ Migranten bei legalem langjährigen Aufenthalt).

Ausschlusskriterien müssen genau definiert sein (etwa Alter, Behinderungsgründe, Handlungsfähigkeit).

Demokratischer Parlamentarismus hat als Kriterien eine

  • direkte Bestellung durch das Volk bzw. einer Kammer des Parlaments nach einem demokratischen Wahlrecht,
  • Gesetzgebung,
  • Kontrolle der Regierung,
  • Öffentlichkeit und ein
  • freies Mandat.
Die Praxis relativiert mitunter allerdings die Grundsätze.

  • Die Bestellung nehmen die Parteien vor, die intern über das Mandat entscheiden.
  • Die entscheidenden Phasen einer Gesetzgebung werden im vorparlamentarischen Raum vorgenommen. Damit wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
  • Die Kontrolle der Regierung übernimmt die Minderheit im Parlament (Opposition).
  • Parlamentarier verdanken ihr Mandat einer Partei bzw. Interessensgruppe.
  • Nationale Parlamente haben einen eingeengten Handlungsraum infolge der Internationalisierung und Europäisierung.
Parlament und Regierung haben eine gegenseitige Verantwortung. Dies betrifft rechtlich bei Vorwürfen der Verletzung von Gesetzen und politisch bei einem Misstrauensvotum.

Parlamentarische Entscheidungen werden arbeitsteilig getroffen, indem es eine

  • Trennung zwischen (öffentlichem) Plenum und (zumeist nichtöffentlichen) Ausschüssen und eine
  • Trennung zwischen vorparlamentarischem und parlamentarischem Bereich gibt.
Im Spannungsfeld zwischen Regierung und Opposition gibt es verschiedene Erscheinungsformen.

  • Fundamentalopposition - Ablehnung des Politsystems (etwa die Verfassung),
  • Alternativopposition - Konkurrenz und Konsens,
  • Scheinopposition - Inhalte weitgehend identisch,
  • Bereichsopposition - Kontrolle des anderen Koalitionspartners.
Eine Verfassung regelt die Machtzuweisung, Machtablösung und Machtkontrolle. Hauptaufgabe der Verfassung ist die Machtbegrenzung. In einer Demokratie sind Verfassung (Verfassungstheorie) und Realität (Verfassungswirklichkeit) nie ganz zur Deckung zu bringen (vgl. PELINKA-VARWICK? 2010, 43).

Verfassungsarten sind

  • Normative Verfassungen - Übereinstimmung von Theorie und Praxis > Idealfall,
  • Nominale Verfassungen - teilweise Übereinstimmung zwischen Theorie und Praxis sowie
  • Semantische Verfassungen - Theorie und Praxis haben nichts gemeinsam > Unvereinbarkeit mit einer Demokratie (vgl. "Stalin-Verfassung?" der Sowjetunion, NS-Ermächtigungsgesetz? 1933).
Moderne Verfassungen sind vom Aspekt der Gewaltenteilung geprägt. Mit der Verteilung von Macht (Gewalt) auf mehrere Personen und Institutionen wird eine Machtkonzentration vermieden. Zeitgemäße Demokratien kennen drei Formen von Gewaltentrennung.

  • Institutionelle Gewaltenteilung - Gleichgewichtigkeit von Legislative, Exekutive und Judikative (vgl. die US-Präsidialform?),
  • Zeitliche Gewaltenteilung - Trennung von Regierungsmehrheit und Opposition,
  • Föderative (vertikale) Gewaltenteilung - Verteilung auf mehrere Ebenen (Bundesstaat, Gliedstaaten/ Bundesländer und Gemeinden).
3.3 Medien    

Medien als Träger öffentlicher Meinungsbildung beinhalten Print- und elektronische Medien (vgl. NASSMACHER 2004, 52-57).

Sie erfüllen eine

  • Informationsfunktion (Wissen),
  • Artikulationsfunktion (Beeinflussung der politischen Meinung und Entscheidung)und
  • Kontrollfunktion (Aufzeigen von Entwicklungen).
Als Massenmedien sind sie für das politische System von Interesse. In einer Demokratie sind im Sinne der Marktwirtschaft die Medien dem Pressegesetz verpflichtet und hängen von Angebot und Nachfrage ab.

In Privatbesitz befinden sich in der Regel die Printmedien (Zeitungen), staatlich bzw. in öffentlich-rechtlichem Besitz in Europa teilweise sind die elektronischen Medien (Hörfunk, TV, Internet).

Das Demokratieproblem zeigt sich im Form des Wettbewerbs verschiedener Medien.

  • In öffentlich-rechtlichen Medien bedarf es einer inneren Mediendemokratie (etwa Redakteursstatute).
  • In Privatmedien ist ein Ausgleich mit einer Dominanz ökonomischer Interessen zu suchen, damit Meinungsvielfalt garantiert wird.
  • Meinungs- und Pressefreiheit ist ein Menschenrecht und steht nicht zur Disposition.
Eine Herausforderung für die Demokratie ist das Internet.

  • Als medialer Ausdruck einer Globalisierung entzieht sich das Internet einer traditionellen Kontrolle.
  • Es erweitert den Zugang zur Nutzung von Massenmedien (vgl. Online-Ausgaben? der Tageszeitungen mit weltweiter Verbreitung).
  • Als neue Kommunikationsform ermöglicht es den Zugang zur Politik und deren Beeinflussung. "e-voting" und "cyber democracy" werden Effekte einer Demokratiequalität beschrieben. Problembereiche sind etwa die Wahrung des Wahlgeheimnisses und die Vermittlung von Wirklichkeit.
Kontrovers ist die Form der Beeinflussung von Medien.

  • Medien können Bewusstsein und Meinung erzeugen ("Verursacherhypothese") (vgl. Medienkampagnen).
  • Medien können vorhandene Bewusstseinsinhalte und Meinungen abschwächen bzw. verstärken("Verstärkerhypothese").
Die folgenden allgemein gehaltenen Entwicklungstendenzen im deutschen Sprachraum sollen zeigen, dass der mediatisierte Bürger Realität ist.

  • Elektronische Medien haben das Benutzerverhalten verändert.
  • Die Verbreitungsdichte des Hörfunks ist höher als die des Fernsehens. Zu beachten ist das Autoradio mit seiner Verbreitung in so gut wie allen Autos.
  • Das Aufkommen privater TV-Sender? brachte kaum eine Ausweitung des TV-Konsums?.
  • Bedeutungsvoll für den Medienkonsum ist eine Orientierung an der Elite der Medien, etwa an bedeutungsvollen Tageszeitungen und TV-Sendungen?(vgl. im deutschen Sprachraum etwa Der Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Die Welt, Der Standard, Salzburger Nachrichten, n-tv, Euro News).
  • Zunehmend bedeutend werden im Internet Bereiche wie Facebook und Twitter, die soziale Bereiche abdecken. Der Gedanke von "communities" fördert politische Impulse.
  • Bedenklich sind lokale Zeitungsmonopole. Hier erhält der Konsument ein relativ unkritisches Bild regionaler Ereignisse.
  • Die Informationsbeschaffung für überregionale und weltweite Ereignisse erfordert kommerzielle Fremdangebote von Nachrichtenagenturen, die die Nachrichtenselektion vornehmen (vgl. etwa AP, UPI, AFP, Reuter, dpa, APA).
  • Medienangebote werden zunehmend auf den Konsumenten zugeschnitten (vgl. den Unterhaltungsanteil von Medien mit den Elementen von Personalisierung, Simplifizierung und Emotionalisierung -"Human Touch").
  • Durch Werbung finanzierte Programme führen zu einer Homogenisierung, wobei sich die Frage ergibt, wie viel mediale Vereinfachung die Demokratie verträgt.
  • Zur Erreichung von Aufmerksamkeit und höheren Einschaltquoten ist ein Neuigkeitswert erforderlich, wobei zu beachten wäre, dass langfristig ein verzerrtes Bild in der Berichterstattung entsteht. Zusammenhänge werden nicht aufgezeigt. Hintergrundinformationen werden eher im Internet angeboten.
3.4 Internationale Beziehungen    

Diese beziehen sich auf die Zusammenarbeit und Konflikte zwischen Akteuren über nationale Grenzen hinweg. Es betrifft zwischenstaatliche und nichtstaatliche Beziehungen sowie internationale Organisationen und die Außenpolitik von Staaten.

Von Bedeutung sind Konzepte in der

  • Geopolitik (geographische Faktoren),
  • das Gleichgewicht der Mächte (Interessen der Akteure, Entspannungspolitik),
  • nationale Interessen (interne Antriebskräfte, Erhaltung von Handlungsspielräume von Staaten etwa in Phänomenen einer Globalisierung und Supranationalität)und
  • Interdependenz bzw. Anarchie (wechselseitige Abhängigkeiten, Herrschaftslosigkeit bzw. Autoritätslosigkeit).
Theoretische Schulen bzw. Denkschulen unterscheiden sich in ihren Auffassungen.

  • Die realistische Schule ist gekennzeichnet durch Eigeninteressen der Staaten, Sicherung der eigenen Handlungsspielräume und Bedrohung des Gleichgewichts der Kräfte.
  • Die idealistische Schule ist gekennzeichnet durch internationale Organisationen mit internationalen Beziehungen (vgl. den Vorteil von Kooperationsformen mit friedensstiftendem Charakter).
  • Die internationale Schule ist gekennzeichnet durch stabile internationale Zusammenarbeitsformen mit normativen Regeln. Notwendig sind gemeinsame Interessen und gemeinsamer Nutzen (vgl. die Schwierigkeiten bei der Initiierung und Erhaltung solcher Kooperationsformen).
  • Der Konstruktivismus ist gekennzeichnet durch die Erkenntnis, dass die Wirklichkeit als Erfahrungswirklichkeit konstruiert wird. In der Folge sind Grundlagen Ideen, normativen Grundlagen und kulturelle Hintergründe für politischen Handeln. Politische Realität ist das Ergebnis von sozialen Konstruktionsprozessen. Akteure bringen diese selbst hervor und können sie mit neuen Ideen, Normen und Werten verändern (vgl. Erkenntnisse des Interkulturalitätsdiskurses).
Diese Denkschulen sind als ergänzende Zugänge zu einer internationalen Politik zu verstehen.

Von 1945 bis 1989/ 1990 waren Konflikte beherrschend in den internationalen Beziehungen. Auf vier Ebenen fand die Auseinandersetzung statt.

  • Militärisch zwischen der NATO (Nordatlantik-Pakt?) und dem Warschauer Pakt,
  • politisch zwischen dem westlich-liberalem System und dem kommunistischen System Osteuropas,
  • ideologisch zwischen dem Westen als "freie Welt" und dem Osten als "Weltrevolution" als Aufhebung der Klassengesellschaft und
  • ökonomisch westlich wirtschaftlicher Kooperation (OECD, EG) und östlich wirtschaftlicher Zusammenarbeit (COMECON).
Die Sowjetunion versuchte nach 1945 die sie umgebenden Staaten ihr politisches System einzuführen (vgl. europäische "Volksdemokratien"; 1949 Sieg Maos im chinesischen Bürgerkrieg vs. die USA unterstützende politische Systeme - "Truman-Doktrin?" 1947, Politik der Eindämmung).

  • 1947- 1953 erste Phase des Kalten Krieges mit der Blockade Berlin 1948/1949 und dem Korea-Krieg? 1950-1953,
  • 1953 Tod Stalins mit erster Entspannungsphase und der Beendigung des Korea-Krieges?, Ende europäischer Streitfragen wie Triest und dem österreichischen Staatsvertrag 1955,
  • 1956-1962 neue Phase des Kalten Krieges mit Ungarn-Aufstand? 1956, Berlin-Ultimatum? 1958 und Kuba-Krise? 1962,
  • Entspannungsphase mit Abkommen im Rüstungsbereich wie das Atomtestabkommen 1963, der Atomsperrvertrag 1968, 1972 SALT I und der ABM-Vertrag? sowie 1979 SALT II,
  • 1965-1973 Vietnam-Krieg? der USA,
  • 1975 Unterzeichnung der "Schlussakte von Helsinki"(Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa/ KSZE - einschließlich der USA und Kanada ohne Albanien,
  • neuerliche Verschärfung nach den KSZE-Nachfolgekonferenzen? in Belgrad, Madrid und Wien mit dem Bürgerkrieg in Afghanistan (Einmarsch sowjetischer Truppen 1979 und der NATO-Nachrüstung?,
  • ab 1985 radikale Änderung sowjetischer Politik unter Gorbatschow, erfolgreiche Abrüstungsverhandlungen (INF-Vertrag? 1987, START-Verträge? 1991 und 1993), Rückzug sowjetischer Truppen aus Osteuropa, 1990 Deutsche Vereinigung, 1991 weltpolitische Kooperation am Golf-Krieg? und Auflösung des Warschauer Pakts, des COMECON und der Sowjetunion mit Nachfolgestaaten.
Westliche Bündnisse waren

  • die OECD als internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit der westlichen Industriestaaten einschließlich Japans in der Nachfolge des Marshall-Planes?,
  • die NATO als militärische Organisation mit der unverbindlichen Art einer "Partnerschaft für den Frieden"(ehemalige Warschauer Pakt-Staaten? und neutraler Staaten) und
  • die ab 1951 wirtschaftliche und folgende politisch-europäische Integration mit verschiedenen Institutionen der "Europäischen Union/ EU". Ab 1995 kommt es zur "Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (OSZE).
Mit dem Ende der Epoche des West-Ost-Konflikts? wird die internationale Politik zu Beginn des 21. Jahrhunderts von den USA bestimmt. Militärschläge weisen darauf hin.

  • 1991 Golf Krieg mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrates?,
  • 1995 Bosnien-Herzegowina? mit Zustimmung,
  • 1999 Kosovo-Konflikt? ohne Zustimmung,
  • 2003 Irak ohne Zustimmung.
Afghanistan 2001 zeigt, dass die USA ohne Zustimmung von wem auch immer militärisch agieren (können) (vgl. US-Unilateralismus?).

Folgen des Ost-West-Konflikts? zeigen sich bis heute in den Konzepten der Neutralität und Blockfreiheit. Bestimmte Länder können sich so aus militärischen Konflikten heraushalten.

  • Neutralität als Konzept europäischer Länder ist in liberalen politischen Systemen entstanden. Die vier europäischen Länder Schweiz, Schweden, Finnland und Österreich betonten die Nichtteilnahme an militärischen Bündnissen, in der Folge nicht die Teilnahme an der EG. Der Zerfall der östlichen Bündnisse bringt mit sich eine Teilnahme an der EU (ohne Schweiz), aber auch eine Unschärfe zwischen Neutralität und europäischer Integration (vgl. die offenen Fragen wie Auslaufen der Neutralität mit neuen europäischen Sicherheitskonzepten[Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU]). Im Falle der Neutralität Irlands spielte der Ost-West-Konflikt? keine Rolle. Bevorzugt wurden von Schweden und Finnland bei Aufgabe ihrer Neutralität den Begriff "paktungebunden" und im Zuge er Ukraine - Krise die NATO - Mitgliedschaft angestrebt.
  • Blockfreiheit als Konzept von Ländern der Dritten Welt hat andere politische Systeme. 1961 gründete man in Belgrad die Konferenz der Blockfreien mit fast 100 Staaten und nahm im Ost-West-Konflikt? keine Stellung, hielt sich neutral und versuchte in der UNO-Generalversammlung? möglichst einen geschlossenen Block zu bilden. Hauptziel war die globale ökonomische Umverteilung zugunsten der Entwicklungsländer ("Neue Weltwirtschaftsordnung"). Internationale Konflikte trennten die Blockfreien, etwa der Krieg zwischen dem Irak und Iran 1980 bis 1988, die Konflikte um Afghanistan und Kambodscha sowie der Golfkrieg 1991. Gleiche Distanz zu den Großmächten verlangte Jugoslawien, Kuba sah dagegen die Sowjetunion als Partner. - Im Nord-Süd-Konflikt? war man dagegen Partei.
Der Nord-Süd? - Konflikt ist eine ökonomische Auseinandersetzung zwischen dem Norden als industriell entwickelte Gesellschaft mit Wohlstand, Lebensqualität und Lebenschancen und dem Süden als "Armenhaus der Erde" (vgl. die Unterschiedlichkeit an Bevölkerungswachstum). Als Problemfeld internationaler Beziehungen bildet es die Auseinandersetzung zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern.

Trotz Verbesserungen in einzelnen Bereichen ist die Gesamtsituation negativ einzustufen, man denke allein an die sozioökonomischen Verhältnisse wie die Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Alphabetisierungsrate und Ernährungsfaktoren ("globale Apartheid").

Viele Begriffe wurden in der entwicklungspolitischen Diskussion verwendet. "Entwicklungshilfe" wurde inzwischen durch "Entwicklungszusammenarbeit" abgelöst. Der Begriff "Dritte Welt" ist hinfällig geworden, neue Begrifflichkeiten sind durch die Heterogenität der Entwicklungsländer notwendig.

Als Merkmale einer unterschiedlichen Ausprägung gelten etwa

  • ökonomische Merkmale wie niedriges Pro-Kopf-Einkommen? mit ungleicher Einkommensverteilung, geringe Produktivität, geringe Infrastruktur, außenwirtschaftliche Abhängigkeiten von wenigen Produkten, dominante Selbstversorgung und hohe Auslandsverschuldung,
  • soziodemographische Merkmale wie niedrige Lebenserwartung, schlechte medizinische Versorgung, schlechter (Aus-) Bildungsgrad, hohes Bevölkerungswachstum und starke Wanderungsbewegungen in Ballungsräume,
  • ökologische Merkmale wie armutsbedingter Raubbau und Zerstörung anfälliger Ökosysteme sowie
  • soziokulturelle und politische Merkmale wie Orientierung an Primärgruppen (Großfamilien, ethnische Gruppen), geringe Loyalität gegenüber Institutionen und ihren Strukturen, geringe Mobilität, autoritäre Staatsstrukturen, geringe politische Legitimation von Führungskräften, mangelhafter Menschenrechtsschutz, hohe Korruptionsrate und gewaltsame Konfliktaustragung.
Nur einmal waren die sich verschlechternden Handelsbeziehungen ("terms of trade") mit abnehmenden Preisen, zumeist Rohstoffen, erfolgreich in der Bildung eines Rohstoffkartells, als Erdöl-exportierende Länder sich zur OPEC zusammenschlossen.

Kommunikationsstrukturen weisen immer noch auf alte koloniale Strukturen wie kulturelle Beziehungen anglophoner Teile in Afrika dichter zu dem UK als zum frankophonen Teil sind und umgekehrt. Solche Abhängigkeiten zu überwinden weist auf notwendige Strategien .

  • Ankoppelung baut auf eine Verflechtung zwischen Entwicklungsländern und entwickelten Staaten (Modernisierungsschub, Nutzung der Globalisierung).
  • Abkoppelung baut auf eine Entflechtung zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern zu einer Eröffnung eines unabhängigen Weges (behindern bzw. verhindern der Globalisierung["Dependenztheorie"]).
Der Streit um Schlüsselfragen heute geht eher

  • um einen Freihandel und marktwirtschaftliche Strukturen zum Abbau von Entwicklungsunterschieden oder einem Nutzen ohnehin der leistungsfähigen Wirtschaftselemente.
  • In diesem Zusammenhang stellt sich im Nord-Süd-Konflikt? die Frage der Umweltproblematik. Als wesentliche Zukunftsfrage stellt sich der Schutz der globalen Umwelt. Das westliche Wohlstandsmodell ist nicht globalisierungstauglich (Überschreitung der Grenzen der Belastungsfähigkeit). Allerdings sind auch die Überschreitungen bzw. Steigerungsraten des Energiebedarfes mancher Entwicklungsländer erheblich. "Kollektive Weltgüter" ("global public goods") wie die Ozonschicht, Artenvielfalt und das Weltklima können nicht aufgeteilt werden, sie werden allerdings ohne einen direkten Preis von einzelnen Akteuren benutzt ("Trittbrettfahrerverhalten").
Als ein Prozess zunehmender Verbindungen von Gesellschaften und Problembereichen betreffen Globalisierungsphänomene alle Teile der Welt.

Sie weisen auf eine quantitative Zunahme, qualitative Intensivierung und eine räumliche Ausdehnung hin. Nationale Elemente wie Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsmacht verlieren an Bedeutung.

Transnationale Konzerne und eine transnationale Zivilgesellschaft sind neue Akteure in der Weltpolitik.

Im Globalisierungsdiskurs unterscheidet man den Globalisierungsgrad.

  • Ungleich war das Maß der Globalisierung je nach Raum und Zeit. Zunächst betraf es vorherrschend den ostasiatischen Raum.
  • Die Weltwirtschaftskrise 2008/ 2009 beschleunigte geopolitische Gewichtungen, die Dominanz des OECD-Raumes? nahm ab.
  • Eine kulturelle Diversifikation kann als Reaktion verstanden werden.
  • Neue supraterritoriale Räume wurden erschlossen und ergänzten Globalisierungsbemühungen.
  • Bezugspunkte wie technischer Fortschritt, Modernisierung, vermehrte Produktionskräfte und Deregulierung greifen zu kurz.
  • Staatsräume werden abgelöst durch Wirtschaftsräume.
Mit der Einbindung der Schwellenländer in die "Gruppe der 20" entstanden Grundrisse einer neuen internationalen Finanz- und Wirtschaftspolitik. Ökonomisch muss heute die Globalisierung in Unterdimensionen eingeteilt werden (Handel, Investitionen, Finanzmärkte und Akteure).

Transnationale Konzerne ("global players") gestalten Wirtschaftsprozesse, Produkte und Dienstleistungen für einen weltweiten Bedarf, Kapital fließt weltweit und richtet sich in seinem Fluss an günstigen Anlagebedingungen.

Der Verflechtungsgrad der Ökonomien und die Ausweitung des Welthandelns mit neuen Produktionen sowie der Bedeutungsverlust von Zeit und Raum erzeugen Folgewirkungen für Kulturen, Identitäten und Lebensstilen (vgl. den IT-Autorenbeitrag? http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Interkulturelle Kompetenz; vgl. den Begriff "McDonaldisierung?" der Welt).

  • Es zeigt sich eine Relativierung von Kulturen.
  • Die Bedrohung historischer Identitäten begünstigt Tendenzen eines Partikularismus(vgl. fundamentalistische Strömungen und ethno-nationalistische Bewegungen).
  • Ökologische Problembereiche entstehen, eine hohe Belastungsfähigkeit des globalen Ökosystems zeigt sich.
  • Nationalstaatloche Entscheidungsmacht und in der Folge Wirkungen und Konsequenzen gehören der Vergangenheit an. Internationale Kooperationsformen gewinnen an Bedeutung, supranationale Entscheidungsmechanismen entwickeln sich zunehmend.
Eine Sektoralisierung von internationalen Politik in internationale Problemfelder wie Sicherheitspolitik, Umweltpolitik, Finanzpolitik, Gesundheitspolitik, Migrationspolitik und Bildungspolitik kennzeichnet die Tendenz globaler Bereiche in der Politik.

3.5 Frieden - Konflikte    

Anzusprechen sind Frieden, Krieg, Gewalt, Konflikte und ihre Ursachen sowie neue Perspektiven einer Sicherheitspolitik(vgl. GALTUNG 1975, NASSMACHER 2004, 370-383; IMBUSCH-ZOLL? 2006; PELINKA-VARWICK? 2010, 151-166).

Die Grundfrage einer Konfliktlösung mit friedlichen Mitteln hat zunächst Philosophen beschäftigt - Niccolo Machiavelli, Immanuel Kant und Jürgen Habermas - und unterschiedliche Antworten ergeben.

Zwei Aspekte ergeben sich bei einer Friedenssicherung und Kriegsverhinderung.

  • In Europa gibt es die Vorstellung, dass man auf das Gute und die Vernunft bzw. Lernfähigkeit von Menschen setzt. Zur Konfliktvermeidung in einer Demokratie gelten die innere Verfassung eines Staates und sein Außenverhalten.
  • Der Gegenentwurf beinhaltet eine anarchische Struktur mit eigener Stärke und das Prinzip der Selbsthilfe (vgl. "Wer den Frieden will, der rüste für den Krieg").
War ehedem die Unterscheidung von Krieg und Frieden im Völkerrecht einfach (Kriegserklärung, feindliche Handlungen), so ist heute "Krieg" zunächst im Kontext von Handlungen als Bürgerkrieg, Stellvertreter-Krieg? und/ oder Befreiungskrieg zu sehen(vgl. Vietnam-Krieg?, Afghanistan-Krieg? der Sowjetunion und Angola-Krieg? ohne Kriegserklärung).

Eine massive Veränderung ergab sich nach dem 11. September 2001, als die USA einen "Krieg gegen den Terrorismus" begannen (man beachte einen Krieg nicht gegen eine bestimmte Regierung und ein bestimmtes Territorium). Mit einem Wandel des Kriegsbegriffes nach 1945 endeten militärische Auseinandersetzungen durch einen Waffenstillstand - Deutschland und die Alliierten, Israel und die arabische Staaten, Korea-Krieg?, USA und Nordvietnam Iran und Irak, Irak und die US-Allianz? - oder ein Verhalten ohne eine Vereinbarung - Abzug der Sowjetunion aus Afghanistan, Besetzung des Iraks durch die US-Allianz?.

Der Begriff "Frieden" hängt eng mit dem Begriff "Gewalt" zusammen.

  • Personelle Gewalt beinhaltet die von Menschen ausgeübte Gewalttätigkeit mittels Technik (etwa Krieg).
  • Strukturelle Gewalt beinhaltet Formen gesellschaftlicher Zustände gegen Menschen, ohne dass Menschen Auslöser der Gewalt sind (vgl. der Gegensatz von Industriestaaten und Schwellenländern mit Folgen etwa einer geringen Lebenserwartung/ Seuchen, Elend, Tod).
Zwei Denkschulen unterscheiden sich in der Friedens- und Konfliktforschung, die sich gegenseitig nicht ausschließen.

  • Die realistische Friedensforschung mit einem Zustand frei ohne persönliche Gewalt ("negativer Friede") und zwischenstaatlichen Beziehungen (vgl. Ost-West-Konflikt?).
  • Die kritische Friedensforschung mit einem Zustand frei ohne strukturelle Gewalt ("positiver Frieden") und gesellschaftlich- zwischenstaatlichen Konflikten (vgl. Nord-Süd-Konflikt?).
Konflikte entstehen durch Unvereinbarkeiten in Interessen und Wertvorstellungen. Für eine Konfliktlösung sind die Arten des Konflikts wesentlich. In internationalen Beziehungen gibt es Unterscheidungen (vgl. GALTUNG 1975, 33 bzw. 47).

  • Antagonistische Konflikte weisen auf unversöhnliche Konfliktpartner hin (vgl. die marxistische Auffassung in "Klassenkampf").
  • Nicht antagonistische Konflikte sind durch Kompromisse lösbar. Der Vorteil einer Seite muss nicht der Nachteil der anderen Seite sein.
Weitere Dimensionen von Konflikten sind

  • symmetrische Konflikte mit zwei annähernd gleich starken Konfliktpartner (vgl. Ost-West-Konflikt?) und
  • asymmetrische Konflikte mit ungleichen Partner (vgl. Konflikte mit Großmächten und Kleinstaaten[Invasion des Warschauer Paktes in der CSSR 1968, Invasion der USA in Panama 1989 bzw. Staaten und Personen). Eine Dominanz bzw. Hegemonie führt zunehmend zu Kriegen ohne Rücksicht auf die UNO (vgl. USA 1995 in Bosnien-Herzegowina?, 1999 im Kosovo und damit in Serbien; 2002 die Formulierung einer "Sicherheitsdoktrin"/ "Präventivschlagdoktrin" der USA mit dem Irakkrieg 2003). Ursachen dafür liegen in der Unfähigkeit der anderen politischen Systeme, die bestehende Asymmetrie der Weltpolitik zu gestalten.
Lösungsansätze bieten sich in zwei Techniken an.

  • Die dissoziative Konfliktlösung zielt das Konzept des Gleichgewichts und die wechselseitige Garantie von Einflusssphären mit Kommunikationsunterbrechung (vgl. Berliner Mauer, Eiserner Vorhang, Zypern).
  • Die assoziative Konfliktlösung zielt auf die Aufhebung eines Konflikts mit der Bildung eines neuen Akteurs (vgl. Bildung der europäischen Integration als politische Entwicklung des deutsch-französischen Gegensatzes).
Zumeist sind Konflikte auf zwei Ursachen zurückzuführen.

  • Endogene Ursachen liegen im politischen System (nationale Faktoren/politische Instabilität, ökonomische Misserfolge, öffentliche Meinung).
  • Exogene Ursache liegen in den Außenbeziehungen des politischen Systems (internationale Faktoren/internationale Bündnissysteme, weltwirtschaftliche Faktoren, geopolitische Gegebenheiten).
Das Bemühen um Frieden erzwingt eine Beschäftigung mit Kriegsursachen, also ihrer Entstehung. Sachs Theorien können unterschieden werden.

  • Hegemonialstreben liegt dann vor, wenn ein bestimmter Staat die Vorherrschaft anstrebt, es kein Gleichgewicht der Kräfte gibt (vgl. Peloponnesischer Krieg, Dreißigjähriger Krieg, Erster und Zweiter Weltkrieg).
  • Anarchie ist das Fehlen internationaler Autoritäten. Krieg wird zum Normalzustand, Frieden zum Ausnahmezustand (vgl. den "Kalten Krieg" als Ausnahmesituation nach 1945).
  • Nützlichkeit ist das fehlende Gleichgewicht der Kräfte, ein Krieg wird zur Maximierung des eigenen Nutzens verwendet (asymmetrischer Konflikt)und erklärt Bündnissysteme bzw. Neutralität (vgl. Panama 1989).
  • Innenpolitik weist auf die fehlende Instabilität, das politische Innensystem und ökonomische Interessen hin. Vorurteile und öffentliche Meinung sind wesentlich (vgl. Zypernkonflikt 1974 und Falkland-Krieg? 1982).
  • Fehlkalkulation betrifft eine Fehleinschätzung der politischen Realität, insbesondere der potentiellen Gegner (vgl. Fehleinschätzungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Fehleinschätzungen Nordkoreas 1950 und des Iraks 1990 der militärischen Entschlossenheit der USA).
  • Krisen hängen mit zugespitzten politischen Konflikten zusammen, die in der Folge nicht kontrollierbar werden. Eine militärische Auseinandersetzung ist nicht geplant und ungewollt(vgl. Ultimatum Österreich-Ungarn? 11914 an Serbien, Indien-Pakistan-Konflikt? 1971)
Die Theoriemodelle ergänzen sich und schließen sich nicht aus.

Prävention ist eine neue Perspektive auf Politik. Dabei handelt es sich um

  • ein Prinzip/ Querschnittsaufgabe mehrerer Politikbereiche, die wesentlich sind und sich ergänzen. Krisenherde zeigen an, dass neben militärischen Elementen zur Friedenssicherung auch zivile Kapazitäten notwendig sind (vgl. Kosovo, Afghanistan).
  • eine Kooperation verschiedener Akteure wie internationale Organisationen, NGOs und nationalstaatliche Akteure. Multilaterale Konzepte sind in der Regel erfolgreich (vgl. die rein nationalen Strategien im Krisenmanagement in den neunziger Jahren am Balkan in ihrer Unwirksamkeit).
  • ein Beginnen von Präventionsstrategien in mehreren Ebenen - politische Eliten, Militär und gesellschaftliche Gruppen. Aus einer solchen Koordination entsteht eine Vermeidungsstrategie und eine effiziente Arbeitsteilung.
Gegenstand einer friedlichen Transformation von Lösungen ist die Beeinflussung der Prozesse, die zu Gewalt und Eskalierung führen (können).

  • Zu unterscheiden sind die Entstehungsprävention in einer frühen Phase von der Eskalationsprävention als Gewaltkonflikt.
  • Bei einer Beendigung eines Konflikts in einer Friedensphase wird von Konsolidierungsprävention gesprochen.
Unterscheiden kann man auch die Begriffe operative und strukturelle Prävention.

  • Operativ beziehen sich auf kurzfristige zivile (etwa Vermittlung, Sanktionen, Anreize) und militärische Maßnahmen.
  • Strukturell bezieht sich auf längerfristige Maßnahmen, die grundlegende Ursachen betreffen (etwa Armutsbekämpfung, Entwicklungspolitik, Umweltpolitik, Rüstungskontrolle, regionale Integration, Sicherheitspolitik/ UN-Intervention?).
Prävention setzt den Willen zu Handlungen voraus (etwa die Interessenslage, Kosten-Nutzen-Rechnung?, inner-gesellschaftliche Unterstützung, Souveränitätsanspruch).

  • Nicht ein Mangel an Wissen von Konflikten und Krisen ist wesentlich, vielmehr ein Mangel an politischem Handlungswillen zur Abwendung von Krisen ist essentiell.
  • Mitunter wird das Erkennen von Frühwarnungen und in der Folge einem Ausbruch eines Konflikts übersehen (vgl. Völkermord im ostafrikanischen Zwischenseengebiet/ Ruanda mit verspäteter Präsenz von UNO-Truppen?. Im Kosovo-Konflikt? mangelte es einer gemeinsamen Strategie. Das Eingreifen der NATO war nur mehr eine Reaktion auf eine humanitäre Katastrophe, die sich ankündigte).
3.6 Internationale Organisationen    

Anzusprechen sind Merkmale internationaler Organisationen, die UNO und EU (vgl. NASSMACHER 2004, 456-488; POLLAK-SLOMINSKI? 2006; WEIDENFELD 2010; PELINKA-VARWICK? 2010, 167-187).

Von den etwa weniger als 200 Staaten im internationalen politischen System sind etwas mehr als 60 Prozent als Demokratien zu bezeichnen. Rund 26 000 internationale Verträge, 5 200 Regierungsorganisationen, rund 15 000 NGOs und rund 40 000 transnationale Konzerne zählt die "Union of International Associations" (UIA).

Zu unterscheiden ist zwischen Regierungsorganisationen/ IGO (Mitglieder sind Staaten/ etwa die WTO, UNO) und Nichtregierungsorganisationen/ INGO (Mitglieder sind die NGOs). IGOs umfassen eigene Organe, Kompetenzen, Verträge und Themenbereiche (etwa die Weltkonferenzen der UNO zur Umwelt, Menschenrechten, Bevölkerungsfragen und Ernährungssituation). Der Transfer schwankt zwischen den verschiedenen OGOs beträchtlich.

  • Einerseits werden keine staatlichen Souveränitätsrechte abgegeben, es verbleibt die alleinige Entscheidungsbefugnis ("intergouvernemental").
  • Andererseits treten Staaten teile ihrer Souveränität an supranationale Gremien ab und bindende Beschlüsse sind umzusetzen("supranational").
Zu unterscheiden sind drei Funktionsmöglichkeiten in diesem multilateralen Politikstil.

  • Es geht einmal um Instrumente staatlicher Diplomatie, um die Durchsetzung eigener Interessen.
  • Es geht auch um Standorte der internationalen Politik, also um einen Rahmen für die Durchsetzung politischer Ziele.
  • Internationale Organisationen besitzen eine eigene Qualität als Akteure, um politische Muster zu verändern.
Im Zeichen einer zunehmenden Globalisierung soll zwischenstaatliche Politik in verbindlichen Regelungen geschaffen werden (vgl. den Leistungsbedarf in der internationalen Politik mit Steuerungsmodellen in einer globalen Welt). Ausgedrückt wurde dieses Bemühen als "Global Gouvernance" in einer von Willy Brandt angeregten "Kommission für Weltordnungspolitik" mit ihrem Abschlussbericht 1995.

  • Bei "Global Gouvernance" geht es um eine Neudefinition staatlicher Souveränität.
  • Es geht um eine Verdichtung und Verrechtlichung internationaler Beziehungen durch Organisationen und Regime, um eine institutionalisierte Form der Bearbeitung von Konflikten und den Aufbau von gemeinsamen Prinzipien, Normen, Regeln und Entscheidungsverfahren.
  • Es geht auch um eine Erweiterung der Akteure über die internationalen Organisationen hinaus und
  • um eine Entwicklung eines neuen Politikstils.
  • Zudem geht es um das System der UNO, anderer internationaler Organisationen wie beispielhaft die WTO, Regime zur Nichtverbreitung von Atomwaffen und Klimaschutz, regionale Zusammenschlüsse (etwa die EU) und globale Netzwerke (also NGOs). Die internationale Zivilgesellschaft ist angesprochen.
  • Neben einer "global public policy" soll die Kooperation mit Unternehmen der Privatwirtschaft beachtet werden (""Business international non-gouvernemental organizations").
  • Politikfelder, auch nach Weltregionen, sollen differenziert werden.
Die UNO - gegründet 1945 in San Francisco von 51 Staaten - ist inzwischen auf 192 Mitgliedsstaaten angewachsen und von einer Nachkriegsorganisation zu einem globalen Form geworden. Grundlegende Weltprobleme werden diskutiert und teilweise einer Lösung näher gebracht. Insbesondere die Teilorganisationen sind nicht mehr wegzudenken.

Konsens besteht darin, dass die Strukturen und Verfahren nicht mehr der weltpolitischen Realität entsprechen.

Aufgabenbereiche bestehen in/ im

  • der Sicherung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit,
  • Bereich des Menschenrechtsschutzes und Fortentwicklung des Völkerrechts sowie
  • Bereichen der Ökonomie, Entwicklung und Ökologie.
Die Bereiche in ihrem Umgang sind nach den Erfahrungen des Völkerbundes kaum mehr vergleichbar, zumal bei der Gründung der UNO mit drei Hauptzielen umfassende Ziele definiert wurden.

  • Weltfrieden und internationale Sicherheit,
  • Grundsatz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker sowie
  • internationale Zusammenarbeit bei der Lösung wirtschaftlicher, sozialert, kultureller und humanitärerer Probleme unter Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten.
Allerdings ist der Grad der Verbindlichkeit und die Folgen bei Verstößen nicht präzise beschrieben. Flexible Formulierungen der Ziele und Grundsätze sind Chance und Gefahr zugleich.

Um dem Aufgabenbereich gerecht zu werden, hat die UNO ein realistisches und egalitäres Prinzip.

  • Realistisch sind die ungleichen Möglichkeiten zur Durchsetzung der Interessen, womit der UN-Sicherheitsrat? angesprochen ist. Dieser besitzt einen seit 1945 für die damaligen Großmächte entsprechenden Machtvorsprung.
  • Egalitär ist das Prinzip der Gleichheit der Mitgliedsstaaten in der Generalversammlung mit einer Stimme für ein Land.
Die Kernorganisation der UNO ist für Entscheidungsprozesse bedeutungsvoll.

  • Die Generalversammlung entscheidet über die Zusammensetzung der anderen Hauptorgane, die Kontrolle des Haushalts und die Administration der Sonder- bzw. Teilorganisationen.
  • Der Sicherheitsrat mit 15 Mitgliedern, fünf Ständigen (mit Veto-Recht?) und zehn Nichtständigen (zweijährigem Wechsel), ist für die Wahrung des Weltfriedens zuständig.
  • Der Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) mit 54 Mitgliedern bearbeitet wirtschaftliche, soziale, kulturelle und humanitäre Fragen und gibt Empfehlungen für die Generalversammlung, den Sicherheitsrat und die Sonderorganisationen ab.
  • Die Sonderorganisationen mit eigenen Statuten und Mitgliedsbeiträgen sind mit Abkommen mit der UNO verbunden (etwa die WHO, UNESCO, der Weltpostverein und die FAO).
  • Der Internationale Gerichtshof besitzt eine unabhängige Stellung (15 unabhängige Richter). Die Staaten müssen seine Gerichtsbarkeit anerkennen. Rechtsgutachten der UN-Organisationen? mit Genehmigung der Generalversammlung können angefordert werden. Seit 2002 besteht ein internationaler Strafgerichtshof (Völkermord, Kriegsverbrechen und schwere Menschenrechtsverletzungen).
  • Das Sekretariat ist ebenfalls ein Hauptorgan. Der Generalsekretär als höchster Verwaltungsbeamter erstattet jährlich einen Bericht über die Tätigkeit der UNO, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Wahrung des Weltfriedens im Sicherheitsrat.
Inwieweit die UNO reformierbar ist bzw. reformiert werden muss, richtet sich an die Mitgliedsländer. Jedenfalls sind die Hürden hoch. Der Druck auf eine Veränderung von globalen Zuständen ist enorm gewachsen und bedeutet öffentliche Rechtfertigung.

Eine rund fünfzigjährige Geschichte kennzeichnet die EU, die aus der "Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl/ EGKS/ Montanunion", der "Europäischen Wirtschafsgemeinschaft/ EWG" 1957, der "Europäischen Atomgemeinschaft/EAG" 1957 mit dem Vertrag von Maastricht 1992 begründet wurde.

Mit Maastricht wurde die "Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP)" und "Polizeiliche und Justizielle Zusammenarbeit (PJZS)" in Strafsachen ergänzt. Mit dem "Vertrag von Lissabon" 2009 wurde die EU Rechtspersönlichkeit und die EG mit ihren Organen Rat-Kommission-Parlament-Gerichtshof?, GASP und PJZS in der Union zusammengeführt.

Mit dem stark angewachsenen Regelungsumfang ist die EU über eine internationale Organisation im herkömmlichen Sinne hinaus gewachsen. Es entstand eine institutionelle Eigendynamik in einem Gebilde eigener Art.

Das politische System der EU betrifft ein Mehrebenen-System?, das sich vorrangig auf Handlungssysteme und neue Entscheidungsprozesse bezieht. Exklusive nationalstaatliche Kompetenzen sind kein Monopol mehr (vgl. die Verlagerung von Entscheidungszuständigkeiten an die EU-Gemeinschaftsorgane?). Mit dem Scheitern des "Verfassungsvertrages" - ablehnende Referenden in Frankreich und den Niederlanden - kam es zum "Vertrag von Lissabon" 2009 und einer umfassenden Neuordnung.

Die Grundsätze sind im "Vertrag über die Europäische Union" (EUV) und dem "Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union" (AEUV) festgelegt (Primärrecht der Union). Der Besitzstand der EU ist äußerst umfangreich und umfasst den Inhalt, die Grundsätze und politischen Ziele der Verträge, deren Anwendung und Rechtsvorschriften sowie Rechtsakte (Sekundärrecht).

Institutionell stellt sich die EU in fünf Organen dar.

  • Der Europäische Rat mit den Staats- und Regierungschefs sowie dem EU-Kommissionspräsidenten? und der Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik gibt Impulse und legt politische Ziele fest. Unabhängig ist die Arbeit des Europäischen Gerichtshofes. Verträge unterliegen ausdrücklich der Zustimmung der Ratsmitglieder.
  • Der Rat der EU (früher Ministerrat)ist ein Gremium der nationalen Fachminister. Als Vertreter der Exekutive stellen sie in der EU ein Organ der Legislative mit zehn Ratsformationen dar. In mehr als 100 Arbeitsgruppen behandeln nationale Experten Aufgaben bzw. bereiten Sitzungen vor.
  • Das Europäische Parlament stellt das einzige EU-Organ? durch direkte Wahl dar. Beteiligungsmöglichkeiten gibt es im Gesetzgebungsverfahren (und der Gleichstellung mit dem Rat), der Steuerharmonisierung und dem Budgetrecht.
  • Die Europäische Kommission besitzt Verwaltungsvollmacht und sorgt für die Anwendung und Umsetzung des Unionrechts ("Hüterin der Verträge", Klagerecht vor dem Gerichtshof). Die Mitglieder (Kommissare) des Kollegiums sind allein dem EU-Gemeinwohl? verpflichtet und werden vom Parlament kontrolliert.
  • Der Gerichtshof der EU ist Unionsinteressen verpflichtet und sichert die Auslegung und Anwendung der Verträge. Ausgenommen ist der Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik der EU.
Neben den Organen gibt es andere EU-Ausschüsse? bzw. Organe , etwa der Rechnungshof, der Wirtschafts- und Sozialausschuss, der Ausschuss der Regionen, die Europäische Investitionsbank und Europäische Zentralbank.

Zu beachten sind Akzeptanzprobleme , die insbesondere beim Zustandekommen von Entscheidungen sich ergeben und Legitimationsbedarf notwendig machen.

Zur Diskussion steht in der EU etwa

  • der Mangel an kollektiver Identität,
  • europaweiter Diskurse und
  • Abwesenheit europaweiter Infrastruktur politischer Parteien und Interessensverbänden.
Die EU versteht sich als Konkordanz-System? mit Mehrheitsregeln als Maßstab für Demokratie mit Verhandlungen, Kompromiss und Proporz.

Der EU stehen ohne Zweifel schwierige Debatten über die Zukunft der Integration und Rolle europäischer Staaten in einem internationalen System bevor (vgl. etwa die Bereiche Machtverschiebung und Notwendigkeiten für Europa in der internationalen Politik wie Sicherheit, Ökonomie, Migration, Ökologie, Kultur/ Bildung und Wertesystem).

Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 2 - 3    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.

Andersen U. (Hrsg.) (2009): Parteien-Parteisysteme-Parteiforschung?, Schwalbach/Ts.

Asbrand B. - Scheunpflug A. (2014): Globales Lernen, in: Sander W.(Hrsg.): Handbuch politische Bildung, Schwalbach/Ts., 401-412

Beauvoir S. de (1949): Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, Reinbek

Dahl R.H. (1976): Vorstufen zur Demokratie - Theorie, Tübingen

Dichatschek G. (2015): Warum lernen wir was und wie wir lernen? Impulse für den Unterricht. Unterrichtsbeispiele für die Sekundarstufe 1, in: Globales Lernen in Geschichte, Sozialkunde und Politischer Bildung, Südwind, Wien, 38-50

Falter J. - Schoen H. (2005): Handbuch Wahlforschung, Wiesbaden

Galtung J. (1975): Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Reinbek

Imbusch P. - Zoll R. (Hrsg.) (2006): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung, Wiesbaden

Ismayer W. (Hrsg.) (2003): Die politischen Systeme Westeuropas, Opladen

Jesse E. - Sturm R. (Hrsg.) (2003): Demokratien des 21. Jahrhunderts im Vergleich, Opladen

Lazarsfeld P.F. - Berelson B. - Gaudet H. (1969): Wahlen und Wähler. Soziologie des Wahlverhaltens, Neuwied

Lemke Chr. (2000): Internationale Beziehungen. Grundkonzepte, Theorien und Problemfelder, München-Wien?

Lösche P. (Hrsg.) (2008): Länderbericht USA, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 690, Bonn

Maier H. (Hrsg.) (2003): Totalitarismus und Politische Religionen, Bd. III: Deutungsgeschichte und Theorie, Paderborn

Moeckli S. (2007): Das politische System der Schweiz verstehen. Wie es funktioniert - Wer partizipiert - Was resultiert, Altstätten

Naßmacher H. (2004): Politikwissenschaft, München-Wien?

Niedermayer O. - Stöss R.-Haas M.(Hrsg.)(2006): Die Parteisysteme Westeuropas, Wiesbaden

Nohlen D. (2009): Wahlrecht und Parteiensystem, Opladen

Pelinka A. (1980a): Politische Bildung in der Schule, in: Weiss R. (Hrsg.): Probleme der österreichischen Schule. Mit Beiträgen von Anton Pelinka und Hansjörg Walter - Aus dem Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck, Innsbruck, 59-69

Pelinka A. (1980b): Sozialdemokratie in Europa. Macht ohne Grundsätze oder Grundsätze ohne Macht?, Wien

Pelinka A. (2005): Vergleich politischer Systeme, Wien

Pelinka A. - Varwick J.(2010): Grundzüge der Politikwissenschaft, Wien-Köln-Weimar?

Pollak J. - Slominski P.(2006): Das politische System der EU, Wien

Reich K. (2014): Inklusive Didaktik, Weinheim-Basel?

Rittberger V. - Kruck A. - Romund An (2010): Grundzüge der Weltpolitik: Theorie und Empirie des Weltregierens, Wiesbaden

Rosenberger S. - Sauer Br. (Hrsg.) (2004): Politikwissenschaft und Geschlecht. Konzepte - Methoden - Perspektiven, Wien

Sander W. (Hrsg.) (2014): Handbuch politische Bildung, Schwalbach/Ts.

Schimmelfenning F. (2010): Internationale Politik, Paderborn

Schmidt M.G. (2010): Demokratietheorien, Wiesbaden

Schwaabe Chr. (2007): Politische Theorie, Bd. 1-2, Paderborn

Talos E. (2008): Sozialpartnerschaft. Ein zentraler politischer Gestaltungsfaktor in der Zweiten Republik, Innsbruck-Wien-Bozen?

Weede E. (2000): Asien und der Westen, Baden-Baden?

Weidenfeld W. (2010): Die Europäische Union, Paderborn

Willms B. (1970): Die Antwort des Leviathan. Thomas Hobbes' politische Theorie, Neuwied-Berlin?

Willms B. (1971): Die politischen Ideen von Hobbes bis Ho Tschi Minh, Stuttgart

4 Interkulturelle Kompetenz    

Die Notwendigkeit einer Interkulturellen Kompetenz/ Interkulturalität (in Verbindung mit interkulturellem Lernen) - definiert vom Autor als Fähigkeit, mit Personen anderer Kulturen selbständig, kultursensibel und wirkungsvoll sowie handlungsbereit interagieren zu können (interkulturelles Wissen, interkulturelle Sensibilität, interkulturelle Handlungskompetenz) - ergibt sich aus dem Zusammenleben und der Kooperation von Menschen unterschiedlicher Herkunft, wobei Orientierungslosigkeit, Unsicherheit, Missverständnisse, Vorurteile und Konfliktbereiche zu vermeiden sind (vgl. HUNFELD 2004, 365-366; PRIES 2001; HERBRAND 2002, 33-34; DEARDORFF 2009; FISCHER-SPRINGER? 2011; THOMAS 2016, 266-268).

4.1 Aneignungsprozess    

Der Aneignungsprozess geht über familiäre, schulische, außerschulische, kulturelle, religiöse, politische und berufliche Sozialisation, wobei Grundlagen pädagogische, rechtliche, kulturelle, religiöse, politische und berufliche Werte und Normen entsprechende Kompetenzen - Wissen, Haltungen und Handlungen - mit Aspekten einer Interkulturalität ergeben. Es geht demnach um eine bessere Bewältigung von interkulturellen Lebenszusammenhängen (vgl. BOLTEN 2007, 113; ROSENSTREICH 2009, 233-244).

Wenn Hans HUNFELD von der Normalität des Fremden spricht, so mag das 1991 utopisch geklungen haben. Heute ist "Anderssein" die Regel, nicht die Ausnahme. Interkulturalität gehört zur Norm. "Naheliegend wäre entsprechendes Verhalten: mit der eigenen und der fremden Andersheit unbefangen und wie selbstverständlich umzugehen" (HUNFELD 2004, 365).

4.2 Kulturbegriff    

In diesem Zusammenhang ist auf den Begriff Kultur einzugehen, damit ein besseres Verständnis von interkultureller Bildung erreicht werden kann (vgl. SCHNEIDER-WOHLFART?/PFÄNDER/PFÄNDER/SCHMIDT/ LANDESINSTITUT FÜR SCHULE UND WEITERBILDUNG 1990, 21-28).

Kultur ist gesamtgesellschaftlich zu sehen. Bereiche und Ausdrucksformen ergeben sich einmal aus der Auseinandersetzung mit den materiellen Lebensbedingungen (Technik, Arbeit/Organisation - Normen und Wertbildungen) und zum Anderen aus den Qualifikationsanforderungen, dem Konsumverhalten und Lebensstandard. Die Wissenschaft beeinflusst ebenfalls kulturelles Verhalten. Demnach beeinflusst Kultur die Produktionsverhältnisse (Produkte, Formen der Arbeit), die sozialen und politischen Gegebenheiten (Normen, Werte, Riten, Gesetze, Institutionen, Parteien) und die geistigen Äußerungen (Wissenschaft, Kunst, Sprache, Literatur). Diese Gesamtheit ist Ausdruck eines geschichtlich gewachsenen Niveaus in Form der Schaffenskraft von Menschen. Kultur entsteht nicht als Einzelleistung, vielmehr ist sie Ergebnis von Theorien, Kooperationen und Erfindungen/Entdeckungen. Durch Umgestaltung von Lebensbedingungen ändern sich prozesshaft die Kommunikation, soziale Beziehungen und Lebensäußerungen. Traditionen können durchaus in neuen Wertesystemen bestehen bleiben.

Ethnozentrische Haltungen, die eine Kultur zum alleinigen Maßstab ergeben, sind abzulehnen. Ebenso ist ein Kulturrelativismus mit gleichberechtigten Kulturen in einer Gesellschaft nicht förderlich. Eine kritische Überprüfung politischer Kulturen ist notwendig (vgl. die Intentionen Politischer Bildung).

Kultur dient der Deutung und Orientierung menschlichen Handelns. Vermittelt wird sie durch Erziehung und Sozialisation, die von dem sozialen Status, Bildungsteilhabe und gesellschaftlicher Partizipation abhängt. Denkmuster werden unbewusst aufgenommen und verinnerlicht. Dadurch können gedankliche Stereotypen und damit Vorteilsbildungen aufgebaut werden. Damit verläuft die Weitergabe nicht immer reibungslos und erfährt individuelle Aneignungsformen. Kultur ergibt nach der gesellschaftlichen Gruppierung, Schicht, Klasse und Elitenbildung.

Durch internationale Wanderungsbewegungen kommt es zu Vermischungen, Berührungen und ein Ineinandergehen von Kulturen. Dies gilt heute insbesondere auch durch die Massenkommunikation (Massenmedien) und ihre Beeinflussung.

4.3 Interkulturelle Bildung - Kompetenzbegriff    

In der interkulturellen Bildung zeigt sich dies in der Kultur des Aufnahmelandes und des Herkunftslandes. Migranten sind überdies nicht nur Arbeitskräfte, vielmehr auch Familienmitglieder, Schüler/ Studierende und politisch-kulturell-sozial Interessierte. Demnach geht es um das pädagogische Handeln mit der Andersartigkeit, um kulturelle Identität und kulturelle Stabilität. Dass dies mit Veränderungen im Aufnahmeland zu tun hat, versteht sich von selbst (Tagesablauf, Gemeinschaftsleben - Bildungssystem, Berufsleben). Elemente der Heimatkultur zu bewahren zeigt sich im muttersprachlichen Unterricht in der Schule und/oder im Fach Religion.

Kulturkonflikte zu vermeiden, die Chancen einer Vielfältigkeit zu nützen, ist Aufgabe interkultureller Bildung geworden.

Im Folgenden sollen pädagogische Folgerungen näher ausgeführt und dargestellt werden.

Die Einführung des Kompetenzbegriffs ist vor dem Hintergrund eines wachsenden Bildungssystems und rasanter Wissensentwicklung mit Fachdisziplinen zu sehen.

Hanspeter MAURER und Beat GARZELER (2005, 148) beschreiben Kompetenzen als "[...]Fertigkeiten, Eigenschaften oder Haltungen, die es ermöglichen, Anforderungen in komplexen Situationen erfolgreich und effizient zu bewältigen." Kompetenzen sind demnach Fähigkeiten, Ressourcen oder Potenziale zielorientiert, kreativ und funktional miteinander zu kombinieren. Fachwissen, methodische Kenntnisse, Zielorientierung, persönliche und soziale Handlungsmotivation und Handlungsfähigkeit zeigen an, dass es hier um mehr geht als um Fertigkeiten("skills").

Kompetenzen ermöglichen in vorher unbekanntem und konkreten Handeln kreative Lösungswege zu finden (vgl. TREICHEL-MAYER? 2011, 271). Aktiviert werden demnach Fachkompetenz, Methodenkompetenzen, Sozialkompetenzen, Selbstkompetenzen und Handlungskompetenzen.

"Kulturelle Kompetenz beinhaltet die kognitiven, affektiven, persönlichen und sozialen Fähigkeiten zur Nutzung kultureller Ressourcen" (TREICHEL-MAYER? 2011, 272).

Interkulturelle Kompetenz bzw. Bildung ermöglicht, die Unterschiede zu einer anderen Kultur - Werte, Lebensweisen, Einstellungen - zu erkennen und zu verstehen, die Differenzen zur eigenen Kultur und zu eigenen Ressourcen und Interessen zu definieren, wertschaffende Methoden und Techniken zu entwickeln, um mehrwertorientiert Bedeutungen und Handlungen aktivieren und interagieren zu können (vgl. TREICHEL-MAYER? 2011, 273-274). Weil die Wahrnehmung von Unterschieden dazu führt, das eigene Wesen als überlegen bzw. unterlegen einzuschätzen, ergibt sich tendenziell eine Unterscheidung im interkulturellen Kontakt mit Stereotypen, nach BHABHA (2000) stereotyp kolonial.

Interkulturelle Kompetenz wird angewendet in internationalen Interaktionen, innerhalb pluraler Gruppen, Gesellschaftsformen mit kultureller Vielfalt, neuen sozialen Systemen in differenzierten Gesellschaften und im Umgang mit internationaler Migration. Voraussetzung ist die Kenntnis der eigenen Kultur, des eigenen Denkens und eines eigenen Weltbildes (vgl. TARNAS 2001). In jedem Fall verbleiben offene Fragen.

  • Interkulturalität betont eher Aspekte der Differenzen und bemüht sich um das Verstehen des "Fremden" und "Anderen".
  • Transkulturalität betont die Aspekte des Gemeinsamen und sucht nach Anschlussmöglichkeiten im "Eigenen", im Lernprozess tritt zum Fremdverstehen das Selbstverstehen.
Dieter MERTENS (1974) entwickelte Schlüsselqualifikationen mit dem Ziel einer Vorbereitung auf ein möglichst hohes Transfer und einer Flexibilität auf neue Anforderungen. In der Folge wurden ähnliche Ziele mit den Konzepten von "life-long-learning" und "Lernen des Lernens" eingeführt (vgl. FISCHER 2011, 334).

Eckhard KLIEME (2004, 10-13) kritisiert bei der "Interkulturellen Kompetenz" die unklare Angrenzung von affektiven Aspekten und Einstellungen bei unterschiedlich zu bewertenden Niveaus.

Karlheinz GEISSLER (2002, 72) stellt den heutigen Kompetenzbegriff eindeutig als ökonomischen Zweck dar, also als Ausrichtung an Erfordernisse des Arbeitsmarktes.

Für bestimmte Teilkompetenzen bedarf es einzelner Lernziele wie etwa die Stärkung von Subjektivität, Selbstverwirklichungsinteressen und Persönlichkeitsbildung, wie sie für Migrantinnen und Migranten notwendig sind.

Von Interesse ist Oskar NEGTs Gegenkonzept (1997, 89-102) mit einer Identitätskompetenz, technologischen Kompetenz, Gerechtigkeitskompetenz, ökologischen Kompetenz, historischen Kompetenz und ökonomischen Kompetenz. In weiten Bereichen des Alltags bedarf es, nicht nur bei Migrantinnen und Migranten, einer interkulturellen Kompetenz, will man im Hinblick auf die zunehmende Internationalität und Globalisierung entsprechende Qualifikationen benennen können.

Alexander THOMAS versteht im interkulturellen Handlungsspiel die Vermeidung von Missverständnissen und die Nutzung einer gemeinsamen Problemlösung von allen beteiligten Personen. Diesem Ansatz wird allerdings Zweckrationalismus vorgeworfen (vgl. THOMAS 2003, 137-141).

Alois WIERLACHERs Gegenposition, interkulturelle Begegnung soll persönlicher Weiterentwicklung aller Beteiligten dienen, wird Idealismus vorgeworfen, da die Position ökonomische, politische, rechtliche und soziale Rahmenbedingungen ignoriere (vgl. WIERLACHER 2003, 216; FISCHER 2011, 338). Die Frage nach der Einordnung kulturspezifischer oder kulturübergreifender Kompetenz geht auf die Tendenz von Kultur nach ethno-nationalen Kriterien ein, was heute nicht mehr haltbar ist.

Paul MECHERIL (2003, 198; 2004, 106-132) definiert demnach interkulturelle Kompetenz als Fähigkeit der Verarbeitung von Erfahrungen von kultureller Differenz und Fremdheit. Es zeigt sich, dass der Kulturbegriff entscheidend ist und letztlich erweitert werden muss.

Wolfgang WELSCH hat mit dem Begriff Transkulturalität die Vorstellung einer geschlossenen Nationalkultur einer Kritik unterzogen (vgl. WELSCH 1992, 5-20; 1999, 45-72). Dieses Modell geht davon aus, dass im Gegensatz zu dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden an Nationalität, Ethnie oder einem geographischen Raum orientierten Kulturbegriff Kulturen sich in einer modernen Gesellschaft gegenseitig durchdringen und miteinander verflochten sind (vgl. FISCHER 2011, 33). Der Wortbedeutung von "trans" entsprechend ist die heutige Situation der Kulturen "jenseits" der alten. Es gibt keine klaren Abgrenzungen, vielmehr Verflechtungen und Gemeinsamkeiten (vgl. LANGENOHL-POOLE-WEINBERG? 2015).

Verfolgt man den Diskurs in der Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft zum Kulturbegriff, so spricht man nicht von Kultur als nationaler und homogener Einheit, sondern von Kultur als "Konstrukt" bzw. von "Kulturen", die verschiedene Merkmale wie regional, sozial, Geschlecht, Status und Berufsgruppe aufweisen (vgl. NIEKE 1995, 42-43).

Konsequent spricht Hubertus SCHRÖER von Interkulturalität, die das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Lebensformen formuliert, etwa Unterschiede des Geschlechts, der sozioökonomischen Lage, des Alters, Religion, körperlicher Ausstattung und sexuellen Orientierung sowie verschiedenen Betriebs- und Verwaltungskulturen (vgl. SCHRÖER 2011, 307-322).

Hinzuweisen ist auf die "Essentialisierung", die Zuschreibung bestimmter kultureller Merkmale im Sinne von Wesenszügen für Mitglieder einer ethnischen Gruppe. Hier werden häufig der Austauschprozess zwischen den Kulturen und die "Verflüssigung kultureller Muster" nicht berücksichtigt (vgl. FISCHER 2011, 341).

Ebenso findet sich Kritik an der Ausklammerung sozioökonomischer Grundlagen menschlichen Zusammenlebens, die zu Ungleichheiten und Benachteiligungen führt. Migrantinnen und Migranten würden lediglich kulturell verschieden wahrgenommen, verstärkt etwa durch Neigung zur Selbstethnisierung. "Dass sie aber aufgrund ihres benachteiligten ausländerrechtlichen Status, fehlender sozioökonomischer und qualifikatorischer Ressourcen schlechter gestellt sind und daher marginalisiert werden, würde bei einer solchen Sicht ignoriert. Die kulturelle Differenz spiele stattdessen eine primäre Rolle bei der Suche nach Erklärungen für das Anderssein" (FISCHER 2011, 342; vgl. HAMBURGER 2009, 190).

Dieser Diskurs hat demnach Konsequenzen für pädagogische Bemühungen für die Klientel der Zuwanderer, worauf in der Folge einzugehen ist.

Mit dem kulturalistischen Ansatz zu reflexiven Perspektiven ist Paul MECHERILs Konzept angesprochen, das im Folgenden vorgestellt und referiert wird (vgl. MECHERIL 2004, 106-132).

Ausgehend von Wolfgang KLAFKIs Analyse der "Grundzüge eines neuen Allgemeinbildungskonzepts" (1996) mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf nationale Besonderheit und kulturelle Identität sowie dem Erfordernis interkultureller Offenheit und Verständigung entstand in der Folge eine eigenständige Interkulturelle Pädagogik.

Leitende Motive dazu sind das Eintreten für

  • eine Gleichheit aller ungeachtet der Herkunft,
  • eine Haltung des Respekts für Andersheit,
  • die Befähigung zum interkulturellen Verstehen und
  • die Befähigung zum interkulturellen Dialog.
  • Interkulturell wird, so die Annahme, mit Differenz- und Fremdheitserfahrung in Verbindung gebracht.
Interkulturelle Kompetenz reagiert auf den Mangel der Fähigkeit, die Fremdheit zu verarbeiten.

Aspekte sind etwa die Konfliktseiten interkultureller Begegnungen und die Kommunikation.

Man geht davon aus, dass ein Defizit in der professionellen Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Fremdheit und Differenz durch den Erwerb und die Bestärkung spezifischer Handlungspotentiale behoben werden kann (vgl. MECHERIL 2004, 108).

4.4 Kulturalistische Ansätze - Kritik    

Im Folgenden geht es um eine Kritik kulturalistischer Ansätze, reflexiver Konsequenzen aus der Kritik und die interkulturelle Perspektive.

Die Kritik setzt an in der Verwendung der Blickrichtung "Kultur" zur Analyse von Kommunikation zwischen ethnisch-kulturellen Minderheitsangehörigen und ethnisch-kulturellen Mehrheitsangehörigen, zwischen Migrationsanderen und Nicht-Migrationsanderen?. Konsequenzen sind zunächst in reflexiver Art zu ziehen. Individuen sind ihrer gesellschaftlichen Position zu betrachten und erst in der Folge sind Absichten zu formulieren sowie Handlungsmöglichkeiten vorzunehmen. Die Frage nach den Gründen für eine Verwendung von Instrumentarien ist zu stellen (vgl. MECHERIL 2004, 114).

Reflexiv besteht die Konsequenz im Deutungsmuster von Kultur, das in der Selbst- und Fremdbeschreibung von Handlungssubjekten vorkommt.

Eine Kulturalisierungskritik hat die folgenden Tendenzen (vgl. MECHERIL 2004, 114-125):

  • Essentialisierung kultureller Zugehörigkeit und Differenz,
  • kulturalistische Reduktion sozialer Verhältnisse,
  • Gleichsetzung kultureller Zugehörigkeit mit nationaler und ethnischer Zugehörigkeit,
  • Fest-Stellung? des und der Anderen und
  • Nicht-Thematisierung? der Kennzeichen des Ortes, an dem gehandelt wird.
In diesen Zusammenhang ist die pädagogische Debatte im Kontext interkultureller Kompetenz zu sehen, die folgende Ziele angibt (vgl. MECHERIL 2004, 126),

  • die Erkenntnis der Gebundenheit des eigenen Denkens,
  • die Erkenntnis der Kulturalität der eigenen Wertemuster,
  • eine erhöhte Selbstreflexivität,
  • eine Heterogenitätskompetenz mit Offenheit gegenüber Vielfalt und der Fähigkeit zur Thematisierung von Diversität sowie
  • eine Konfliktfähigkeitskompetenz mit der Beinhaltung eines eigenen begründbaren Standpunktes.
Das Problem besteht in der Annahme, dass interkulturelles Handeln gelingt, wenn die Handelnden über Wissen über das Gegenüber zum Einsatz bringen.

Alternativ wäre zu bedenken, dass eine Gleichzeitigkeit von Verstehen und Nicht-Verstehen?, eine selbstironische Fehlerfreundlichkeit und kulturelle Differenz anzuerkennen sind (vgl. MECHERIL 2004, 127-132).

Die beschriebene interkulturelle Kompetenz realisiert sich demnach auf der Interaktions- und Kommunikationsebene in face-to-face-Kontakten, bei denen die Personen wechselseitig in Kontakt treten. Eine entsprechende Didaktik hat diesem interkulturellen erkenntnistheoretischen Modell Rechnung zu tragen.

Als Kompetenz bedeutet das für pädagogisch Handelnde die Erkenntnis,

  • in eine globale Gesellschaft eingebunden zu sein,
  • Reichtum und Armut mit allen Widersprüchen und Ungleichgewichten zu sehen,
  • Ursachen und Wirkungen von Migration analysieren zu können,
  • Biographien und Familiengeschichten in ihrer transnationalen Vernetzung zu verstehen,
  • international anerkannte Werte und Normen zu respektieren und
  • an internationalen Netzwerken mitzuarbeiten bzw. sie aufzubauen.
Die Fähigkeit, interkulturelles Handeln vor dem Hintergrund einer Einwanderungssituation zu reflektieren und dieses Wissen für ein professionelles Handeln zu nutzen, ist keineswegs selbstverständlich. Es bedarf einer Vermittlung von Fort- und Weiterbildung sowie Studium (vgl. FISCHER 2011, 353).

Als Beispiel in der angelsächsischer Literatur geht es bei "key qualifications" im interkulturellen Kontext um

  • "social competence"/skills: Kommunikation, Kooperation, Konfliktlösung und Sensibilität
  • "method competence"/skills: Analysefähigkeit, Kreativität, Lernwillen und Rhetorik,
  • "self-competence": Produktivität, Motivation, Flexibilität, Reliabilität, Unabhängigkeit, Anpassungsfähigkeit und Stressresistenz/Belastungsfähigkeit sowie
  • "action competence": Umsetzung der eigenen Interessen/"Realisierungsphase" (vgl. DEARDORFF 2009, 210-211).
Es lassen sich bei der dargestellten Systemebene drei Schlüsselthemen für eine interkulturelle Pädagogik mit ihren Teilbereichen - der Autor beschäftigt sich mit Vorberuflicher und Politischer Bildung sowie Erwachsenen- und Weiterbildungspädagogik/Hochschuldidaktik - herausfiltern( vgl. FISCHER 2011, 354):

  • Exklusion - Inklusion:
Gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse im ökonomischen, politischen, rechtlichen, sozialen und kulturellen Bereich verlangen nach Gegensteuerung. Als eine Handlungsstrategie einer Inklusionspolitik/-pädagogik ergibt sich der Teilbereich Politische Bildung.

  • Homogenität - Heterogenität:
Ethnonationale Vorstellungen treten in Gegensatz zur tatsächlichen Vielfalt der Bevölkerung. Mehrfachzugehörigkeiten prägen Identitätsentwürfe. Als Handlungsstrategie ergibt sich eine Anerkennungskultur mit der Akzeptanz von Mehrsprachigkeit, Mehrreligiosität und Vielfalt kultureller Deutungsmuster. Als kulturelle Orientierung in der Lebenswelt und bei notwendigen Ressourcen benötigt man einen Aufbau interkultureller Kompetenzen für reflexive und kommunikative Kompetenzen.

  • Diskriminierung - Anerkennung:
Stereotype, Vorurteile, Stigmatisierungen, Etikettierungen, Rassismus und Gewalt gefährden einen demokratischen Zusammenhalt der Gesellschaft. Als Handlungsstrategie ergeben sich Strategien des Empowerment mit Stärkung der Autonomie und Selbsthilfepotenziale, vorurteilsfreie Erziehung und Bildung, antirassistische Erziehung und Bildung, Gewaltprävention und Konfliktmanagement sowie Resilienzförderung.

Diese Profile beziehen sich auf die Bewältigung von Problembereichen der Gegenwart mit gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen, damit um einen Beitrag zur Inklusion in der Gesellschaft.

Die Vielfalt kultureller Deutungsmuster soll dazu befähigen, sensibel mit erfahrbaren biographischen, milieuspezifischen, subkulturellen und spezifischen Kulturausdrucksformen umzugehen und Diskriminierungen zu vermeiden.

Personenzentrierte Haltungen wie Empathie, Authentizität, Akzeptanz, Ambiguitätstoleranz und Konfliktfähigkeit sollen den Zugang zu Menschen aus anderen Herkunftskulturen und Milieus erschließen.

Letztlich bedarf es eines Abbaues von Zugangsbarrieren, um Bildung und Öffnung von Organisationen für gesellschaftliche Partizipation, Berufsausübung, Kultur- und Religionsbelange und die Alltagsbewältigung umsetzen zu können.

Dazu bedarf es im Kompetenzbereich

  • interkulturellen Wissens (Verständnis des Kulturkonzepts mit dem Orientierungssystem der fremden und eigenen Kultur, Abbau von Unsicherheiten, Kenntnis von Problempotenzialen und interkulturellem Konfliktmanagement sowie länderspezifisches Wissen),
  • interkultureller Sensibilität (positive Einstellung zur fremden Kultur, Reduktion von Angst, Sensibilität für kulturbedingte Unterschiede, Motivation zu interkulturellem Leben, realistische Erwartungen, Weiterentwicklung von Persönlichkeitsmerkmalen/Unvoreingenommenheit-Weltoffenheit-Toleranz und Abbau von unzutreffenden Stereotypen) und
  • interkultureller Handlungskompetenz (interkulturelle Handlungssicherheit und Kommunikationsverhalten sowie Fähigkeit zu Zusammenarbeit, Konfliktmanagement und dem Umgang mit einem Kulturschock).
Die drei Ziele ergänzen sich gegenseitig, ihre Grenzen sind fließend (vgl. HERBRAND 2002, 48-54).

Ergänzt wird der interkulturelle Lernprozess durch das Einbringen persönlicher innerer Werte mit den Fähigkeiten der Kreativität einer fremden Kultur und Kenntnis bzw. Möglichkeit und Notwendigkeit anderer Sprachen ("transcording"). Innerhalb der Innovationstheorie ist die "Diffusion" - als Vermittlungsprozess von Innovationen in Form von Ideen, Wissen und Technologien - von Interesse.

Zuständige Instanzen finden sich im Bereich der Wirtschaft und Medien. Besondere Bedeutung kommt

  • den Multiplikatoren, Unterrichtenden, Beratern und Experten ("change agents"),
  • den Unterstützern, Bildungsinstitutionen, Sozialpartnern und Medien ("change assistens") sowie
  • den Betrieben/Inhabern, dem Öffentlichen Dienst und Leitungsorganen zu ("change champions").
  • Diffusionsprozesse werden durch diese Akteure vermittelt.
  • Innovationen müssen Vorteile bringen, verständlich und nicht zu komplex sein.
Interkulturalität bezeichnet demnach das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Lebensformen (vgl. SCHRÖER 2011, 307). Der Begriff umfasst über Verhältnis von Einheimischen und Zugewanderten hinaus Unterschiede des Geschlechts, des Alters, der Religion, der sexuellen Orientierung und der sozioökonomischen Lage.

4.5 Interkulturelle Öffnung    

Interkulturelle Öffnung ist zu beachten, ist sie doch die Konsequenz einer solchen neuen Orientierung. Öffnung wendet sich gegen bewusste oder unbewusste Ausgrenzungen. Ziel ist der Abbau von Zugangsbarrieren und Ausgrenzungsmechanismen in den gesellschaftlichen Schichten und Institutionen.

Dazu dient das Konzept des "Diversity Management" mit seinen zwei Wurzeln (vgl. SCHRÖER 2011, 310-311; siehe Pkt. 8.24):

  • "Human Ressources Management" mit dem Kosten- und Erfolgsfaktor Mensch und der Anerkennung und Berücksichtigung der Unterschiede der Mitarbeiterschaft. Begründet durch die sozialen Strömungen, insbesondere in den USA, wurden die Unterschiede thematisiert und führten letztlich zur Anerkennung und Gleichberechtigung mit gesetzlichen Verpflichtungen, niemanden zu diskriminieren. "Diversity Management" greift Heterogenität auf und will sie zum Vorteil aller Beteiligten nutzen (SCHRÖER 2011, 311).
  • Dabei geht es nicht um Assimilation und/oder Nivellierung von Unterschieden, vielmehr um Wertschätzung und Förderung. Die Stärke des Konzepts liegt in der Verankerung in allen Bereichen der Organisations- und Personalentwicklung von Betrieben, Unternehmungen und Institutionen, wenngleich in der Praxis häufig nur einzelne Schwerpunkte wie Frauenförderung und Behinderungen verfolgt werden (vgl. DEARDORFF 2009, 219-220).
Quelle: > http://oesterreich.orf.at/stories/2593570/ (18.7.2013)

4.6 Interkulturelle Pädagogik    

Für eine interkulturelle Pädagogik muss beachtet werden, dass die Unterschiede nicht verwischt werden und das eigene persönliche und spezielle Profil erhalten bleibt. Eine Herausforderung für das Konzept ist allerdings der Machtaspekt, den Diversity Management eher verdeckt.

  • Es fehlt die Thematisierung, dass es um Personen geht, die als Vertreter der Mehrheitsgesellschaft gegenüber Minderheiten, etwa Männer gegenüber Frauen, als Vorgesetzte Macht haben, ausüben und mit Sanktionen drohen können.
  • Interkulturelle Beziehungen sind fast durchwegs durch Machtasymmetrie - Status-, Rechtsungleichheit, Wohlstandgefälle - gekennzeichnet. Dies bedeutet Dominanzkultur. Pädagogische Bemühungen sind demnach angesagt.
Von Bedeutung als interkultureller Ansatz ist die Theorie der kognitiven Dissonanz (vgl. ARONSON-WILSON-AKERT? 2004, 188-190). In der interkulturellen Pädagogik geht es um ein Gefühl des Unbehagens, verursacht durch zwei oder mehrere widersprüchliche Kognitionen, in der Folge umgesetzt als Handlung, die einem positiven Selbstbild zuwiderläuft. Kognitive Dissonanz stellt das Unbehagen her und veranlasst die Person zu dem Versuch, dieses Unbehagen zu reduzieren. Es kommt zur Veränderung oder zur Rechtfertigung mit Veränderungen der dissonanten Kognition oder zur Rechtfertigung mit der Veränderung der Hinzufügung einer neuen Kognition. Die Klientel hat sehr wohl das Bedürfnis, eine Dissonanz entweder durch Veränderung ihres Verhaltens oder durch Rechtfertigung ihres früheren Verhaltens zu reduzieren, um dieses in eine positive Sicht zu bringen. Eine Änderung der Einstellung kommt durch einen Prozess der Selbstüberzeugung, womit ein Lernprozess seine Rechtfertigung findet (vgl. ARONSON-WILSON-AKERT? 2004, 226). Damit ist ein Lernprozess mit pädagogischen Bemühungen verbunden.

Für den Bildungsprozess bedeutet Bilingualität einen besonderen Wert (vgl. MEISEL o.J., 7-8). Im Vergleich zum frühkindlichen Sprachenerwerb unterscheidet sich der Zweitsprachenerwerb Erwachsener dadurch, "[...] dass es zwar ebenfalls invariante Erwerbssequenzen gibt, nicht aber die gleichen, die im L1 Erwerb zu beobachten sind. Darüber hinaus verläuft der Erwerb langsamer, und man findet erhebliche individuelle Unterschiede im Verlauf und im letztlich erreichten Erfolg"(MEISEL o.J., 7). Der Gebrauch von Fremdsprachen hängt von soziolinguistischen Faktoren ab, wobei biographische Einflüsse eine Bevorzugung einer Sprache ergeben. Die Dominanz einer Sprache kann sich durchaus nach Lebensumständen, Einstellungen und Motivationen verändern. Hier spielt die Bildungs- und in der Folge Berufswahl eine Rolle.

Jacques LACANs Forderung nach Einordnung (Verständnis) und der Wertschätzung der Andersartigkeit erklärt dieses Konzept, das über die bisherige Praxis von interkultureller Bildung in homogenen Gruppen hinausgeht. Zu vermeiden sind demnach abwertende Haltungen, Etikettierungen ("labeling") und Einstellungen mit eigenen Aspekten ("resistance").

Im Lebensalltag der Migrationssituation, also um einen äußeren biographischen Wendepunkt bei einer formalen Veränderung und um einen inneren Wendepunkt im Sinne einer Autonomie, geht es um existentielle Fragen einer Person, ihr Milieu und um den Bruch in der Biographie (biographische Diskontinuität). Interkulturelle Pädagogik berücksichtigt das Vorwissen und Kenntnisse aus der Kultur in Verbindung mit Offenheit, Flexibilität, Interesse und kritischer Prüfung der eigenen Bemühungen. Im Diskurs tauschen sich Lernende und Lehrende aus, der in jedem Lern- und Lehrprozess benötigt wird. Michel FOUCAULTs Begriff, definiert als Verständnis in der Sprache von Wirklichkeit, weist auf die Bedeutung der Realität hin. Was darf, was soll, von wem, wie im täglichen Diskurs des Alltags gesagt/nicht gesagt werden? Damit ist auch das Konzept von "power/knowledge" angesprochen. Wie geht man mit Personen mit niedrigem Wissensstand um?

Für die interkulturelle Pädagogik hat dieses Konzept eine Bedeutung, geht es doch um eine Verbindung von Machtverhältnissen und Informationssuche. Wissensproduktion geht in eine bestimmte Richtung und betrifft Menschengruppen, Institutionen und Staaten. Es geht aber auch um Werteproduktion. Damit ist der Teilbereich Politische Bildung angesprochen.

Zu beachten ist jedenfalls, dass die Kenntnis und der Stellenwert eigener Kultur Voraussetzung ist, interkulturell verantwortungsvoll zu handeln. Nur wer die Ideen, Folgerungen für sich und seinen Kulturkreis kennt, ist in der Lage, interkulturell sich einbringen zu können (vgl. TARNAS 2001).

Dieser Absatz beruht auf dem Arbeitspapier "Aspekte soziokultureller Identitätsbildung von Minderheitsgruppen - Monique Eckmann/Genf" - 6. Universitätslehrgang Interkulturelle Kompetenz/Universität Salzburg (2012).

Die Verfasserin vertritt die These, dass Mehrheits- und Minderheitsidentitäten in einem dialektischen Verhältnis zueinander stehen und nicht nur ein Diskurs über Kultur, Rechte und Identität der Minderheiten, vielmehr auch über die Mehrheit notwendig ist.

Als Vorschlag und Perspektive könnte der Aspekt der Interkulturalisierung eingebracht werden.

Im Punkt "Identität ist Begegnung und Vergleich" (S. 1) wird die These der sozialen Identität erläutert, welche durch die Zugehörigkeiten zu verschiedenen Gruppen entsteht und dadurch Beeinflussungen unterliegt (Wahrnehmungen, Bewertungen, Haltungen der Individuen). In diesen Prozessen strebt jedes Individuum eine positive Bewertung in seinen Kategorien an, welche aber wiederum von der positiven Bewertung der Gruppe abhängig ist. Kommt es zu einer Negativbewertung, wird als Lösungsansatz das Verlassen dieser Kategorie angestrebt bzw. eine Änderung der sozialen Interpretation und/oder eine Verbesserung der objektiven Situation. Somit handelt es sich um eine individuelle soziale Identität und nicht um eine kollektive. Die Kultur einer Gruppe hat eine Spezifität, welche erst durch durch die Begegnung und den Vergleich sowie den daraus resultierende Abgrenzungen von anderen entsteht. Differenzen nach innen und außen kommen zur Geltung.

"Identität als Ausdruck von Dominanzbeziehungen" (S. 1) spielen sich nach Monique ECKMANN in den Beziehungen der Gruppen untereinander im Kontext von Ungleichheit und Macht ab. Dieser Kontext prägt die Minderheits- und Mehrheitsidentitäten. Wenn Monique ECKMANN von Minderheits- und Mehrheitsidentitäten spricht, geht es nicht um numerische Verhältnisse, sondern um dominante bzw. dominierende Positionen unter sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Aspekten. Sie bezieht sich auf auf die Definition von Colette GUILLAUMIN (1992), in der Minderheiten als Gruppe in der Gesellschaft in einer Situation von minderer Macht sich befinden. Nachteile sind nicht nur im materiellen Bereich vorhanden, vielmehr im Fehlen einer Definitionsmacht, welche der Mehrheit vorbehalten ist. Stellt man die Verknüpfung der Machtquelle her, bildet man die Situation von Dominanz, welche durch Privilegien bzw. Benachteiligungen gekennzeichnet ist. Solche Positionen sind entweder absolut, vereinfachend oder polarisierend. Sie sind entweder diskriminierend oder internalisierend und lassen auf beiden Seiten einen unterschiedlichen Identitätsprozess entstehen. Für die Mehrheitsidentität entsteht eine Norm mit Selbstverständlichkeiten,, für die Minderheitsidentität ein Bewusstsein von Differenz, welche mit Abweichungen und Unterschieden gekennzeichnet ist.

Die "Selbstdefinition und abgestrittene Identität auf Seiten der Mehrheit" (S. 2) sind der Mehrheit immer weniger bewusst. Das Nichtwahrnehmen einer Kultur und Identität wird zur Selbstverständlichkeit. Sie wird als universelle Norm angesehen. Man sieht nur die "Farbe" des Anderen, etwa das Kopftuch, die Religion, Hautfarbe oder Kleidung. Aufmerksamkeit entsteht erst, wenn die Minderheit die Mehrheit darauf hinweist. In der Regel geschieht dies anklagend, wodurch noch mehr Ablehnung bzw. Unbehagen erzeugt wird. Ein moralische Dilemma kommt bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Identität zur Geltung. Soll es zu einem Prozess einer Bildung einer neuen Autonomie kommen, bedarf es nach Janet HELMS (1990) der Auseinandersetzung mit der eigenen Identität.

Wenn Monique ECKMANN vom eigentlichen Dilemma spricht, nimmt sie an, dass die Minderheit einer individuellen Selbstentwertung und der Diskriminierung als Gruppenmitglied bis hin einer Selbstverleugnung unterliegt (vgl. ROMMELSPACHER 1995). Um den Prozess einer positiven sozialen Identität zu erlangen, benötigt man die Gemeinschaft als solche, welche den Prozess individuelle und kollektiv unterstützt. Da die Minderheiten keinen Platz in der Gesellschaft erlangen, werden sie zu politischen Kategorien, um auf diesem Weg eine positive Identität zu erlangen. Die Minderheiten werden in allen Bereichen von außen definiert. Wenn Selbstethnisierung externe und negative Definitionen übernimmt, ist dies ein legitimes Mittel zur Anerkennung. Zugewiesene Identitäten und damit Minderheitenpositionen werden stark internalisiert. Dies kann zu einer Opferposition führen (auch als Verteidigungsstrategie) und/oder zur Verinnerlichung der Vorurteile in Form von Selbsthass.

Monique ECKMANN beschreibt den Konflikt zwischen einheimischen Identitäten und Migrantinnen und Migranten als "Diaspora" (S. 3). Als Beispiel nimmt sie die zweite und dritte Generation, bei der man nicht mehr von "Migranten" sprechen kann, der Prozess der Identitätsbildung noch vorhanden ist, aber in einer Diasporasituation. Diese Gruppe hat dort ihre Wurzeln, wo sie leben, allerdings mit verschiedenen Heimaten, ohne eine Rückkehr mit Nostalgievorstellungen. Stuart HALL (1994, 41) spricht von notwendiger Heterogenität, die durch Hybridbildung lebendig ist, etwa bei Kurden, Roma, Juden oder Armenier. aber auch zunehmend bei Spaniern, Türken oder Kosovo-Albanern?.

"Identität als Positionieren in Machtverhältnissen" ist entscheidend dadurch gekennzeichnet, welche Position der/die einzelne in den gesamtgesellschaftlichen Machtverhältnissen einnimmt. Für Monique ECKMANN bedeutet dies, dass nicht die Minderheitspositionen, vielmehr die Mehrheitspositionen thematisiert werden. Stuart HALL (1994) fordert, dass das Positionieren zu einem bewussten Akt werden soll, wobei Herkunft, Zugehörigkeit, sprachliche und kulturelle Codes als zentrale Rolle deklariert werden und diese als unverzichtbare Ressourcen anerkannt werden. Dies gehört als Mussbedingung in die Debatte um die Rechte von Minderheiten.

Monique ECKMANN nimmt die Frage der Interkulturalisierung als Alternative zu kollektiven Minderheitsrechten auf und definiert sie als problematisch. Es geht um eine Umverteilung von Machtverhältnissen, Schutz vor Diskriminierung, vor allem bei "vulnerable groups". Sie stehen einem Staat gegenüber, der Kultur, Religion und Identität verbindet und ihre Definition davon ausschließt. Erst diese Aufhebungen ergeben eine pluralen Staat. Es gilt also wegen/trotz kultureller Differenz Gleichberechtigung, Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit zu sichern. Als Alternative bietet sich hier eine Institutionalisierung der Diversität als Möglichkeit an. Für die Mehrheit bedeutet dies, ihre Selbstverständlichkeit von Identität und Normen in Frage zu stellen.

Für Monique ECKMANN bedeutet Pluralität die Anerkennung und Gleichberechtigung aller Religionen (S. 4). Sie bezieht sich dabei auf den kulturellen Konflikt, der bereits im 19. Jahrhundert ein Thema war und weiterhin besteht, gerade wo Migration der nicht-christlichen Zuwanderer im Wachsen begriffen ist. Hier steht die Definitionsmacht bei den Christen. In dieser Mehrheitsposition gilt der Islam aufgrund seiner demographischen und sozialen Realität als Gegner. Diese Ungleichheiten spiegeln sich vor allem in der Bildung wider. Für Monique ECKMANN sind diese Unterschiede nicht nur in der religiösen Praxis vorhanden, vielmehr spricht sie in diesem Zusammenhang von Religion als Kultur. Denn, so die Argumentation, ein nichtreligiöser Muslim wird kein Christ werden, weshalb die Anerkennung dieser bei uns mehrheitlich vorhandenen Personengruppe als dringend notwendig erachtet wird.

Monique ECKMANN fordert neue Denkschemata in Bezug auf die Aufnahme- und Herkunftsgesellschaften in jener Form, dass ein Umdenken der Kategorien "Nationalität" und "Bürger" notwendig ist (S. 5). Nur diese Trennung - im frankphonen Bereich Nationalität vs. Citoyenneté - bietet eine Perspektive mit symbolischer Zugehörigkeit und Recht zur Teilnahme an der Gesellschaft ("Partizipation"/Lebensmittelpunkt-Beruf). Besonderen Schutz gilt jenen Minderheiten, die keinen Herkunftsstaat besitzen.

Gefahr sieht Monique ECKMANN in der intra-kulturellen Unterdrückung. Diese tritt dann in Erscheinung, wenn Kultur als Missbrauch zur Legitimierung für Dominanz missbraucht wird. Eine interne Dominanz richtet sich zumeist gegen Frauen, Kinder und sozial Schwache und verschleiert zumeist die globale Situation und benennt nicht die externe Dominanz als globale Situation. Zu verweisen ist jedenfalls auf die Menschenrechte und Gleichheit aller Individuen.

Das Thema Frauen ist in den Mehrheitsgesellschaften ein latent vorhandener Problembereich, der durch die Konflikte der Minderheitsgesellschaften im Bereich der kulturellen Unterdrückung zurückgeführt wird. Offenkundig ist hier der Missbrauch zur Legitimierung von Dominanz. Weil kulturelle Minderheiten gegen das Vorankommen von Frauenrechten und Kinder wirken, dürfen sie hier nicht unterstützt werden (S. 6). Vielmehr sollen die Interessen von Frauen und Kindern sowie sozial Schwachen/Randgruppen kultureller Minderheiten aktiv geschützt werden.

Theoretischen Rechten muss eine effektive Anwendung folgen, die gesichert wird. So können Einschränkungen und Diskriminierungen aufgehoben werden.

Quotenregelungen werden nicht für sinnvoll gehalten. Monique ECKMANN begründet dies damit, dass solche Regelungen in der Anwendung bei allen Minderheiten nicht möglich bzw. sinnvoll sind. Vielmehr bedarf es einer eindeutigen sozialen Anerkennung als Garant im Sinne von Mitspracherecht und Sichtbarkeit, wobei die Selbstdefinition von kultureller Minderheit garantiert sein muss. Keinesfalls wird eine offizielle Liste von Minderheiten befürwortet. Ausnahmesituationen im Sinne von "vulnerable groups" für einen besonderen Schutz sollte es geben, etwa in der Schweiz für "Fahrende" (S. 7).

Gerade im Hinblick auf institutionelle Positionen der Minderheiten als Voraussetzung etwa für höhere Bildung soll der Zugang von Minderheiten verstärkt werden. Dadurch würden sie sichtbarer werden und könnten sich selbst artikulieren. Minderheitenexperten könnten zugezogen werden, Probleme und Defizite könnten konkret angegangen werden. Voraussetzungen wären entsprechende Strukturen, und eine Selbstorganisation von Minderheiten.

Zur Interkulturalisierung schlägt Monikque ECKMANN Ausgleichsrechte als juristische Anerkennung von kulturellen Minderheiten vor. Antidiskriminierung und vermehrte Aufmerksamkeit für "vulnerable groups" wären ihre Zielvorstellung. Zudem wäre die Anerkennung kultureller Diversität notwendig, im Sinne einer Vielfalt einer modernen Gesellschaft und ihrer Institutionen. Erforderlich wären in der Folge soziale Maßnahmen in den Bereichen Personal, Sprache, Inhalte, kulturell-religiösen Kapitals und Geschichte. Diversität ist nicht Sonderfall, vielmehr Grundsatz.

Dieser Diskurs betrifft nicht nur die Rechte kultureller Minderheiten, ebenso auch das Selbstverständnis der Mehrheitskultur.

Der Prozess der Sensibilisierung benötigt einen gezielten Umgang mit Mehrheits- und Minderheitsidentitäten. Aktive Auseinandersetzung und Infragestellung von Selbstverständlichkeiten gehören zu diesem Prozess, damit die jeweilige Identität und Dominanzbeziehung kritisch hinterfragt werden kann - in einem Prozess von empowerment.

Damit verlagert sich der Diskurs bzw. Prozess um Kultur, Identität und Rechten von Minderheiten zur Diskussion um Mehr- und Minderheit mit kritischem Hinterfragen beider Positionen.

Reflexion    

"Die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz betrifft die Wirtschaft und Politik wie auch die soziale und gesundheitliche Versorgung in Migrationsgesellschaften ebenso wie den internationalen Austausch in einer globalisierten Wirtschaft oder Wissenschaft. Doch wird interkulturelle Kompetenz sehr unterschiedlich bis hoch kontrovers diskutiert. So fällt eine 'Multidisziplinarität' der Debatte auf, an der sich Sozialpsychologen, Soziologen, Anthropologen, Kulturwissenschaftler, Ethnologen, Pädagogen, Philosophen, Linguisten und Wirtschaftswissenschaftler in der Theorie und darüber hinaus Sozialarbeiter, Lehrer, Psychiater und Therapeuten, Mediatoren, Kommunikationstrainer und Personalberater, um nur eine Auswahl zu nennen, beteiligen" (TREICHEL- MAYER 2011, 291-292).

Es versteht sich von selbst, dass es bei der Fülle von unterschiedlichen Ansätzen kein einheitliches Konzept gibt.

Im deutschsprachigen Raum bekam Interkulturelle Kompetenz Ende der achtziger Jahre mit der Globalisierung der Wirtschaft einen Stellenwert. Man beschäftigte sich mit dem Verhalten, mit Motivation, Wertesystemen und kognitiven Aspekten wie Fremdsprachenkompetenz und soziale Kompetenz sowie Kommunikationsfähigkeit.

Interkulturelle Kompetenz findet zwischen nationalen Kulturmustern bzw. Kommunikationsregeln und einer um kulturelle Aspekte erweiterten Sozialkompetenz statt. Unterschiedliche Begrifflichkeiten wie "kulturell", "transkulturell" und "interkulturell" mit Differenzierungen werden verwendet.

Von Interesse für den Bildungsaspekt ist Diversität und Pluralität als Grundlage in der Handlungspraxis. Damit wird auch eine erhöhte Normenflexibilität bei allen Individuen und Gruppierungen erforderlich. Mehrfachzugehörigkeiten ergeben eine heterogene, veränderbare und hybride Kultur. Im Vordergrund steht die Individualität von Ausprägungen von Kultur und Binnendifferenzen innerhalb von Kulturen (vgl. TREICHEL-MAYER? 2011, 295). In der Folge ergeben sich Kulturkonzepte mit Kontexten und dynamischen Entwicklungen.

Die angesprochenen Konzepte interkultureller Kompetenzen erklären sich aus den Zielen und Anwendungsgebieten.

  • Dauerhafte Kooperationen gelingen, wenn kommunikative und interaktive Kompetenzen durch entsprechende Haltungen des Respekts und einer Anteilnahme für Andere und Anderes getragen werden.
  • In jedem Fall bedarf es einer ganzheitlichen interkulturellen Haltung, um Interkulturalität auch umsetzen zu können.
  • Dies gilt in einer Migrationsgesellschaft insbesondere für die Versorgung in den bildungsbezogenen, psychosozialen und gesundheitlichen Bereichen, wobei es entsprechende Betriebskulturen zu schaffen bzw. weiterzuentwickeln gilt, damit Personen anderer Kulturen bestmöglich gefördert werden können.
In der öffentliche Diskussion erhalten

  • betriebswirtschaftliche, unternehmerische und berufspädagogische Aspekte interkultureller Kompetenz in Form von "Diversity Management" eine Bedeutung (vgl. DICHATSCHEK 2021).
  • Zunehmend spielen Genderaspekte im kulturellen Bereich eine Rolle (vgl. das Projekt "Welcome Diversity - Vielfalt, ja bitte" > http://www.welcome-diversity.at [12.7.2015] und der IT-Autorenbeitrag? http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Vielfalt ja bitte - Welcome Diversity! - Ein Beitrag zur Kampagne 2015 des IZ Wien. Theorie und Praxis von Diversität als Teilbereich der Interkulturellen Kompetenz im Kontext mit Politischer Bildung). Auch hier gilt der ganzheitliche Aspekt, damit nicht Teilbereiche interkultureller Kompetenz ohne die notwendige Grundlage gehandhabt werden.
Interkulturelle Sensibilität ist der Grad der Empfindlichkeit gegenüber Reizen, die in der eigenen Kultur oder im Umgang im Umgang mit Mitgliedern der eigenen Kultur entweder keine Reize oder anders verstanden bzw. bewertet werden. Im Rahmen der Interkulturellen Kompetenz gilt sie als Voraussetzung für effektive interkulturelle Interaktion (vgl. TREICHEL-MAYER? 2011, 298).

Hier wird die Fähigkeit, kritisch kulturelle Unterschiede zu verstehen, angesprochen. Milton BENNETT (1993) verzeichnet drei ethnozentrische - Leugnung, Abwehr und Minimierung kultureller Unterschiede - und drei ethnorelative Phasen - Akzeptanz, Adaption und Integration (vgl. TREICHEL- MAYER 2011, 299-300). Zwar führte die Überprüfung des Modells zu einer Revision mit einer Zusammenführung von Phasen, letztlich zeigt das Modell, dass interkulturelles Lernen tiefgreifende Veränderungen in Selbstverständlichkeiten und bei sozialen Identitäten und im Interpretations- und Werteschema ergibt.

Als Nachteil zeigt sich die Komplexität des Prozesses. Offen bleiben andere Aspekte wie die Verbindungen von Persönlichkeitseigenschaften, Motiven und Selbstbildern.

Kritisch soll vermerkt werden, dass diese Kompetenz als Voraussetzung einer effektiven interkulturellen Interaktion aufzufassen ist, nicht aber als Endziel interkultureller Entwicklung (vgl. TREICHEL-MAYER? 2011, 301-302).

Interkulturelle Fähigkeiten im Kontext mit Interkultureller Kompetenz gilt als Schlüsselqualifikation für die Interaktion mit Personen aus anderen Kulturen.

Eine verständnisvolle und wertschätzende Kommunikation und Kooperation ist dann möglich, wenn Persönlichkeitsmerkmale und situative Kontextbedingungen miteinander verbunden sind.

Als Interkulturelle Kompetenz gilt in diesem Zusammenhang die Kenntnis und das Verständnis der eigenen und fremden Kultur, die Anwendung entsprechender Handlungs- und Interaktionsweisen, synergetischer Formen interkulturellen Handelns und alternativer Attributionsmuster und Erklärungsmuster (vgl. TREICHEL-MAYER? 2011, 311).

Die in der Folge diskutierten Entwicklungsmodelle ergeben sich aus Lern- und Entwicklungsprozessen, die aus Konzepten zur Bestimmung interkultureller Kompetenz entstehen.

  • Das personalistische Konzept hat als Basis Persönlichkeitsmerkmale, die im interkulturellen Kontext eine neue Qualität erreichen wie Ambiguitätstoleranz, Offenheit bzw. Neugier, Perspektivenwechsel, Selbstsicherheit und Belastbarkeit.
  • Das situationistische Konzept hat zusätzlich als Basis situative Kontextbedingungen wie soziale Beziehungen, Arbeitsbedingungen, Wohn- und Ernährungsaspekte.
  • Das interaktionistische Konzept betont interpersonale interaktive Prozesse mit individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten wie die Relativierung von Gegebenheiten und Ereignissen, die Herstellung multipler Perspektiven, die Reflexion und Evaluation eigener und fremder Handlungsweisen, Gemeinsamkeiten bzw. Überscheidungen von Handlungszielen bzw. Handlungsmethoden sowie die Entwicklung einer beidseitigen kultursensiblen Empathie. Wertschätzung, interkultureller Austausch für Lernzwecke, interkulturelle Kooperationsmöglichkeiten, interkulturelle Vorbereitungsseminare, Coaching und Begleittraining ergänzen die Entwicklungsmöglichkeiten.
Interkulturelle Erfahrungsbildung beinhaltet die aktive Begegnung mit fremdkulturellen Personen bzw. Partnern in Trainings, Rollenspielen, Situationsanalysen und Fallbeispielen mit Videomaterial. Es bedarf nicht nur des Kontexts mit Auslandskooperationen, ebenso ist die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern im Inland zu beachten (vgl. TREICHEL-MAYER? 2011, 314-315).

Zunehmende Bedeutung erhalten vorberufliche Maßnahmen für eine effektive Zusammenarbeit in der Arbeits- und Berufswelt wie Möglichkeiten von Aus-, Fort- und Weiterbildung, Anerkennungsverfahren, Bildung- und Berufsberatung bzw. Informationszentren sowie Arbeitsmarktkenntnissen (vgl. DICHATSCHEK 2021).

Die Kenntnis von Unternehmens-, Behörden- und Organisationskulturen sind vermehrt zu berücksichtigen. Weil immer mehr und öfter für kurze Zeit in mehreren Kulturen gearbeitet wird, sind solche Kenntnisse wesentlich. Plurikulturelle Trainerteams werden künftig zur Regel werden.

Zu beachten sind zunehmend auch Kenntnisse aus bereits erfolgten Auslandserfahrungen im Rahmen von EU-Programmen? und Begegnungen mit ausländischen Partnern im Inland.

Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 4    

Auernheimer G. (2005): Einführung in die Interkulturelle Pädagogik/ Einführung Erziehungswissenschaft, Darmstadt

Auernheimer G. (Hrsg.) (2008): Interkulturelle Kompetenz und pädagogische Professionalität/ Interkulturelle Studien, Wiesbaden

Bertels U.- Bußmann Cl. (2013): Handbuch interkulturelle Didaktik, Münster - New York - München - Berlin

Eckmann M. (2006): Aspekte soziokultureller Identitätsbildung von Minderheitsgruppen, Genf > http://www.humanrights.ch/cms/upload/pdf/000623_eckmann.pdf#search=Moniqueeckmannintermigra (16.1.2013)

Hall St. (1994): Rassismus und kulturelle Identität. Ausgewählte Schriften, Hamburg

Hamburger F. (Hrsg.) (1998): Faszination und Realität des Interkulturellen. Schriftenreihe des Pädagogischen Instituts der Johannes Gutenberg - Universität Mainz

Rommelspacher B. (1995): Dominanzkultur. Texte zur Fremdheit und Macht, Berlin

Salzborn S. (Hrsg.) 2006): Minderheitenkonflikte in Europa. Fallbeispiele und Lösungsansätze, Innsbruck- Wien -Bozen

Treichl D. - Mayer Cl.-H. (Hrsg.) (2011): Lehrbuch Kultur. Lehr- und Lernmaterialien zur Vermittlung kultureller Kompetenzen, Münster - New York - München - Berlin

5 Politische Ökonomie im 20. Jahrhundert    

Wer sich mit der Zukunft der Arbeit im Rahmen der Politischer Bildung beschäftigt, hat sich zwangsläufig mit der Themenbereich der politischen Ökonomie auseinanderzusetzen.

  • Dies beginnt mit einem Überblick über die Geschichte der politischen Ökonomie des 20. Jahrhunderts. Die Perspektive der Robotik und Automatisierung ist zunehmend von Interesse.
  • Folgerungen einer solchen Entwicklung, soweit sie heute erkennbar sind, wecken das Interesse der Politischen Bildung.
Wesentlicher Bestandteil ist die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und dem Folge-Onlinekurs? der TU Graz-CONEDU? 2020.

Der Beginn der Epoche ist mit dem legendären Gründer der Fordwerke in Detroit, Henri Ford I, eng verbunden.

  • Das Modell des ersten Automobils für eine breite Bevölkerung verbindet eine Produktion standardisierter Güter mit der Erzeugung kaufkräftiger Nachfrage durch hohe Löhne der Beschäftigten.
  • 1914 wurde nicht nur der 8 Stunden-Tag? eingeführt, damit wird ein Privatleben mit Konsum und Freizeit ermöglicht.
  • Löhne und Gehälter lagen über dem Durchschnitt.
5.1 Fordismus    

Die ökonomische Basis des Fordismus als Kombination von Massenproduktion und Massenkonsum bildet enorme ökonomische Zuwächse in einer industriellen Produktionsphase, technisch hochgradig reguliert und als Fließbandverfahren bezeichnet.

  • Nach einer Phase des Angebots auf ungesättigten Verbrauchermärkten erlahmten 15 Jahre später die Wachstumsraten des Fordismus in den USA.
  • Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam es in den sechziger Jahren zu einem Ende der hohen Wirtschaftswachstumsraten. Der Fordismus und mit ihm der soziale Kompromiss geriet in eine Krise(vgl. die Bezeichnung "demokratischer Kapitalismus").
  • Mit dem Erdöl-Preisschock? und einer Sättigung des Marktes der vielen Produkte des fordistischen Zeitalters - Radio, Automobil. Kühlschrank, TV-Geräte? und Waschmaschine - kommt es zu einem Absinken der Wirtschaftswachstumsraten.
  • Es kommt in der Folge zu fiskalischen Krisen, die bis in die Gegenwart reichen.
  • Zu Beginn der siebziger Jahre kommt es zu Lohneinbußen, höheren Arbeitslosenraten und einer Geldpolitik mit einer Erhöhung der Geldmenge. Das Konsumtionsmodell des Fordismus wird so aufrechterhalten.
  • Mit dem Ende der risikoreichen Inflationspolitik Ende der siebziger Jahre stieg die Arbeitslosigkeit. Die steigenden Ausgaben des Wohlfahrtsstaates bringen öffentliche Schulden.
  • Maßnahmen zur Abwendung einer Krise führen etwa in Frankreich und Italien weiterhin zur staatlichen Kontrolle in vielen Schlüsselindustrien, damit es zu keinen Nachfrageeinbrüchen kommen soll. Staatliche Subventionierung von Löhnen und damit des Konsums trägt allerdings zu höherer Staatsverschuldung bei.
5.2 Keynesianische Wirtschaftspolitik    

Die Stimulierung von Nachfrage durch keynesianische Wirtschaftspolitik in Skandinavien, Großbritannien, Österreich und etwas schwächer in den USA erzeugt hohe Schulden, um durch Investitionen in verschiedenen Bereichen Arbeitslosigkeit abzuwenden und Nachfragen anzuregen. Gleichzeitig kommt es durch eine Expansion wohlfahrtsstaatlicher Sicherungssysteme zu einer neuerlichen Belastung öffentlicher Haushalte.

  • Länder wie Deutschland und Japan hatten dagegen auf exportorientiertes Wachstum gesetzt. Später entwickelten sich Absatzmärkte auch für heimische Produkte. Mit Verspätung kommt es auch hier zur Belastung der Sozialsysteme und öffentlicher Schulden.
  • Weiterhin stellten sich Sättigungstendenzen in der Nachfrage in den siebziger Jahren ein. Der Spätfordismus wird allmählich abgelehnt, es kommt eine Epoche der Neuausrichtung des Produktionsmodells, eine Reorganisation des Massenkonsums. Nunmehr übernehmen die Konsumenten eine Verhinderung des Kaufkraftverlustes. Man spricht von einem "privatisierten Keynesianismus" mit dem Markenzeichen einer Zunahme von Privatschulden und Konsumkrediten.
5.3 Subprime - Krise    

Vor allem der Immobilienmarkt der USA führt zur inflationären Vergabe von Immobilienkrediten mit schlechten Bonitätsdaten und einer Überbewertung der Preise. Im Sommer 2007 kommt es zur "Subprime-Krise?" in den USA, in der Folge zur Bankenkrise und über Umwege zur Krise des Euro-Währungsraumes?.

Nunmehr dominieren durch die Krisenanfälligkeit drei unterschiedliche Strategien zur Steigerung der wirtschaftlichen Rentabilität.

  • Mit dem Erschließen von neuen Arbeitskraftmärkten mit steigenden Raten weiblicher Erwerbsbeteiligung, einer Internationalisierung der Produktionsprozesse und transnationaler Wertschöpfungsketten mit geringen Löhnen kommt es zu Problemen der Organisation der Nachfrage. Niedrige Löhne ergeben eine geringe Kaufkraft, weshalb es zu einer Abhängigkeit der Unternehmen von ihren Heimatmärkten kommt.
  • In der Folge kam es immer öfter in der Produktion zu Teil- und Vollautomatisierungen. In der Folge stiegen am unteren Rand der Qualifikationsstruktur die Arbeitslosenzahlen. Zeitgleich stieg die weibliche Erwerbsbeteiligung mit einem relativen Kaufkraftgewinn, neue Tätigkeiten entwickelten sich mit besseren Arbeitsbedingungen und steigenden Einkommen, andererseits expandierten einfache Dienstleistungen in nationalen Arbeitsmärkten, vor allem bei Frauen und Migrantinnen. Ein neues Dienstleistungsproletariat entstand. In den achtziger Jahren kommt es zu einer Polarisierung am Arbeitsmarkt mit Anteilsgewinnen in hochqualifizierter Arbeit und Anteilsverlusten bei Geringqualifizierten. Bessere Kundenmärkte sollen erschlossen werden.
  • Die dritte entscheidende Veränderung betrifft die Finanzierung der Ökonomie. Mit teilweisen Überkapazitäten in der Produktion und in der Folge einer verschärften Konkurrenzsituation unter den transnationalen Unternehmen in den neunziger Jahren kommt es zur Flucht in verschiedene Finanzanlageformen. Die Folgen waren eine Stagnation der Nachfrage, Sinken der Löhne, einer Reduktion der Wachstumsdividenden und Gewinnorientierung in den Finanzbereich. Effekte waren ein Anwachsen von Privatschulden und eine Expansion des Finanzsektors.
6 Ökologie    

6.1 Vorbemerkung    

Ein Grundwissen der Ökologie zu bearbeiten erfordert einen interdisziplinären Zugang in der Politischen Bildung, weil sich die Thematik aus den verschiedensten Fachbereichen ergibt. Für den Autor ergaben sich im Laufe der Zeit die breiten Möglichkeiten der Weiterbildung im tertiären und quartären Bildungsbereich.

Es werden daher persönliche Bezugspunkte in den folgenden Kapiteln der Studie bearbeitet.

Ökologie versteht sich als Wissen von den Beziehungen der Individuen bzw. Institutionen zur umgebenden Umwelt.

  • Klimawandel und Klimaschutz,
  • Alpen und Alpinethik,
  • Nachhaltigkeit,
  • Mobilität und Zukunftsfähigkeit,
  • Lernkulturen der Weiterbildung und
  • beispielhafte Wirtschaft- und Umweltethik.
Die Fachliteratur zu beachten ist wesentlicher Bestandteil eines Grundwissens.

Grundwissen versteht sich als Basis für zukünftige Wissensbereiche, die sich aus der Thematik ergeben.

6.2 Klimawandel und Klimaschutz    

Das zunehmende Interesse einer Veränderung des Klimas (Klimawandel) und der daraus entstehenden Folgen ist für eine zeitgemäße Politische Bildung von Bedeutung, weil es Konsequenzen für

  • die Natur und Gesellschaft,
  • Handlungsmöglichkeiten,
  • die wissenschaftliche Klimaforschung und
  • daraus entstehende Folgen für politisches Handeln besitzt (vgl. DICHATSCHEK 2017a).
Der Klimawandel ist da, Veränderungen in Form von extremen Wetterbedingungen rund um den Globus sind wahrnehmbar. Den Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsanstieg bekommt der Mensch, die Tier- und Pflanzenwelt zu spüren.

  • Diese und andere Phänomene werden sich verstärken und die Lebensbedingungen verändern.
  • Sie beeinflussen die Zukunft und werfen grundlegende Fragen auf, die eine Politische Bildung aufzugreifen hat. Zu beachten ist die schulische Fachbezogenheit bzw. der Fächerverbund mit Geographie und Wirtschaftskunde, Biologie und Umweltkunde, Geschichte-Sozialkunde-Politischen? Bildung, Religion, Ethik und Gesundheitsbildung sowie die Aktualität in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung (vgl. DICHATSCHEK, 2017c) .
    • Kann man sich auf die Veränderungen einstellen?
    • Wie kann man die Beobachtungen einordnen?
    • Welche Ursachen kann man den Veränderungen zuschreiben?
    • Sind Prognosen möglich?
    • Gibt es Möglichkeiten eines persönlichen Handelns?
Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen sind

  • die schulischen Lehrpläne der angesprochenen Fächer,
  • der Studienplan in der Lehramtsausbildung für Geschichte-Sozialkunde-Politische? Bildung und
  • die Notwendigkeit einer Gestaltung einer zeitgemäßen Erwachsenenbildung.
Für den Autor ergibt sich die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit der Thematik aus der

  • Absolvierung des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung Universität Salzburg-Klagenfurt?,
  • Absolvierung des 7. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg,
  • Lehrtätigkeit in Didaktik der Politischen Bildung/Lehramt? Geschichte-Sozialkunde-Politische? Bildung/Universität? Salzburg,
  • Lehrtätigkeit in der Erwachsenenbildung,
  • Absolvierung des Online-Kurses? "Klima MOOC"/Oktober-November 2017 > http://mooin.oncampus.de > Klima MOOC und
  • Auseinandersetzung mit der Fachliteratur.
6.2.1 Vorhersehbarkeit des Klimawandels    

Das Klima als komplexes Gebilde kann nicht einfach prognostiziert werden. Die Wissenschaft benötigt besonders als Werkzeug etwa Computermodelle zur Annahme von Klimaentwicklungen und Prognosen. Die Annahmen werden als Szenarien zusammengefasst. Sie enthalten mögliche Entwicklungen der kommenden Jahrzehnte (vgl. Bevölkerungszahl, technologischen Fortschritt, Begrenzung des Treibhausgases) (vgl. MADRY-FISCHER? 2014, 1-2/4; PLÖGER-BÖTTCHER? 2016).

  • Ein menschengemachter Klimawandel wird durch Messungen seit den fünfziger Jahren nachgewiesen. Wesentlich ist die Annahme von drei Szenarien mit physikalischen, naturwissenschaftlichen und menschlichen Daten.
  • Die Treibhausgase spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Gase beinhalten Stoffe in der Atmosphäre, die den Treibhauseffekt auf der Erde bewirken.
    • Kurzwellige Strahlung der Sonne wird an der Erdoberfläche in langwellige Strahlung umgewandelt und in das Weltall zurückgestrahlt.
    • Treibhausgase wirken wie eine Barriere in der Erdatmosphäre, die die Strahlung zurück reflektiert und daher zu einer Speicherung der Energie und Wärme auf der Erde beiträgt.
    • Der Treibhauseffekt ist an sich für das Leben auf der Erde wesentlich. Ohne diesen Einfluss läge die mittlere Lufttemperatur bei -18 Grad. Der natürliche Treibhauseffekt führt zur Erwärmung auf rund 15 Grad Celsius.
    • Inzwischen ist der Effekt so ausgeprägt, dass von einer menschengemachten Überwärmung durch die vermehrte Konzentration von Treibhausgasen zu sprechen ist. Das Besondere ist die Geschwindigkeit, mit der die Erwärmung seit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts stattfindet.
6.2.2 Folgen des Klimawandels    

Österreich ist auch vom Klimawandel betroffen (vgl. MADRY-FISCHER? 2014, 2/4; GREENPEACE 2019).

  • Zu beachten sind die alpinen Regionen (Unwettergefahr-Hangrutschungen?, Überflutungen durch Gebirgsbäche; Schmelzen des Eises) und die Wasserknappheit in der ariden Klimazone.
  • In den letzten 100 Jahren ist die Jahresdurchschnittstemperatur um rund 1 Grad Celsius gestiegen, erwartet wird in den nächsten 100 Jahren eine Zunahme von 3 Grad Celsius.
  • Die Niederschläge im Frühjahr und Winter haben zugenommen, im Sommer und Herbst fällt weniger Regen. Die Auswirkungen auf Umwelt, Tiere, Pflanzen und den Menschen sind erheblich.
  • Zu unterscheiden sind mikroklimatische, regionale, allgemein wetterkundliche und makroklimatische Phänomene.
Der Temperaturanstieg in südlichen Weltregionen führt zu Wasserknappheit, starken Unwettern (Tornados, Hurricans, Taifune, Zyklone, massiven Monsunphänomene) und an den Polen zum Abschmelzen des Eises (vgl. PLÖGER-BÖTTCHER? 2016, 153-157). Eine Veränderung der Meerestemperaturen ist zu beobachten.

Das "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPPC/ Weltklimarat) erwartet für unsere Klimazone eine Zunahme und Intensitätssteigerung von Hitzeereignissen und extremen Unwettern.

  • Bis zum Ende des Jahrhunderts wird sich die Zahl der Sommertage mit > 25 Grad Celsius verdoppeln, die Anzahl der heißen Tage mit > 30 Grad Celsius verdreifachen.
  • Regional kann sich der Trend verschärfen.
    • Hier stellen sich Probleme in urbanen Zentren (Wasserversorgung, Gesundheitsbelastungen durch Hitze).
    • Auf dem Land kommt es vermehrt zu Ernteausfällen (Unwetter, Wasserversorgung-Hitzewellen-Hungerkatastrophen? bzw. Fehlernährungen).
  • Im Tourismus ist in den Mittelgebirgslagen eine Verkürzung der Schneetage erheblich. Wärmere und längere Sommer besonders an den Küstenregionen bieten die Chance auf mehr Gäste und damit bessere Einnahmequellen.
  • In der Natur ist auf einen Wandel der Artenvielfalt zu achten. Einwanderung von Arten aus wärmeren Gebieten, Abwanderung in höhere Regionen sind Kennzeichen einer Veränderung.
Für den mitteleuropäischen Raum ist zu beachten, dass

  • die Kosten des Klimawandels eine Zukunftsinvestition sein werden (vgl. PLÖGER-BÖTTCHER? 2016, 62-68),
  • die Energiewende eine Notwendigkeit darstellt (vgl. PLÖGER-BÖTTCHER? 2016, 74-83),
  • unsere Großstädte eine Brutstätte der Hitze sein werden (vgl. PLÖGER-BÖTTCHER? 2016, 115-118)und
  • der Klimawandel das Artensterben beschleunigt (vgl. PLÖGER-BÖTTCHER? 2016, 129-133).
IT-Hinweis?

Biodiversitätsstrategie 2030 Österreich > https://orf.at/#/stories/3297397/ (12.12.2022)

6.2.3 Handlungsfelder des Klimawandels    

Betroffen sind die folgenden Handlungsfelder vom regionalen Klimawandel (vgl. MADRY-FISCHER? 2014, 3/4).

  • Gebäude - Gefährdung durch Extremwetter, Anforderung an Gebäudekühlung
  • Wasserwirtschaft - Zuordnung der Kapazitätsgrenzen, Wasserverschmutzung
  • Gesundheit - Ausbreitung neuer Infektionskrankheiten und Überträger, Hitzebelastung, Belastung der Gewässerqualität, Hunger-Fehlernährung? (vgl. WEINGÄRTNER 2014)
  • Finanzwirtschaft - Kostenerhöhung bei Versicherungen und Krankenkassen, Risiken für Investitionen(vgl. Gewässerschutz, Schutzbauten)
  • Verkehr - Verkehrsinfrastruktur bei Wetterereignissen
  • Energie - Steigerung der Nachfrage (vgl. Kühlungsgeräte, Kühlungswasser, Ausfall von Energie)
  • Regional- und Raumplanung - Raumnutzungskonflikte, neue Anforderungen in der Raumplanung
6.2.4 Klimapolitik    

Politische Bildung beinhaltet in der Thematik entstandene Konflikte und Möglichkeiten der Überwindung.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist der Erkenntnisstand des MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change/Berlin) und Potsdam-Institut? für Klimaforschung (PIK) in Verbindung mit dem Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change/IPCC) (vgl. EDENHOFER -JAKOB 2017, bes. 109-120).

Klimapolitik befasst sich mit

  • dem Verständnis des Klimaproblems bzw. Klimawandels,
  • den Möglichkeiten einer Abwendung und einem Risikomanagement.
  • Es geht um eine Bestandsaufnahme und Ziele und Wege der Klimapolitik.
  • internationalen Abkommen,
  • der Klimapolitik der Europäischen Union und
  • der Stadtentwicklung und dem Klimaschutz.
  • Wesentlich ist die Rolle der Wissenschaft als Politikberatung.
IT-Hinweise?

https://orf.at/stories/3296904/ (8.12.2022)

https://archive.newsletter2go.com/?n2g=cc35u22b-g39z6tuq-k13 (10.12.2022)

7 Nachhaltigkeit    

Die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales sind in den neunziger Jahren entstanden und wurden 2002 beim Weltgipfel von Johannisburg als Maßstab für Nachhaltigkeit verwendet.

Die Gleichgewichtigkeit und Gleichrangigkeit der drei Bereiche sind zentral für eine nachhaltige Entwicklung. Die drei Ziele bedingen sich gegenseitig. Auf diese Weise soll die ökonomische, ökologischer und soziale Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft sichergestellt und verbessert werden.

7.1 Ökonomische Nachhaltigkeit    

Gefordert wird ein gutes Wirtschaften.

  • Auch nachhaltige Unternehmen müssen Gewinne erzielen. Investitionen sollen in technische Innovationen, neue Mitarbeiter und Fortbildungsmaßnahmen eingebracht werden. Profitmaximierung darf aber nicht das einzige Ziel sein. Zudem können nachhaltige Unternehmen neue Ziele verfolgen, etwa die Lebensqualität verbessern oder Projekte des Umweltschutzes, der Gesundheitsförderung, Familienfreundlichkeit, Fort- und auch Weiterbildung fördern.
  • Auf nationalstaatlicher Basis bedeutet ökonomische Nachhaltigkeit Staatsschulden gering zu halten, damit zukünftige Generationen nur gering belastet werden. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht muss gewahrt bleiben, um andere Staaten nicht zu benachteiligen. Exportstarke Staaten machen andere Länder von den Exporten abhängig. Diese Länder können keine lokale konkurrenzfähige Wirtschaft aufbauen, in der Folge bedeutet dies hohe Arbeitslosigkeit. Verhindert werden soll eine Verschuldung des Landes.
7.2 Ökologische Nachhaltigkeit    

Gefordert wird die Umwelt und die natürlichen Ressourcen zu schonen. Unternehmen und Staaten sollen sich für einen bewussten Umgang mit Wasser, Energie und endlichen Rohstoffen einsetzen.

Die Säule steht auch für eine bewussten Verbrauch natürlicher Rohstoffe der Erde und wie erneuerbare Rohstoffe ersetzt werden können. So will man Schäden an Ökosystem vermeiden und in der Folge Biodiversität fördern. Das bedeutet auch, Emissionen möglichst gering zu halten.

Ebenso steht die Säule für einen bewussten Umgang mit menschlicher Gesundheit, also Prävention und aktive Gesundheitsförderung.

7.3 Soziale Nachhaltigkeit    

Gefordert wird die Stellung des Menschen in den Mittelpunkt, seien Würde und freie Entfaltung. Diese Grundannahme stellt das Minimum dar.

Ausbeutung, Zwangs- und Kinderarbeit stehen daher im Widerspruch.

Die Säule "Soziales" fordert faire Bezahlung, die Umsetzung von Arbeitnehmerinteressen und die persönliche Entfaltung in der Lebensgestaltung, der Bildungsmaßnahmen und beruflicher Tätigkeit.

Gemeinwohlorientierung in der Gesellschaft ist das sozialpolitische Ziel.

7.4 Kritik    

Eine ganze Reihe von alternativen Nachhaltigkeitskonzepten, die deutlich komplizierter sind, stehen ebenfalls in der Kritik.

Ein großer Kritikpunkt ist die schwere Anwendbarkeit. Das Modell gibt Leitlinien, aber keine konkreten Lösungen vor. Aus diesem Grund ist es wohl auf viele Bereiche anwendbar, die Offenheit wird kritisiert.

Es heißt, die Säulen seien offen für nahezu sämtliche wirtschafts- und sozialpolitische Zielsetzungen wie ein Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung oder Erhöhung des Steueraufkommens. Auf diese Weise weitet das Modell den Nachhaltigkeitsbegriff sehr aus.

Weiters wird kritisiert, dass die drei Säulen theoretisch aber faktisch nicht gleichrangig sind. Fakt ist die Nachrangigkeit in der Praxis der modernen Gesellschaft der ökologischen Säule ("schwache Nachhaltigkeit"). Natürliche Ressourcen werden durch Human- und Sachkapital ausgeglichen, es zählt nur der Wohlstand auch auf Kosten der Natur.

"Starke Nachhaltigkeit" sollte das Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit mit einem Schutz der natürlichen Lebensbedingungen auch als Grundvoraussetzung für ökologische und soziale Stabilität sein.

Das Modell findet sich als Konzept auch in Art. 1 des Vertrages der Europäischen Gemeinschaft wieder.

Es gibt Forderungen einer Erweiterung nach einer vierten Säule mit einer politisch-institutionellen Dimension.

Die UN hat 2015 die "Agenda 2030" für nahhaltige Entwicklung verabschiedet. Dem "UN Global Compact" haben sich über 13 000 Unternehmen angeschlossen. Sie verpflichten sich zu universellen Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsprävention. Diese Bereiche lassen sich auf das Modell zurückführen.

7.5 Nicht-Nachhaltigkeit? - Risikopolitik    

Im Folgenden wird die mangelnde Nachhaltigkeit ("Nicht-Nachhaltigkeit?") und Risikopolitik als Ausdruck dieser Dimension behandelt.

7.5.1 Nicht-Nachhaltigkeit?    

Aus dem Verständnis von Nachhaltigkeit lässt sich die Besonderheit der Gegenwartsgesellschaft mit dem Konzept der Gesellschaft der "Nicht-Nachhaltigkeit?" bezeichnen (vgl. VOLKMER-WERNER? 2020, 229-230).

  • Wohlhabende Konsumgesellschaften des Globalen Nordens sind vom Virus befallen.
  • Die Zerstörungskraft ist in sozialer, ökologischer, ökonomischer und demokratiepolitischer Hinsicht bedeutungsvoll.
  • Bestimmte gesellschaftliche Gruppen, ganze Länder und auch ökologische und ökonomische Bedingungen sind betroffen. Trotz einer Systemrelevanz gibt es eine geringe Wertschätzung.
  • Die Gesellschaft verteidigt mit aller Entschlossenheit ihre Freiheiten, Werte und den Lebensstil, "koste es, was es wolle".
Die demokratische und vierte Dimension, besonders interessant für die Politische Bildung, hat mit Entschiedenheit und großer Handlungsfähigkeit in der ersten Phase mit einem gesellschaftlichen Schulterschluss und einer Solidarität in Verbindung mit systemrelevanten Gruppen reagiert.

  • In der Folge wurden die Maßnahmen durch Protestbewegungen als Bedrohung für Grundrechte und einen Rechtsstaat gewertet.
  • Tatsächlich beschleunigt die Pandemie Veränderungen, die davor sich schon abzeichneten (vgl. "postdemokratische Wende") und unterstützt eine Nicht-Nachhaltigkeit?.
  • Die letzten Jahrzehnte wird auch in etablierten Demokratien zunehmend von Politikverdrossenheit, Parteienverdrossenheit und einer Krise der Demokratie gesprochen.
  • Reformen sollen politischen Phänomene überwinden.
  • Die zunehmende Komplexität politischer Prozesse, die Internationalisierung und Pluralität moderner Gesellschaften erscheint als Überforderung liberaler Demokratien.
  • Eine zunehmende Dysfunktionalität beziehen sich auf demokratische Institutionen und Verfahren, ihre Tauglichkeit und die Umsetzung moderner Ansprüche auf Freiheit und Selbstbestimmung.
  • Dieser politische Prozess bewirkt Aktivitäten vieler politischer Akteure wie von Entscheidungsträgern, liberaler Eliten, Klimaschützern, marginaler Minderheiten und Nationalpopulisten und anderer Gruppierungen, die ein ambivalentes Verhältnis zur Demokratie entwickeln (vgl. HIRSCHMANN 2017; VOLKMER-WERNER? 2020, 233).
  • Demnach wäre zu erwarten eine Transformation der Demokratie zunehmender aktualisierter und ausgrenzender Verhältnisse von Freiheit und Selbstverwirklichung bzw. persönlicher Autonomie.
  • Diese Krise erweitert sich zu einer Nicht-Nachhaltigkeit? der Demokratie.
  • Die liberale Demokratie trägt eine Mit-Verantwortung? auch für die ökologisch-soziale Nicht-Nachhaltigkeit? der Konsumgesellschaft.
  • In kultureller Hinsicht erscheint auch die liberale Demokratie ausgezehrt.
  • Es formiert sich hier eine verunsicherte politische Situation mit Bedrohungen der liberalen Demokratie in Konfliktsituationen mit illiberalen und autoritären politischen Phänomenen und Notwendigkeiten für eine Nachhaltigkeit (vgl. SCHEIDIG 2016, KOST-MASSING-REISER? 2020).
7. 5.2 Risikopolitik    

Hinter einem Risikomanagement wie drohenden Schäden, Katastrophen und einem Ausnahmezustand steht ein Modus staatlicher Politik / "Risikopolitik".

Nach Ulrich BECK (1986, 1998) und Niklas LUHMANN (1991) gibt es eine "Risikogesellschaft" mit technischen, ökonomische, ökologischen und gesundheitlichen Risiken. In einer Staatlichkeit ist das Bemühen um einen Vorsorgestaat zu sehen.

Strukturmerkmale einer modernen Risikopolitik (vgl. VOLKMER-WERNER? 2020, 242-247)

  • Risikopolitik ist eine Politik des Negativen - negative Zustände werden versucht zu vermeiden oder abzumildern. Innergesellschaftlich Risiken sind etwa ökonomische Krisen, Arbeitslosigkeit und Kriminalität, außergesellschaftlich technische Risiken und ökologische Gefahren. Verbunden wird die Politik des Negativen mit der Politik des Positiven etwa als Sozialstaat.
  • Risikopolitik als Sicherheit in der Zukunft - Sicherheit auf Kosten von Freiheit und Dynamik wie ökonomische Markstrukturen und technischer Fortschritt.
  • Risikopolitik ist auf wissenschaftliche Expertise angewiesen - etwa Volkswirtschaftslehre und Soziologie, Gesundheitswissenschaft und Medizin, Wirtschaftswissenschaft, Informatik, Klimaforschung und Bildungswissenschaft.
  • Kollektives und individuelles Risikomanagement - Individuen leisten selbst Präventionsarbeit (persönliche Sicherheit, soziale Vorsorge), die gesamte Population mindert Risiken (Krisenfälle, Notfallpläne).
  • Risikopolitik mit unterschiedlichen Risiken - Auffangmaßnahmen und Folgerisiken.
  • Risikopolitik im Dauermodus oder Krisenmodus - mitlaufende Risikopolitik oder weitreichender Mitteleinsatz.
Folgende Faktoren verstärken Risikostrukturen wie

  • globalisierter Kapitalismus bzw. Finanzmärkte mit hoher Komplexität,
  • globale Politik mit Verlust der Hegemonie der USA, Aufstieg Chinas, Erstarken Russlands, Entwicklung von "failed states" etwa im Nahen Osten, innere Spannungen der Europäischen Union,
  • Digitalisierung von Ökonomie, Bildung, Verwaltung, Medizin, Militär und privaten Beziehungen in Abhängigkeit hochkomplexer Technologie,
  • Globalisierung führt leicht zu regionalen Krisen, die sich in der Folge überregional verbreiten können, etwa die Finanzkrise, Corona-Krise? und Flüchtlingskrise,
  • soziokulturelle Spannungen haben seit 2010 in westlichen Gesellschaften zugenommen und sind teilweise in politischer Polarisierung gemündet (vgl. RECKWITZ 2019),
  • durch die Wahl nationalpopulistischer Politiker oder durch politische Proteste (Gelbwesten) bzw. Verbreitung von Verschwörungsmythen haben Risiken zugenommen,
  • der Klimawandel verbindet eine Fülle von ökologischen Risiken (etwa langfristige Erwärmung, Extremwetter, Dürre, Verlust von Biodiversität).
Die angeführten Faktoren sprechen für keine Ausnahme einer Risikopolitik, vielmehr für deren Bedeutung in der Politik der Spätmoderne.

Ein Gedanke der Resilienz lässt sich auf die kollektive Ebene übertragen, ebenso wie jener der Verletzlichkeit. Ein resilienter Staat würde durch Risikopolitik sich im Dauermodus befinden. Die Politik des Klimawandels wäre dafür ein Beispiel (vgl. VOLKMER-WERNER? 2020, 249).

Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 5 -7    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden

Agenda 21. Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung, Rio de Janeiro, Juni 1992 > http://www.un.org/Depts/german/conf/agenda21/agenda_21.pdf. (11.10.20)

Autorengruppe Fachdidaktik (2011): Konzepte der politischen Bildung, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1141, Bonn

Barz H. - Tippelt R. (2004): Weiterbildung und soziale Milieus in Deutschland, Bd.1-2, Bielefeld

Baumgartner Chr. (2021): Nachhaltige Tourismus Entwicklung. Erfahrungen aus ländlich-alpinen Regionen, in. Brandl St. - Berg W. - Herntrei M. - Steckenbauer Chr./ Lachmann-Falkner? S. (Hrsg.): Tourismus und ländlicher Raum. Innovative Strategien und Instrumente für die Zukunftsgestaltung, Berlin, 13-32

Beck U. (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt/M.

Beck U. (1998): Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit, Frankfurt/M.

Behringer W. (2011): Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung, München

Bockhorst H. - Reinwand V.J. - Zacharias W. (2012): Handbuch Kulturelle Bildung, München

Brim O.- Wheeler S. (1974): Erwachsenensozialisation, Stuttgart

Bundesministerium für Bildung (2016) > https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2016_Unterrichtsmappe_fuer_die_5._bis_9._Schulstufe.pdf (22.3.2020)

Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (2012): Gesundheitsziele Österreich. Richtungsweisende Vorschläge für ein gesünderes Österreich, Ausgabe 2017, Wien

Bundeszentrale für politische Bildung (2006): Wirtschaft heute, Schriftenreihe Bd. 499, Bonn

CCCA Climate Change Centre Austria - Klimaforschungswerk Österreich Wien (Hrsg.) (2018): Der Österreichische Tourismus im Klimawandel, Graz

de Haan G. (1999): Zu den Grundlagen der "Bildung für nachhaltige Entwicklung" in der Schule, in: Unterrichtswissenschaft 3/1999, 252-280

de Haan G. (2004): Politische Bildung für Nachhaltigkeit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 7-8/2004, 39-46

de Haan G. (Hrsg.) (2007): Studium und Forschung zur Nachhaltigkeit, Bielefeld

Dichatschek G. (2017a): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Dichatschek G. (2017b): Interkulturalität. Ein Beitrag zur Theorie, Bildung und Handlungsfeldern im Kontext von Interkultureller Öffnung und Politischer Bildung, Saarbrücken

Dichatschek G. (2018): Lernkulturen der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung. Ein Beitrag zu Theorie, Praxis und handlungsspezifischen Herausforderungen im Kontext mit Politischer Bildung, Saarbrücken

Dichatschek G. (2019): Lehre an der Hochschule. Ein Beitrag zu Dimensionen der Lehre, Lehrer(innen)Bildung, Fort. bzw. Weiterbildung Lehrender und Hochschuldidaktik, Saarbrücken

Dichatschek G. (2020): Lehrerbildung - Theorie und Praxis der Professionalisierung der Ausbildung Lehrtender, Schulleitender und des Schulqualitätsmanagement, Saarbrücken

Dollinger Fr. (2021): Das Dilemma und Paradoxien der Raumplanung, Wien

Döhler M. (2006): Regulative Politik und die Transformation der klassischen Verwaltung, in: Politische Vierteljahreszeitschrift, Sonderheft 37/2006, 208-227

Europäische Kommission (2001): Mitteilung der Kommission. Einen europäischen Raum des lebenslangen Lernens schaffen. Brüssel/ 21.11.2002, KOM (2001, 678

Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium (2013): Fernkurs Nachhaltige Entwicklung - Einführungsheft, Studienbrief 1 Gerechtigkeit, Studienbrief 2 Frieden, Studienbrief 3 Schöpfung, Studienbrief 4 Zukunft, Frankfurt/M.

Faltermaier T. - Mayring P.- Saup P. - Stremel P. (2002): Entwicklungspsychologie des Erwachsenenalters, Stuttgart

Famulla G.-E.-Butz B.-Deeken S.-Michaelis U.-Möhle V.-Schäfer B. (2008): Berufsorientierung als Prozess. Persönlichkeit fördern, Schule entwickeln, Übergang sichern, Bd. 5 Schule-Wirtschaft?/ Arbeitsleben, Hohengehren

Faulstich P. - Zeuner Chr. (2006): Erwachsenenbildung. Eine handlungsorientierte Einführung in Theorie, Didaktik und Adressaten, Weinheim

Fleige M.(2011): Lernkulturen in cer öffentlichen Erwachsenenbildung. Theorienentwickelnde und empirische Betrachtungen am Beispiel evangelischer Träger. Internationale Hochschulschriften, Bd. 554, Münster - New York - München - Berlin

Freericks R. - Hartmann R. - Stecker B. (2010): Freizeitwissenschaft. Handbuch für Pädagogik,. Management und nachhaltige Entwicklung, München

Frey K. (1991): Die Projektmethode, Weinheim-Basel?

Gallus A.-Jesse E. (Hrsg.) (2007): Staatsformen. Von der Antike bis zur Gegenwart, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 624, Bonn

Gärtner Cl. (2020): Klima, Corona und das Christentum. Religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung in einer verwundeten Welt, Bielefeld

Griese H. (1979): Erwachsenensozialisationsforschung, in: Siebert H. (Hrsg.): Taschenbuch der Weiterbildungsforschung, Baltmannsweiler, 172-210

Grober U. (2010): Die Entdeckung der Nachhaltigkeit: Kulturgeschichte eines Begriffs, München

Grunwald A. - Kopfmüller J. (2012): Nachhaltigkeit, Frankfurt/M.-New York

Gütl Br.- Orthey F.M.- Laske St. (Hrsg.) (2008): Bildungsmanagement. Differenzen bilden zwischen System und Umwelt, München und Mering

Hauff V. (1987): Unsere gemeinsame Zukunft, Greven

Hirschmann K. (2017): Der Aufstieg des Nationalpopulismus. Wie westliche Gesellschaften polarisiert werden, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 10150, Bonn

Illeris K. (2004): The three Dimensions of Learning, Roskilde

Illeris K. (2006): Das "Lerndreieck", Rahmenkonzept für ein übergreifendes Verständnis vom menschlichen Lernen, in: Nuissl E. (Hrsg.): Vom Lernen zum Lehren. Lern- und Lehrforschung für die Weiterbildung, Bielefeld, 29-41

Keeley Br. (2010): Internationale Migration. Die menschliche Seite der Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1060, Bonn

Klein E. (2020): Der tiefe Graben. Die Geschichte der gespaltenen Staaten von Amerika, Hamburg

Knoll J. (2007): The Inquiring Mind, in: Koerrenz R.- Meihammer E.- Schneider K. (Hrsg.): Wegweisende Werke zur Erwachsenenbildung, Jena, 384-400

Knowles M.S.- Holton E.- Swanson R.A. (2007): Lebenslanges Lernen. Andragogik und Erwachsenenlernen, München

Kost A.- Massing P. - Reiser (Hrsg.) (2020): Handbuch Demokratie, Frankfurt/M.

Kraatz Cl. (2021): Nachhaltig leistungsfähig bleiben, Wiesbaden

Kruse A. - Rudinger G. (1997): Lernen und Leistung im Erwachsenenalter, in: Weinert F.- Mandel H. (Hrsg.): Psychologie der Erwachsenenbildung, Göttingen, 45-85

Levitsky St.-Ziblatt D. (2018): Wie Demokratien sterben. Und was wir dagegen tun können, Bundeszentrale für Politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 10326, Bonn

Luger K. (2012): Nachhaltigkeitsüberlegungen zum Salzburg Tourismus, in: Land Salzburg (Hrsg.): Enquete des Landtages am 9. Oktober 2012. Salzburg: Schriftenreihe des Landes-Medienzentrums? 2012, 105-126

Luger K. (2022): Tourismus -Über das Reisen und Urlauben in unserer Zeit, Wiesbaden

Luhmann N. (1991): Soziologie des Risikos, Berlin - New York

Matzner M. (Hrsg.) (2012): Handbuch Migration und Bildung, Weinheim - Basel

Meadows D.H. - Zahn E. - Milling P. (1972): Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Stuttgart

Meadows. D.H. - Zahn E.- Milling P. (2008): Grenzen des Wachstums. Das 30-jahre-Update: Signal zum Kurswechsel, Stuttgart

Meisch S. (2014): Tübinger Beiträge zur Hochschuldidaktik - Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Das Konzept und seine Potentiale für traditionelle Volluniversitäten, Bd. 10/1, Arbeitsstelle Hochschuldidaktik, Universität Tübingen, Tübingen

Nicklas H.-Müller B.-Kordes H. (Hrsg.) (2006): Interkulturell denken und handeln. Theoretische Grundlagen und gesellschaftliche Praxis, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 595, Bonn

Nolda S. (2008): Einführung in die Theorie der Erwachsenenbildung. Grundwissen Erziehungswissenschaft, Darmstadt

Olechowski R. (1972): Veränderung der Lernfähigkeit Erwachsener, in: Picht G.- Edding F. (Hrsg.): Leitlinien der Erwachsenenbildung, Braunschweig, "=%-"""

Ott K.- Döring R. (2008): Theorie und Praxis starker Nachhaltigkeit, Marburg

Pufé I, (2017): Nachhaltigkeit, utb 8705, Konstanz - München

Rademacher F.J.- Beyers B. (2011): Welt mit Zukunft: Die ökosoziale Perspektive, Hamburg

Reckwitz A. (2019): Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne, Berlin

Rein H. - Stradas W. (Hrsg.) (2015): Nachhaltiger Tourismus, Konstanz - München

Rogall H. (2003): Akteure der nachhaltige Entwicklung, München

Rogall H. (2008): Ökologische Ökonomie. Eine Einführung, Wiesbaden

Scheidig F. (2016): Professionalität politischer Erwachsenenbildung zwischen Theorie und Praxis, Bad Heilbrunn

Schweidler W. (2018): Kleine Einführung in die Angewandte Ethik, Wiesbaden

Schuhmacher E.F. (1973): Small ist Beautiful: Economics as if People Mattered, New York

Schwedes O. (2018): Verkehrspolitik. Eine interdisziplinäre Einführung, Wiesbaden

Schwedes O.- Rammert A. (2021): Verkehrspolitik, in: Siebenpfeiffer W. (Hrsg.): Mobilität der Zukunft. Intermodale Verkehrskonzepte, Berlin, 312-319

Segrist D.- Gessner S.- L. Ketterer Bonnelame (2015): Naturnaher Tourismus. Qualitätsstandards für sanftes Reisen in den Alpen, Bern

Siebenhaar H.P. (2017): Österreich. Die zerrissene Republik, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 10113, Bonn

Siebenpfeffer W. (Hrsg.) (2021): Mobilität der Zukunft. Intermodale Verkehrskonzepte, Berlin

Siebert H. (2012): Lernen und Bildung Erwachsener, Bielefeld

Stern N. (2007): The Economics of Climate Change. Th Stern Review. Cambridge Press Cambridge

Thorndike E. (1928): Adult learning, New York

Umweltbundesamt Nachhaltige Mobilität > https://www.umweltbundesamt.de/print/3316 (11.6.2022)

UNESCO (2007): The 2009 UNESCO Framework for Cultural Statistic (Entwurf) Online > http://www.uis.unesco.org/template/pdf/cscl/framework/draftdoc_EN.pdf (15.10.20)

Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (Hrsg.) (2021): Nachhaltigkeit im Bildungswesen - was jetzt getan werden muss. Gutachten, Münster

Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit - Universität Bremen > https://www.va-bne.de/index.php/de (22.3.2020)

Volkmer M. - Werner K. (Hrsg.) (2020): Die Corona-Gesellschaft?. Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft, Bielefeld

Zoche P. - Kaufmann St.- Haverkamp R. (Hrsg.) (2011): Zivile Sicherheit. Gesellschaftliche Dimension gegenwärtiger Sicherheitspolitiken, Bielefeld

8 Inklusion    

8.1 Dimensionen einer Inklusionspädagogik    

Eine Inklusionspädagogik bzw. diversitätsbewusste Pädagogik stellt einen Paradigmenwechsel dar (vgl. HOLZBRECHER 2017, 18).

Lehre geht von Lernenden aus. Entsprechend geht es in der Lernarbeit um Stärken/Schwächen,. Aneignungsaktivitäten, Lernumgebung und Motivation.

Wertschätzung der Vielfalt, vielfältige Lernvoraussetzungen, Lernzugänge und -wege ergeben modellierte Lernaufgaben.

Eigener Unterricht besteht in der Verknüpfung von instruktionsorientierten, individualisierten und kooperativen Unterrichtsphasen.

Zudem bedarf es

- neuer Formen des Lehrens (Methodik-Didaktik/Wechsel der Sozialformen),

- der Lerndiagnose (Lernstand-Stärken/Schwächen-Lernzugänge-Lernblockaden),

- der Leistungsbeurteilung (Mitarbeit-Textgestaltung-Lehrgespräch-Präsentation?) und

- des Feedbacks.

8.2 Dimension der Migration    

Differenzlinien ergeben sich in der Zuwanderungspädagogik/ Migrations- in der

- Leistungsfähigkeit - Lernpotenzial, Auffassungsgabe, Verarbeitungstiefe und Inselbegabungen,

- Motivation - Interesse - Lern- und Leistungsbereitschaft -externe und interne Faktoren, fachliches Interesse,

- Vorwissen - Sprachkenntnisse - Lernvoraussetzungen,

- Lernstil - induktiv und deduktiv,

- Lerntempo,

- soziokulturelle Herkunft - "kulturelles Kapital" und

- Zuwanderungsgeschichte - Sprachregister (vgl. HOLZBRECHER 2017, 24-25).

8.3 Möglichkeiten und Grenzen    

Professionalisierung ist ein Erfordernis, insbesondere unter den Aspekten einer Wissensgesellschaft und heterogenen Schülerschaft.

Zudem kommt der Fort- bzw. Weiterbildung der Lehrenden eine wesentliche Bedeutung zu (vgl. BUDDE 2017, 34-50).

Ihre Umsetzung bedeuten höhere Praxisanteile und kasuistische Orientierungen (vgl. die Thematisierung des Theorie-Praxis-Anteils?).

Interdisziplinäre Module im Umgang mit einer Heterogenität bzw. Differenz und zunehmenden Inklusion.

Von Interesse ist die Frage, ob ein Lehramtsstudium sich am Handlungsfeld oder an der Wissenschaftsdisziplin ausrichten soll, in welchen Formaten Heterogenität an der Universität thematisiert und soziale Differenz akademisch organisiert werden soll (vgl. BUDDE-BLASSE? 2014, 13-28; VOGEL 2010, 311-321).

Konkret geht es um Habitustransformation, die Umsetzung der Wissensbestände mit Heterogenität, Reflexion und Fallvarianten (vgl. IT-Autorenbeiträge? http://www.netzwerkgegengewalt.org. > Index: Interkulturelle Kompetenz, Migration in Österreich).

Schon Max WEBER skizziert Kriterien einer Professionalität, etwa die Autonomie der Berufsausübung, die Wissenschaftlichkeit des beruflichen Wissens und eine eigene Berufsethik.

Ewald TERHART (2007, 37-62) warnt vor einer Überstrapazierung des Begriffs, weil eine soziologische Definition auf den Lehrberuf nicht übertragbar sei.

Die "New Professionalism-Diskurse?" verwenden daher heute eher den Begriff "Experten/Expertin".

GAGE und BERLINER (1998) verwenden die heute oftmals verwendete Begrifflichkeit mit den folgenden Merkmalen in Anlehnung an SHULMAN (1986, 4-14) als

- fachliches Wissen,

- fachdidaktisches Wissen,

- fachübergreifendes Wissen und

- pädagogisches Wissen sowie mitunter

- motivationale Aspekte.

Daraus entwickelt sich nach SHULMAN zunächst der "kompetente Novize", der aus Erfahrungen lernt.

Dieser Aspekt soll Theorie und Praxis verzahnen, die Theorie des Studiums auf die Praxis ausrichten und als Passungsverhältnis verstanden werden (vgl. BUDDE 2017, 35).

Problemorientiert ist das Modell einer Professionalisierung durch einen Kompetenzaufbau als Prozess (vgl. TERHART 2007, 37-62; kritisch aufgezeigt als Frage nach dem Wann, Wie und bis zu welchem Grad bei GRÖSCHNER 2008, 345).

Eng verbunden mit der Problematik sind die Rahmenbedingungen einer Fort- bzw. Weiterbildung.

Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 8    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.

Arnold K.-H./Hascher T.-Messner R./Niggli A./Patry J.-L./Rahm S. (2011): Empowerment durch Schulpraktika, Bad Heilbrunn

Barsch S. (2017): Vielfalt reflektiert wahrnehmen, in: Barsch S.-Glutsch N.-Massumi M. (Hrsg.): Diversity in der Lehrer_innenbildung. Internationale Dimensionen der Vielfalt in Forschung und Praxis, Münster-New? York, 77-83

Barsch S.-Glutsch N.-Massumi M. (Hrsg.) (2017): Diversity in der Lehrer_innenbildung. Internationale Dimensionen der Vielfalt in Forschung und Praxis, Münster-New? York

Blömeke S. (2004): Erste Phase an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, in: Blömeke S.-Reinhold P.-Tulodziecki G.-Wildt J. (Hrsg.): Handbuch Lehrerbildung, Bad Heilbrunn, 262-274

Booth T.-Ainscow M. (2017): Index für Inklusion. Ein Leitfaden für Schulentwicklung, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 10098, Bonn

Bourdieu P. (1982): Der feine Unterschied - Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Frankfurt/M.

Bourdieu P. (1992): Homo Academicus. Frankfurt/M.

Bourdieu P. (2007): Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns, Frankfurt/M.

Budde J.-Blasse N. (2014): Thematisierung von Geschlecht in pädagogischen Kontexten, in: Eisenbraun V.-Uhl S. (Hrsg.): Geschlecht und Vielfalt in Schule und Lehrerbildung, Münster, 13-28

Budde J. (2017): Professionalisierung und Differenzkonstruktionen im Lehramtsstudium durch begleitete Praktika. Möglichkeiten-Notwendigkeiten-Grenzen?, in: Barsch S.-Glutsch N.-Massumi M. (Hrsg.): Diversity in der Lehrer_innenbildung. Internationale Dimensionen der Vielfalt in Forschung und Praxis, Münster-New? York, 34-50

Derscheid S. (2019): Transformationsprozess schulischer Inklusion. Eine qualitative vergleichende Einzelfallanalyse, Münster-New? York

Dichatschek G. (2017a): Interkulturalität. Ein Beitrag zur Theorie, Bildung und Handlungsfeldern im Kontext von Interkultureller Öffnung und Politischer Bildung, Saarbrücken

Dichatschek G. (2017b): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Dirim I./Gogolin I./Knorr D./Krüger-Potratz M./Lengyel D./Reich H.H./Weiße W. (Hrsg.) (2015): Impulse für die Migrationsgesellschaft. Bildung, Politik und Religion, Münster-New? York

Domisch R.-Klein A. (2012): Niemand wird zurückgelassen - Eine Schule für alle, München

Felten R.-Herzog W. (2001): Von der Erfahrung zum Experiment. Angehende Lehrerinnen und Lehrer im reflexiven Praktikum, in: Beiträge zur Lehrerbildung 19/1 2001, 29-42

Fend H. (2008): Schule gestalten. Systemsteuerung, Schulentwicklung und Unterrichtsqualität, Wiesbaden

Fereinidoonie K. (2011): Schule - Migration - Bildung. Ursachen der Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulwesen, Wiesbaden

Fromm M. (2019): Diversität in der Schule. Herausforderungen für Erziehung und Bildung in der Sekundarstufe, Münster-New? York

Fuchs H.-W. (2009): Neue Steuerung - neue Schulkultur?, in: Zeitschrift für Pädagogik 55/2009, 369-380

Gage N.L.-Berliner D.C. (1998): Educational Psychology, Boston

Gogolin I.-Lange I.-Michel U.-Reich H.-H. (Hrsg.) (2013): Herausforderung Bildungssprache - und wie man sie meistert, Münster

Gogolin I./Krüger-Potratz M. (2006): Einführung in die Interkulturelle Pädagogik, Stuttgart

Göbel K.-Buchwald P. (2017): Interkulturalität und Schule. Migration-Heterogenität-Bildung?, Paderborn

Greiten S.-Geber G.-Gruhn A.-Köninger M. (2017): Lehrerausbildung für Inklusion. Fragen und Konzepte zur Hochschulentwicklung, Beiträge zur Lehrerbildung und Bildungsforschung, Bd. 3, Münster-New? York

Gröschner A. (2008): Innovationskompetenz in der Lehrerbildung. Empirische Befunde auf der Grundlage der KMK "Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaft", in: Empirische Pädagogik 22/3 2008, 328-353

Hattie J.-Beywl W.-Zierer K. (2013): Lernen sichtbar machen, Baltmannweiler

Helsper W. (2008a): Schulkulturen - die Schule als symbolische Sinnordnung, in: Zeitschrift für Pädagogik 54/2008, 63-80

Helsper W.(2008b): Schulkulturen als symbolische Sinnordnung und ihre Bedeutung für die pädagogische Professionalität, in: Helsper W.-Busse S.-Hummrich M.-Kramer R.-T. (Hrsg.): Pädagogische Professionalität in Organisationen. neue Verhältnisbestimmungen am Beispiel der Schule, Wiesbaden, 115-145

Holtappels G.-G. (1995): Entwicklung einer Schulkultur, Neuwied

Holzbrecher A . (Hrsg.) (2011): Interkulturelle Schule. Eine Entwicklungsaufgabe, Schwalbach/Ts.

Holzbrecher A. (2015): Differenzsensibel lehren lernen - Entwicklungsperspektiven für Schulentwicklung, in: Holzbrecher A.-Over U. (Hrsg.): Handbuch Interkulturelle Schulentwicklung, Weinheim-Basel?, 349-361

Holzbrecher A. (2017): Pädagogische Professionalität in der diversitätsbewussten Schule entwickeln, in: Barsch S.-Glutsch N.-Massumi M. (Hrsg.): Diversity in der Lehrer_innenbildung. Internationale Dimensionen der Vielfalt in Forschung und Praxis, Münster-New? York, 17-33

Hurrelmann Kl.-Quenzel G. (2012): Lebensphase Jugend - Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung, Weinheim-Basel?

Ilien A. (2009): Grundwissen Lehrberuf. Eine kulturkritische Einführung, Wiesbaden

Karakasoglu Y.-Massumi M.-Jakobsen S. (2017): Interkulturelle Öffnung im Spiegel von Schulkultur. Überlegungen aus einem Theorie-Praxis-Dialog?, in: Barsch S.-Glutsch N.-Massumi M. (Hrsg.): Diversity in der Lehrer_innenbildung. Internationale Dimensionen der Vielfalt in Forschung und Praxis, Münster-New? York, 216-236

Kniffka G./Siebert-Ott G. (2012): Deutsch als Zweitsprache. Lehre und Lernen, Stuttgart

Koivula P.-Lakalla S.-Mäkinen M. (2010): Teacher Education for Inclusion Country Report - Finland; European Agency for Special Needs and Inklusive Education, Finland

Krell C.-Oldemeier K. (2015): Coming-Out? - und dann?! Ein DJI-Forschungsprojekt? zur Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen, München

Kricke M. (2015): Lernen und Lehren in Deutschland und Finnland: eine empirische Studie zu Schulsystem und Lehrer_innenbildung im Ländervergleich - Dissertation, Universität Köln

Kricke M. (2017): Finnlands "Schule für alle" - Eine inklusive Lernumgebung? Das finnische Schulsystem unter einer inklusiven Lupe, in: Barsch S.-Glutsch N.-Massumi M.(Hrsg.): Diversity in der Lehrer_innenbildung. Internationale Dimensionen der Vielfalt in Forschung und Praxis, Münster-New? York, 108-120

Lange D. - Polat A. (Hrsg.) (2009): Unsere Wirklichkeit ist anders. Migration und Alltag, Perspektiven politischer Bildung, Bundeszentrale politischer Bildung, Schriftenreihe Bd. 1001, Bonn

Lütje-Klose? B./Miller S./Schwab S./Streese B.(Hrsg.)O(2017): Inklusion: Profile für die Schul- und Unterrichtsentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Theoretische Grundlagen-Empirische? Befunde-Praxisbeispiele?, Münster-New? York

Massumi M.-Fereidoonie K. (2017): Die rassismuskritische Professionalisierung von (angehenden) Lehrkräften - Die Notwendigkeit einer Kompetenzerweiterung, in: Barsch S.-Glutsch N.-Massumi M. (Hrsg.): Diversity in der Lehrer_innenbildung. Internationale Dimensionen der Vielfalt in Forschung und Praxis, Münster-New? York, 51-76

Möller R.-Pithan A.-Schöll A.-Bücker N. (2018): Religion in inklusiven Schulen. Soziale Deutungsmuster von Religionslehrkräften, Münster

Prengel A. (2006): Pädagogik der Vielfalt. Verschiedenheit und Gleichberechtigung in Interkultureller, Feministischer und Integrativer Pädagogik, Wiesbaden

Queer History > http://queerhistory.de/projekt (2.4.2018)

Rauin U.-Meier U. (2007): Subjektive Einschätzungen des Kompetenzerwerbs in der Lehramtsausbildung, in: Lüders M.(Hrsg.): Forschung zur Lehrerbildung, Münster, 102-131

Reh S.(2007): "Lernbegleitung" und "Patenschaft" als Studienprojekte, in: Heinzel F.(Hrsg:): Lernbegleitung und Patenschaft, Bad Heilbrunn, 226-233

Reich K.(2014): Inklusive Didaktik, Weinheim-Basel?

Roters B.(2012): Professionalisierung durch Reflexion in der Lehrerbildung. Eine empirische Studie an einer deutschen und US-amerikanischen Universität, Münster

Saloviita T.-(2009): Inclusive Education in Finland: A Thwarted Development., in: Zeitschrift für Inklusion 1/2009 > http://bidok.uibk.ac.at/library/inkl-01-09-saloviita-finland.html (31.3.2018)

Shulman I. (1986): Those Who Understand: Knowledge Growth in Teaching, in: Educational Researcher 15/2 1986, 4-14

Stahl E. (2007): Dynamik in Gruppen. Handbuch der Gruppenleitung, Weinheim-Basel?

Terhart E. (2000): Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland, Weinheim

Terhart E. (2007): Erfassung und Beurteilung der beruflichen Kompetenz von Lehrkräften, in: Lüders M.-Wissinger J:(Hrsg.): Forschung zur Lehrerbildung, Münster, 37-62

Vogel P. (2010): Zu welchem Zweck studiert man Erziehungs- und Bildungstheorien? Zur Lehrgestaltung der Allgemeinen Pädagogik in modularisierten Studiengängen, in: Gaus D.-Drieschner E.-Uhle R. (Hrsg.): 'Bildung' jenseits pädagogischer Theoriebildung?, Wiesbaden, 311-321

Walgenbach K. (2014): Heterogenität - Intersektionalität - Diversity in der Einwanderungsgesellschaft, Stuttgart

Yildiz M.-Bak R. (2017): Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt - k(ein) Thema in Schule und Lehrer_innenbildung, in: Barsch S.-Glutsch N.-Massumi M. (Hrsg:): Diversity in der Lehrer_innenbildung. Internationale Dimensionen der Vielfalt in Forschung und Praxis, Münster-New? York, 291-307

9 Kultur    

9.1 Kulturvielfalt    

Die Geschichte des Turmbaues zu Babel als biblische Parabel liefert Hinweise, die auch heute den Kontakt der Kulturen prägen.

Die Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt leben verstreut und erleben eine Kulturen- und Sprachenvielfalt (vgl. Gen. 1 , 4-9).

  • Betont wird das Eigene und die Erfahrung des Anderen oder Fremden.
  • Es ergibt sich die Frage des Umgangs mit der Verschiedenheit der Kulturen.
  • In Zeiten großer Wanderungsbewegungen ist das traditionelle Kulturverständnis jedenfalls unter Druck geraten.
  • Alternativ ist das gemeinsame Verständnis von Kultur als Kommunikation eine Antwort (vgl. LANG 2015).
Weitere Reaktionen sind eine Erneuerung der Erinnerungskultur und Bedeutung einer Interkulturellen und Politischen Bildung, das postkoloniale Verständnis von Kultur (vgl. THIEMEYER 2016, 33-45).

  • Als Gründe werden angeführt Deutschland/ Österreich als Einwanderungsländer bzw. Länder mit Auswanderung,
  • einer sich ändernden Erinnerungskultur, Diskussionen um Eigentumsfragen an Kulturbesitz, NS-Raubkunst? und kolonialer Sammlungen in Europa,
  • das Fremde muss auch im eigenen Land gelernt werden (vgl. die Bedeutung "Interkultureller Kompetenz").
9.1.1 Herkunftskulturelle Identität    

Auf dem Prüfstand steht das Modell einer herkunftskulturellen Identität. Es geht um die zunehmende Bedeutung interkultureller Kompetenz und Transkulturalität - Interkulturalität.

  • Transkulturalität versucht nicht kulturelle Verschiedenheit zu nivellieren.
  • Interkulturalität bezeichnet die Vorstellung, dass kulturelle Identität über Enkulturationsprozesse entstehen, in denen sich Menschen in Wechselwirkung mit sozialen, kulturellen und sonstigen Prägungen ihrer Umgebung befinden. Interkulturalität setzt beim konkreten Kulturträger an.
Es geht um eine begriffliche Gemengelage zu beiden Ansätzen (vgl. DÄTSCH 2018, 10-13). Eine Anwendbarkeit des Konzepts der kulturellen Übersetzbarkeit soll kulturelle Kontexte wirksam machen (vgl. die Begrifflichkeit nach BHABHA 1994, BACHMANN-MEDICK? 2016).

9.1.2 Kulturelle Übersetzung    

Von Interesse ist die "Theorie der kulturellen Übersetzung", die wenig bekannt ist (vgl. DÄTSCH 2018, 12).

Die folgenden theoretischen Konzepte zur Schärfung des Konzepts sind für die Praxis relevant.

  • Einmal die Darstellung bei der Vermittlung von Inhalten, etwa der Inszenierung oder Konzeption einer Ausstellung.
  • Zum Anderen die Frage nach den Repräsentationsstrategien, etwa von Intendanten, Kuratoren, Dramaturgen oder Lektoren und der Kulturpolitik.
  • Es zeigt sich, dass die Einrichtungen und Institutionen als kulturelle Übersetzer agieren.
  • Durch die Einladung fremder Kulturschaffender werden neue Perspektiven entwickelt. Damit entstehen Mitwirkende an Prozessen von kultureller Bedeutung. Benötigt werden zusätzlich Kenntnisse in der Kommunikation, Finanzierung und im Marketing (vgl. MANDEL 2008, 51-60).
9.2 Kulturbegrifflichkeiten    

Die mitunter geradezu inflationäre Verwendung des Begriffs Kultur bedarf einer Analyse (vgl. KASCHUBA 1995, 27-46; DÄTSCH 218, 24-28).

Mit dem Begriff "Kulturalismus" wurde hier auf die Gefahren einer ausufernden Verwendung hingewiesen, im wissenschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Diskurs würden soziale Probleme mitunter zu kulturellen Problemen bezeichnet.

  • Mehr denn je scheint dies heute aktuell zu sein. Wenn über Geschichte, Gesellschaft oder Politik gesprochen werde, geschehe dies in "terms of culture" (vgl. KASCHUBA 1995).
  • Man denke nur an die Globalisierungs- und Migrationsdebatte, ebenso an die Globalisierung durch die Ökonomie und Digitalisierung.
  • Die Frage ergibt sich nach den weltweiten Vernetzungen nach kultureller Angleichung. Prozesse der Differenzierung in der Entwicklung berufen sich mitunter auf eigene Kultur (vgl. die belebte Diskussion um die sogenannte "Leitkultur").
Angesichts der Wortbedeutungen soll festgehalten sein, dass Kunst und Kultur nicht immer auf denselben Konzepten beruhen.

Kunst berührt Kultur dort, wo Praktiken einer Vermittlung bedürfen. etwa bei Kultureinrichtungen wie Theater, Film, Konzertveranstaltungen, Literaturhäusern, Museen, Galerien, Archiven, Bibliotheken und historischen Relikten.

9.2.1 normativer (enger) Begriff    

Beschrieben wird vor allem künstlerische Tätigkeit und deren Artefakte, in der Regel als "Hochkultur" bezeichnet. Hier wird der Kulturbegriff als universal geltender Anspruch von Bildung und Moral erhoben (vgl. BOLTEN 2015, 42-54; DÄTSCH 2018, 23).

9.2.2 deskriptiver (erweiterter) Begriff    

Beschrieben wird als Kulturbegriff die Vorstellung, jede Formen menschlicher Praktiken wie etwa Sitten, Brauchtum, Lebensweisen sind mit einzubeziehen(vgl. die Verwendung in der Anthropologie, Ethnologie). Der Begriff kann in geschlossener(Nation, Sprache, Geographie, Religion) und offener Form(kulturelle Vernetzung, Prozessdenken) vorliegen(vgl. BOLTEN 2015, 48).

9.2.3 neue Begrifflichkeit    

Seit der Einbeziehung der Sozial- und Kulturwissenschaften stellt sich der Begriff "Kultur" neu (vgl. die Perspektiven in der Kultursoziologie, RECKWITZ 2010) .

  • institutioneller Kulturbegriff - Kulturbetrieb/ Kulturmanagement (vgl. KLEIN 2011, 1-8)
  • populärkulturelle/ soziokulturelle Kulturpraktiken - Soziokultur, Jugendkultur, Subkultur (vgl. STOREY 2015)
Der Kulturbegriff kann Überlappungen und Vermischungen mit einbeziehen, Vernetzungen und Transkulturalität ergeben hybride Erfahrungen und Erkenntnisse (vgl. SCHNEIDER-THOMSEN? 1997, 67-90).

9.2.4 Populärkulturen    

Für die Politische Bildung sind die Formen der Populärkulturen von Interesse. Das Beispiel Großbritannien eignet sich gut für eine Zuordnung in Kultur und Gesellschaft (vgl. STURM 2019).

Einzubeziehen sind Aspekte wie,

  • Alter, soziale und ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, Herkunft und Lebensort,
  • ebenfalls wesentlich sind der Prozess der intellektuellen, geistigen und ästhetischen Entwicklung bzw. künstlerische und intellektuelle Tätigkeit.
  • In den Lebensformen sind historische Perioden, Ideale und Symbole zu berücksichtigen.
Eine Nähe von Jugend und Populärkultur ist sinnfällig.

Nach kulturwissenschaftlich einschlägigem Begriffswörterbuch von WILLIAMS (1988) beinhaltet ein weiter Kulturbegriff nicht nur den Prozess der angeführten Aspekte und Wertvorstellungen und Wissen, auch die Gestaltungsformen der Umwelt und Institutionen (vgl. STURM 2019, 326-330).

  • Im modernen Wortgebrauch dominieren die Kriterien der allgemeinen Verbreitung und Beliebtheit, aber auch Elemente der abwertenden Bedeutungen.
  • Differenziert werden die Aspekte von Populärkultur unterschiedlich mit Massenkultur, Hochkultur, Kultur der Arbeiterklasse oder des Volkes.
    • Populärkultur ist eine Kultur, die viele Menschen mögen,
    • Texte und Praktiken entsprechen nicht dem Standard der Hochkultur,
    • Kritik findet sich im Qualitätsverfall, ebenso in der manipulierenden und systemstabilisierenden Funktion,
    • gegensätzlich gilt Populärkultur als Kultur vom Volk für das Volk gemacht,
    • gedeutet wird auch Populärkultur als Bereich einer Entziehung einer Einordnung sozialer Gruppen in die herrschende Ordnung (vgl. STOREY 2015),
    • im Zeitalter der digitaler Medien bleibt offen, ob ein Protestpotential oder ob Innovation (kreative Auseinandersetzung) bzw. profitorientierte Vermarktung (ökonomische Strukturen) entstehen kann.
Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap. 9    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.

Almond G.A.-Verba S. (1963): The Civic Culture. Political Attitudes und Democracy in Five Nations, Princeton University Press

Bachmann-Medick? D. (Hrsg.) (2016): The Trans/ National Study of Culture. A Translational Perspective, Berlin

Bachmair B. (2010): Medienbildung in neuen Kulturräumen. Die deutschsprachige und britische Diskussion, Wiesbaden

Beck U. (1993): Die Erfindung des Politischen. Zu einer Theorie reflexiver Modernisierung, Frankfurt/M.

Berger P.L. (1980): Der Zwang zur Häresie. Die Religion in der pluralistischen Gesellschaft, Frankfurt/M.

Bernfeld S. (1981/1925): Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung, Frankfurt/M.

Bhabha H.K. (1990): Introduction: Narrating the Nation, in: Bhahba H.K. (Hrsg.): Nation and Narration, London, 1-7

Bhabha H.K. (1994): The Location of Culture, London/New-York

Bhabha H.K.(2012): Über kulturelle Hybridität, Tradition und Übersetzung, Wien

Bolten J. (2015): Einführung in die interkulturelle Wirtschaftskommunikation, Göttingen

Böhme H.-Matussek P.-Müller L. (2002): Orientierung Kulturwissenschaft. Was sie kann, was sie will, Reinbek

Brunkhorst H. (2000): Einführung in die Geschichte politischer Ideen, München

Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (2001): Ausgabe "Politik und Zeitgeschichte", B 50/2001, Politische Kultur-politische Bildung, Bonn

Cancik H.-Gladigow B.-Kohl K.H. (Hrsg.) (1993): Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe, Bd. 3, Stuttgart

Cloer E. (1989): Kulturpädagogik als öffentliche Aufgabe, in: Freizeitpädagogik 1989/1-2, 21-27

Dätsch Chr. (Hrsg.) (2018): Kulturelle Übersetzer. Kunst und Kulturmanagement im transkulturellen Kontext, Bielefeld

Dichatschek G. (2017a): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Dichatschek G. (2017b): Interkulturalität. Ein Beitrag zur Theorie, Bildung und Handlungsfeldern im Kontext von Interkultureller Öffnung und Politischer Bildung, Saarbrücken

Dörner A.-Vogt L. (Hrsg.) (2002): Wahl-Kämpfe?. Betrachtungen über ein demokratisches Ritual, Frankfurt/M.

Edelman M. (1976): Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt/M.

Edelman M. (1988): Constucting the Political Spectacle, Chicago University of Chicago Press

Fassler M. (2001): Netzwerke, München

Flitner W. (1966/1950): Allgemeine Pädagogik, Stuttgart

Giddens A. (1984): The Constitution of Society. Outline of the Theory of Structuration, Cambridge Polity Press

Giesecke M. (2002): Von den Mythen der Buchkultur zu den Visionen der Informationsgesellschaft. Trendforschung zur kulturellen Medienökologie, Frankfurt/M.

Gladigow B. (1999): Welche Welt passt zu welchen Religionen? Zur Konkurrenz von religiösen Weltbildern und säkularen Religionen, in: Zeiler D.(Hrsg.): Religion im Wandel der Kosmologien, Frankfurt/M., 13-31

Hausmann A. (Hrsg.)(2020): Handbuch Kulturtourismus im ländlichen Raum. Chancen-Akteure-Strategien?, Bielefeld

Hoffmann St. (2002): Geschichte des Medienbegriffs, Hamburg

Humboldt W. (1980): Theorie der Bildung des Menschen, in: Humboldt W. "Werke in fünf Bänden", hrsg. von Flitner A.-Giel Kl.(1980), Bd. 1, Darmstadt, 234-240

Jaeger F.-Liebsch B. (Hrsg.) (2011): Handbuch der Kulturwissenschaften-Sonderausgabe?, Bd. 1, Grundlagen und Schlüsselbegriffe, Stuttgart-Weimar?

Jaeger F.-Straub J. (Hrsg.) (2011): Handbuch der Kulturwissenschaften-Sonderausgabe?, Bd. 2, Paradigmen und Disziplinen, Stuttgart-Weimar?

Jaeger F.-Rüsen J. (Hrsg.)(2011): Handbuch der Kulturwissenschaften-Sonderausgabe?, Bd. 3, Themen und Tendenzen, Stuttgart-Weimar?

Jenewein H. (2019): Sagen aus der Almregion. Volkssagen aus Österreich, Südtirol, Bayern und der Schweiz, in: Fachzeitschrift für den bergbäuerlichen Raum Jänner/Februar 2020, 26-27

Kaschuba W. (1995): Kulturalismus. Von Verschwinden des Sozialen im gesellschaftlichen Diskurs, in: Zeitschrift für Volkskunde, Jg. 91, 27-46

Kertzer D. (1988): Ritual, Politics and Power, Yale University Press

Key E. (1991): Ein Jahrhundert des Kindes. Studien(1902), hrsg. von Ulrich Herrmann, Weinheim-Basel?

Kimmich D.-Schahadat Sch.-Hausschild Th. (Hrsg.) (210): Kulturtheorie, Bielefeld

Klein A. (Hrsg.) (2011): Kompendium Kulturmanagement. Handbuch für Studium und Praxis, München

Krotz Fr. (2009): Stuart Hall: Encoding/Decoding und Identität, in: Hepp A.-Krotz Fr. (Hrsg.): Schlüsselwerke der Cultural Studies, Wiesbaden, 210-223

Lang S. (2015): Partizipatives Kulturmanagement. Interdisziplinäre Verhandlungen zwischen Kunst, Kultur und Öffentlichkeit, Bielefeld

Lessing Th.(1995): Bildung ist Schönheit. Autobiographische Zeugnisse und Schriften zur Bildungsreform, hrsg. von Wollenberg J.-Schwake R.-Donat H., Bremen

Luhmann N.(1977): Funktion der Religion, Frankfurt/M.

Mandel B.(2008): Vom Kulturverwalter im Kulturstaat zum Kultur Unternehmer der Kulturgesellschaft. Neue Herausforderungen an die Ausbildung von Kulturmanagern- 7 Thesen, in: Keller R.(Hrsg.): spiel plan, Schweizer Jahrbuch für Kulturmanagement 2007/2008, Bern, 51-60

Marchart O. (2008): Cultural Studies, UTB 2008, Konstanz

Mill J. St. (1831/1942): The Spirit of Age, Chicago: University of Chicago Press

Mollenhauer Kl. (1983): Vergessene Zusammenhänge. Über Kultur und Erziehung, München

Nünning A.-Nünning V. (Hrsg.) (2003): Konzepte der Kulturwissenschaften. Theoretische Grundlagen - Ansätze - Perspektiven, Stuttgart-Weimar?

Nünning A.-Nünning V. (Hrsg.) (2008): Einführung in die Kulturwissenschaften. Theoretische Grundlagen-Ansätze-Perspektiven?, Stuttgart-Weimar?

OECD (2009): The Impact the Culture on Tourism, Paris

Procter J. (2004): Stuart Hall, Routledge

Reckwitz A. (2000): Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theorieprogramms, Weilerswist

Reckwitz A. (2010): Unscharfe Grenzen. Perspektiven der Kultursoziologie, Bielefeld

Richards G.(Hrsg.)(2005): Cultural Tourism in Europe. ATLAS Re-Edition?

Schmidt S.-Zurstiege G.(2000): Orientierung Kommunikationswissenschaft. Was sie kann, was sie will, Reinbek

Schmitz L.(2015): Nationalkultur versus Berufskultur. Eine Kritik einer Kulturtheorie und Methodik Hofstedes, Schriftenreihe der Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft, Bd. 2, Bielefeld

Schneider I.- Thomsen Chr. W.(Hrsg.)(1997): Hybridkultur, Köln

Sofsky W. (1996): Traktat über die Gewalt, Frankfurt/M.

Spranger E. (1927[1921]): Lebensformen. Geisteswissenschaftliche Psychologie und Ethik der Persönlichkeit, Halle a.S.

Storey J. (2015): Cultural Theory and Popular Culture. An Introduction, Harlow

Sturm R. (2019): Länderbericht Großbritannien, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe BD. 10438, Bonn

Thiemeyer Th. (2016): Deutschland postkolonial. Ethnologische und genea-logische Erinnerungskultur, in: Merkur Zeitschrift für europäisches Denken, Jg. 70, H. 806, 33-45

Tocquilles A. de (1985): Über die Demokratie in Amerika, Stuttgart

Vieregg H. (2006): Museumswissenschaften. Eine Einführung, UTB 2823, Paderborn

Welsch W. (1999): Auf dem Weg zu transkulturellen Gesellschaften, in: Seubold G. (Hrsg.): Die Zukunft des Menschen. Philosophische Ausblicke, Bonn, 119-144

Welsch W. (2009): Was ist eigentlich Transkulturalität?, in: Datowska L.-Machold Cl. (Hrsg.): Hochschule als transkultureller Raum. Beiträge zu Kultur, Bildung und Differenz, Bielefeld, 39-66

Williams R. (1988): Keywords. A Vocabulary of Culture and Society, London

10 Zukunftsfähige Bildung    

10 Problembereiche    

Basiswissen ("fundamentum") und Zusatzwissen ("addidivum") der folgenden Überlegungen sind neben der Lehre im tertiären und quartären Bildungsbereich in Politischer Bildung persönliche Schwerpunkte des Autors aus der Auseinandersetzung mit

  • einer Einordnung des demokratischen Systems (vgl. KOST-MASSING-REISER? 2020),
  • Erwartungen an die Zukunft und einer Zukunftsfähigkeit im Umgang mit der Welt (vgl. WELZER-RAMMLER? 2023) und
  • Lernkonzepten im Wandel, Zukunftsfähigkeit der Bildung und Thesen einer umfassenden Bildungsreform (vgl. DIECKMANN-SCHACHTSIEK? 1998, RUPP-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002).
10.1 Klimawandel    

Der Mensch verändert das Klima der Erde nicht gezielt und zu seinem Nutzen. Die Menge der Treibhausgase, zumeist CO2, in der Atmosphäre erhöht sich.

  • Bis zur industriellen Revolution hatte die CO2-Konzentration? während der Menschheitsgeschichte immer bei 285 Millionstel Volumenteile (ppm) gelegen.
  • Heute lautet der Messwert 390 ppm, also rund 40 Prozent höher. Der Wert steigt, allein zwischen 1984 und 2011 emittierte die Menschheit so viel CO2, wie in ihrer gesamten Geschichte zuvor (vgl. WELZER-RAMMLER? 2013, 266).
1992 haben sich im Kyoto-Protokoll? fast alle Staaten verpflichtet, eine gefährliche Störung des Klimasystems abzuwenden. Die Begrenzung von zwei Grad ist willkürlich gewählt und reicht möglicherweise nicht aus, etwa ein Abschmelzen des Grönlandeises zu verhindern.

Die heutige Erwärmung um nicht ganz ein Grad hat zu einer Zunahme von Extremwetterereignissen geführt, etwa zur Verschiebung von Monsunzeiten, hat Katastrophenwirkungen für Millionen Menschen.

Ohne griffige Maßnahmen bewegt sich die Welt auf eine Erwärmung um vier bis sechs Grad bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Die Gefahren werden unterschätzt. Die Folgen übersteigen das Vorstellungsvermögen. Die Lösungsmöglichkeiten werden überschätzt (vgl. Ansätze bei Umweltproblemen).

Den Klimawandel zu stoppen ist einfach. Für den anthropogenen Klimawandel ist zu drei Viertel das CO2 verantwortlich. Es benötigt weniger fossilen Kohlenstoff, die Wälder erhalten, weniger Ressourcenverbrauch. Komplex ist die gegenwärtige Strategie ist der Emissionshandel (cap and trade), wie ihn die EU kennt. Er begrenzt die Emittierung (cap) und erlaubt in der Begrenzung mit Emissionsrechten zu handeln (trade).

In der internationalen Klimapolitik geht es um die Frage, wenn wie viel von dem Kohlenastoff, den man noch zulassen will, zustehen soll, sowie um die Frage, wie man die Lasten verteilen soll. Die Ungleichheit ist groß. Die OECD-Staaten? emittieren mit 18 Prozent der Weltbevölkerung über 40 Prozent der Treibhausgase. Die VR China emittiert heute, gemessen an ihrer Bevölkerungszahl, bereits deutlich zu viele Treibhausgase.

Die Klimapolitik der UN hat außer dem Kyoto-Protokoll? lediglich Absichtserklärungen gebracht. Ein globales Problem kann aber nur global gelöst werden.

Ausführlich zur Thematik der Autorenbeitrag in diesem Netzwerk > http://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Klimawandel__und__Klimaschutz

10.2 Energie und Ressourcen    

"Nachhaltig" bedeutet heute nicht auf Kosten der Zukunft zu leben.

Herman DALY (1977/1991) als Doyen der "ecolocigal economics" definiert nachhaltig als eine Wirtschaft,

  • die erneuerbare Rohstoffe schneller verbraucht, als sie nachwachsen.
  • die Abfallstoffe nicht schneller produziert, als die Natur sie unschädlich zu machen vermag.
  • Der Verbrauch nicht-erneuerbarer Rohstoffe gilt als nachhaltig, wenn ein Teil des Gewinns aus deren Nutzung dazu verwendet wird, gleichwertigen Ersatz zu schaffen.
Was die verschiedenen Energierohstoffe angeht, gibt es keinen Kreislauf, doch die Erde befindet sich in einem steten von der Sonne gespeisten Energiefluss.

Eine nachhaltige Energiewirtschaft klinkt sich in diesen Fluss ein (vgl. WELZER-RAMMLER? 2013, 272).

Die industrialisiert Wirtschaft befindet sich außerhalb von Kreisläufen und natürlichen Energieflüssen. Man denke an die Bodenschätze, fossile Ressourcen und letztlich an die Abfallstoffe wie radioaktive Abfälle, Gifte und Plastik. Neben den biologischen und ökologischen Aspekten gibt es auch besondere politische Aspekte wie (bewaffnete) Konflikte und Gewaltfolgen beim Zugang zu natürlichen Ressourcen (vgl. etwa Erdöl/ "Golfkrieg" und Bodenschätze/ Gewaltfolgen/ Ostkongo-Coltan?, Chile-Kupfer?). Eine Macht über Energie fördert Ungleiohheiten und Machtkonzentration.

Mit der Erdölkrise 1973 ergab sich das Phänomen drohender Energielücken und Energiebedarf. Der globale Energieverbrauch hat sich mehr als verdoppelt, zu mehr als 80 Prozent wird er aus fossilen Quellen und zu sechs Prozent mit Atomkraft gedeckt. Zu bedenken sind die Subventionierungen fossiler Energie (vgl. WELZER-RAMMLER? 2013, 274-275).

Ausführlich zur Thematik der Nachhaltigkeit der Autorenbeitrag in diesem Netzwerk > http://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Nachhaltigkeit

10.3 Konsum und Lebensstil    

Die Frage einer Veränderung betrifft in modernen Gesellschaften die Wachstumswirtschaft mit der Forderung auf Verzicht.

  • In Europa und in den USA hat es bisher keine Regierung gewagt, den Lebensstil der Konsumgesellschaft in Frage zu stellen (vgl. WELZER-RAMMLER? 2013, 282).
  • Zu hinterfragen ist die Wegwerfmentalität als Resultat von Marketing-Anstrengungen? und Voraussetzung der Wachstumswirtschaft.
  • Suffizienzpolitik zielt darauf ab, vorhandene Bedürfnisse effizient zu erfüllen.
    • Als Beispiel intelligenter Suffizienz dient die Mobilität.
    • Die Bedürfnisse blieben relativ konstant (Arbeitsplatz, Schule, Einkauf, Freizeit).
    • Allerdings gab es in der Folge auch ein unglaubliches Verkehrswachstum mit der Notwendigkeit des Wachstums der Verkehrswege (vgl. etwa trotzdem kein Mobilitätsgewinn/ Stau, Stoßzeiten, Lärm, Unfallgefahren).
    • Suffizienzpolitik bedeutet nicht Verzicht, sondern vor allem suffizientere Lebensweisen zu erleichtern (vgl. WUPPERTAL INSTITUT FÜR KLIMA, UMWELT, ENERGIE 2005).
10.4 Landwirtschaft - Ernährung - Ökologie    

Als Fritz HUBER und Carl BOSCH Ammoniak herstellen konnten, war die Grundlage der Herstellung für den synthetischen Stickstoffdünger geschaffen. Um ein Kilogramm Stickstoff zu fixieren, benötigt das Haber-Bosch-Verfahren? den Energiegehalt von einem Liter Erdöl.

Handelsdünger wurde die Basis der Agrarrevolution des 20. Jahrhunderts.

  • Neben der Erhöhung der Produktionsmenge, Sicherung der Ernährung und der landwirtschaftlichen Basis für die Industrie (Nahrungsmittel-und Maschinenindustrie)
  • Damit kam es aber auch zum Abbau von Arbeitskräften und in der Folge einer Umschichtung der Arbeitskräfte in Gewerbe, Industrie und den Dienstleistungssektor.
  • In der Folge wurde in den fünfziger Jahren in der "Grünen Revolution" von der Entwicklungshilfe die Agrarrevolution in die Dritte Welt exportiert.
  • Die Pfeiler der energieintensiven Entwicklung waren Handelsdünger, Unkraut- und Schädlingsbekämpfung, motorisierte Mechanisierung der Landarbeit und Zuchtversuche.
Der Agrarsektor entwickelte sich

  • nach einer Sicherung der Ernährungsbasis zu
  • einem Pfeiler der Ökologie (Umweltschutz) und des Tourismus (Landschaftserhaltung, Bildung von Urlaubsregionen).
10.5 Bauen und Stadtplanung    

Die gegenwärtigen Lebensstile ermöglichen keine zukunftsfähige Gesellschaft. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen ergeben Optionen der Ermöglichung, Blockade oder Erleichterung.

Am sichtbarsten und starrsten sind die Bedingungen der gebauten Umwelt.

Siedlungen und Verkehrsstrukturen organisieren den Raum. Wie dies geschieht oder geplant wird, hat entscheidenden Einfluss auf den Lebensstil. Wohnung, Arbeit, Freizeit, Gesundheit und Bildung sind bestimmende Faktoren.

  • Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden US-Vorstädte? aus Fertigelementen gebaut ("Levittowns").
  • In Europa wurden nach den Zerstörungen des Krieges Städte verkehrsgerecht aufgebaut (Straßenbahnen, U-Bahnen?, Stadtautobahnen)
  • Raumplanungen entstanden mit eigenen Raumkonzepten wie Gewerbegebieten, Wohngebieten, Einkaufszentren, Sport- und Erholungsgebieten
  • Zersiedelungen sollten vermieden werden im ländlichen Raum, Randgebiete um die urbanen Zentren entstanden (vgl. um Wien "Speckgürtel").
Beispielhaft als ökologisch und zukunftsfähig gilt die "Transition-Town-Bewegung?" von Rob Hopkins. Ausgehend von Großbritannien werden Schlüsse für eine Stadtplanung gezogen.

  • Verzahnung der Städte mit landwirtschaftlicher Produktion ihres Umfeldes
  • Organisation von Dienstleistungen in Gemeinschaft
    • Märkte - Banken - Gemeinschaftszentren - Gesundheitszentren - Kindergärten und Schulen
    • Sparen von Ressourcen und Gemeinwohlorientierung
10.6 Politisierung - Umbruchsituationen    

Im Zuge der zunehmenden Politisierung in Europa und angelsächsischem Raum ab den siebziger Jahren erhalten die Sozialwissenschaften, Politikwissenschaft, Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft und in der Folge die Kulturwissenschaften zunehmende Bedeutung.

Damit kommt es zu einem Schub von Entwicklungen, politischen Phänomenen, wirtschaftlichen Abläufen, Bildungsprozessen und kulturellen Entwicklungen, die es zu hinterfragen gilt.

Im Bereich der Gestaltung der Lebenswelt erhalten die Ökonomie-Ökologie-Politische? Bildung-Nachhaltigkeit? und EU-Bildungs-? und Sozialprogramme eine neue Bedeutung.

  • Mit dem Paradigmenwechsel von den Geistes- zu den Naturwissenschaften/ sechziger Jahre, Sozialwissenschaften/siebziger - achtziger Jahre und aktuell Kulturwissenschaften, veränderten sich Lern- und Lehrinhalte, Bildungsziele, Verhaltensweisen, Rollenbilder und gesellschaftliche Strukturen.
  • Zurecht wird von einer gesellschaftlichen Umbruchsituation gesprochen.
In der Folge ergeben sich künftige Zukunftsfelder wie Arbeit-Beruf?, Demokratie-Partizipation?, Lernen, Wissen, Kultur-Religion?, Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die thesenartig in der Folge zu beschreiben und hinterfragen zu sind.

10.7 Arbeit - Beruf    

In Anlehnung an DIEKMANN-SCHACHTSIEK? (1998, 11-20) müssen Menschen ein Wissen und Können besitzen, damit sie nicht in Wirtschaft und beruflicher Gesellschaft überrollt werden. Vielmehr müssen sie aktiv gestalten können, wenn Arbeit durch Wissen und Kapital eingeschränkt bzw. ersetzt werden.

  • Man muss in die Lage versetzt werden, durch verbesserte Teilhabe selbst oder mit anderen Fähigkeiten und Vorstellungen zu entwickeln. Dies bedeutet zunächst in einer Bildungsreform mit zukünftigen Aspekten Vorstellungen bzw. Dimensionen, dem Anspruch auf Zukunftsfähigkeit, zu entwickeln. Dies stellt für die Politische Bildung im Teilbereich Berufspädagogik eine wesentliche Thematik dar.
  • Bedarfsorientierende Qualifikationen werden sich zunehmend relativieren. Falsche Weichen für die Zukunft sind die Ausrichtung von Ausbildungsgängen in Schulen und Hochschulen auf den Bedarf der Wirtschaft. Weder ein einzelner noch die Institutionen der Wirtschaft wissen, wie zukünftige Arbeitsplätze aussehen werden. Man denke nur aktuell an den Verlust von Vollarbeitsplätzen, die rasante Entwicklung der Informationstechnologie mit der Gestaltung der Arbeitsplätze und der Veränderung des Wirtschaftslebens mit der Entwicklung der Globalisierung.
  • Bildungspolitik ist dadurch nicht unmöglich geworden. Vielmehr bedeutet der rasche Wandel ein mehr an Bildung und Forschung. Wissen und Können bestimmen den Wohlstand einer Gesellschaft. Sie bilden das Kapital für eine Zukunftsfähigkeit. Traditionelle Formen verlieren an Einfluss. Schwierigkeiten zu überwinden verlangen Fähigkeiten, mit Unsicherheiten umzugehen.
    • Damit ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag aller Bildungsbereiche und Ausbildungszweige an das Schulsystem, Berufsausbildungen, Hochschulen und Universitäten sowie Weiterbildungssysteme mit der Belebung von Lernen und Lehren in "lebensbegleitenden Lernen" gegeben (vgl. ARNOLD-GONON-MÜLLER? 2016, 23-27). Bei wirtschaftlichem Bedarf ist zu unterscheiden zwischen gegenwärtigem und zukünftigem.
    • Die derzeitigen Formen der beruflichen Fortbildung und in Eigeninitiative aufgenommene Weiterbildung werden einen Kernbereich bilden. Sie überwinden nicht die Schwierigkeiten im privaten und beruflichen Bereich. Im Zentrum stehen der Erwerb von Informations-, Vermittlungs- und Problemlösungskompetenz. Ziel ist ein Gewinn an Produktivität und an Lebensenergie durch die ergänzenden Effekte.
Eine Selbstverantwortung der Schulen und Hochschulen bzw. Universitäten sollte gestärkt und die Fort-und Weiterbildung gefördert werden. Das bedeutet neue Formen des Lernens und Lehrens, die "Trichtermethode" funktioniert nicht. Schulisch geht es eine Beschleunigung bzw. Verstärkung von "Schulentwicklung", im tertiären Bildungsbereich um "Hochschuldidaktik" (vgl. DICHATSCHEK 2019, 2020, 2022).

Beide Bildungsprozesse setzen eine Aus- und Fortbildung der Lehrenden voraus. Wesentlich sind die Nutzung pädagogischer und didaktischer Freiräume mit pädagogischer Verantwortung, eine Dezentralisierung und Förderung von Kreativität, Eigeninitiativen und Forschungskultur.

Lernwelt und Arbeitswelt bedürfen wechselseitiger Vermittlung (vgl. Berufspädagogik - Vorberufliche Bildung-Berufliche? Bildung; DICHATSCHEK 2021b, ARNOLD-GONON-MÜLLER? 2016).

Lebensbegleitendes Lernen gleichzeitig zur und in Zwischenphasen der beruflichen Tätigkeit muss Praxis werden. Das Bildungswesen hat auf die Änderungen der Arbeitswelt und die neuen Formen der Arbeitszeitgestaltung vorzubereiten.

10.8 Demokratie - Partizipation    

Damit Menschen individuell und gesamtgesellschaftlich ihr Leben mitgestalten und demokratisch mitbestimmen können, brauchen sie eine urteilsfähige Allgemeinbildung.

Ziel ist eine Beherrschung elementarer Kulturtechniken wie Basiskenntnissen im gängigen Fächerkanon mit Schwerpunktbildungen und Möglichkeiten einer Persönlichkeitsbildung in seinen vielfältigen Dimensionen.

10.8.1 Prinzipien einer Demokratie    

Im Folgenden wird auf die grundlegende Prinzipien einer Demokratie eingegangen (vgl. KOST - MASSING -t REISER 2020, 141-156).

Die Verfassung (in Deutschland "Grundgesetz") hat die Entwicklung des Rechtsstaatsprinzips aufgenommen, den materiellen (formalen) und sozialen (liberalen) Rechtsstaat.

Diesem Modell entsprechend ist der Staat und sein Handeln zu organisieren, etwa in der

  • Anerkennung der staatsbürgerlichen Rechte als Schutz der persönlichen Freiheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freizügigkeit, Presse- und Meinungsfreiheit, Vertrags- und Berufsfreiheit,
  • Gleichheit vor dem Gesetz,
  • unabhängigen Gerichtsbarkeit,
  • dem Parlament verantwortlichen verfassungsgemäßen Regierung,
  • dem Vorrang und Vorbehalt des Gesetzesrechts und
  • einer durch das Volk präsentierten Teilhabe an der Gesetzgebung.
Die Demokratie in der Wahrnehmung ihrer Bewohner bestätigt die Idee der Demokratie. Belegt ist dies in der Zufriedenheit und dem Funktionieren, wie der Möglichkeit der Beteiligung bei Wahlen und in der Zivilgesellschaft sowie der Praxis der Kritik an politischen Entscheidungen.

Das Konzept des Föderalismus beinhaltet eine Verteilung von Macht zwischen der Zentralgewalt und den Gliedstaaten (Bundesländern).

Die Vorteile einer dezentralen Machtausübung mit der Kenntnis der örtlichen Verhältnissen und deren Interessen sollten genützt werden. Dies zeigt sich in der Bundes- und Landesgesetzgebung in seinen Formen, der Balance zwischen Bundes- und Landespolitik sowie Verlagerung von Kompetenzen auf die teilstaatliche bzw. kommunale Ebene.

10.8.2 Migrationsbedingte Heterogenität    

Von Interesse sind die Herausforderungen in der gewachsenen migrationsbedingten Heterogenität westlicher Demokratien. Aspekte sind Dimensionen der Inklusion, politische Repräsentation und Partizipation.

  • Zum Tragen kommt in der Politischen Bildung die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz (vgl. DICHATSCHEK 2021a). Dies zeigt sich in einer Gesellschaft, die von Pluralität, Wandel, Unterschiedlichkeiten und Universalität in Ethnien, Bildung und Erziehung, Politik und Wirtschaft, Kultur und Kunst, Religion und Recht gekennzeichnet ist. Problembereiche sind in bestimmten Gesellschaftsbereichen deutlich sichtbar und nicht isoliert vom gesellschaftlichen Kontext und der Entwicklung zu betrachten. Interkulturelle Kompetenz ist in einem demokratischen Leben mit Normen, Werten und Grundlagen einer Demokratie zu gestalten.
  • Als Beispiele für eine Übertragung multikulturalistischer Ideen auf die politische Agenda gelten Kanada und die Niederlande bis in die neunziger Jahre ("ethnischer Korporatismus"). Ziel ist eine Gleichstellung ("kollektive Emanzipation") durch Selbstorganisationen und Beratungsgremien (vgl. MÜNCH 2010, 154).
Demokratie als politische Form hat die Entscheidungen von Mehrheiten zu legitimieren und die Rechte von Minderheiten zu schützen. Als Lebensform hat Demokratie die Unterschiedlichkeit von Lebensweisen und Kulturen zu ermögliche und zu sichern. Der Mensch wird nicht als Demokrat geboren, Denken und Handeln muss erlernt werden (Politische Bildung, vgl. DICHATSCHEK 2017).

Politische Parteien haben kein Monopol zur Gestaltung der politischen Verhältnisse. Das Bildungssystem mit seinen verschiedenen Lernorten haben mehr Möglichkeiten der aktiven Einübung in die Zivilgesellschaft und ihrer Mitgestaltung zu bieten.

10.9 Lernen    

Das Bildungssystem erfüllt unterschiedlich seine Aufgabe mit der Trias Fordern - Fördern - Beraten. Neugier, Phantasie und Lernbereitschaft sollen von der der Kindheit an und in der Folge bis in das Berufsleben erhalten bleiben. Es bedarf der Vermittlung fachlicher, methodischer, personaler und sozialer Kompetenzen (vgl. DICHATSCHEK 2020, 2022a).

Eine wesentliche Ursache für Demotivation der vorhandenen Lernpraxis liegt in der disziplinären Verstreuung. Konzeptionelle Ansätze und Lernkonzepte für Interdisziplinarität fehlen nicht.

Es bieten sich an

  • eine Schulentwicklung mit schuleigenen Curricula-Organisationsformen-Fördermöglichkeiten?,
  • eine Hochschuldidaktik für die Lehre-Studium? im tertiären Bildungsbereich (vgl. PFÄFFLI 2005, DICHATSCHEK 2019) und
  • eine Erwachsenenpädagogik mit Lernkulturen (vgl. DICHATSCHEK 2018).
Ihre Wirkung bedarf einer geförderten Schwerpunktsetzung im Gesamtsystem.

Lernen und Lehren gehören zusammen.

10.10 Wissen    

Wissen und Bildung stehen in einem engen Zusammenhang, wobei Wissen nur durch Bildung erschlossen werden kann. Dies zeigt sich im Zugang und und Umgang durch Allgemeinbildung und Berufliche Bildung,

Das Bildungssystem trägt dem Rechnung in der Unterscheidung der Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) und Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) in ihrer Vielfalt. Die Nutzung einer kulturell-technischen Infrastruktur wie Bibliotheken und Datenbanken und jeweilige notwendige Fächer bzw. Fachverbindungen (vgl. etwa MINT) vermitteln die Notwendigkeit einer Abstimmung für einen zeitgemäßen Wissenskanon.

Der Einzelne benötigt bestimmte Kompetenzen und ein inhaltliches Basiswissen ("fundamentum"). Dies sollte zunehmend Grundlagen der Bildungsbereiche Biologie-Technik-Informatik?, Ökonomie, Geschichte-Geographie?, Philosophie-Religion?, Kunst-Musik? und aktueller Probleme ("additivum") umfassen.

Zu überprüfen sind in der Bildungspolitik die Bereiche Bildung-Erziehung-Qualifikation? auf ihre Tragfähigkeit im Hinblick ihrer Gewichtung und Zuordnung für künftiges Wissen, das in lebensbegleitendem Lernen als Fort- und Weiterbildung Bedeutung besitzt. Dies setzt einen Konsens in der Gesellschaft voraus.

10.11 Kultur - Religion    

Kultur im Kontext Religion ist wieder aktuell geworden. Dies wird als Krisensymptom bewertet, weil das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen und ihrer Ausdrucksformen im Alltagsleben die Notwendigkeit der Frage nach der eigenen Kultur und fremden Kulturen in dem Wert, Stabilität, Flexibilität und Zukunft aufwirft.

Die Furcht vor dem Verlust kultureller und religiöser Identität wird als Ausdruck eines Entfremdungsprozesses bewertet. Dies hat inzwischen zu Polarisierung und Kritik geführt und das Interesse der Politische Bildung gefunden (vgl. HIRSCHMANN 2017, FROUTAN-KARAKAYALI-SPIELHAUS? 2018).

10.11.1 Kulturell-religiöse Identität    

Damit liegt ein Aspekt für wachsendes Krisenbewusstsein vor, auf das Politik zu reagierten hat und mit ihr die Gesellschaft hätte. Gefordert ist das Bildungssystem mit der Bildung einer interkulturellen Kompetenz und religiösem Wissen. Dies bildet die Chance für das Bewusstwerden einer europäischen Kultur und eigener Religion.

Damit ergeben sich Überlegungen über kulturelle Bildungsgehalte in der Entwicklung eines wachsenden Europas.

Kultur in seiner Begrifflichkeit findet einen Zusammenhang mit dem Kulturprotestantismus während und nach der Jahrhundertwende. Die Besonderheit liegt in der kritischen Ausrichtung. Kultur wird als menschliche Leistung einerseits und Heil an den Menschen andererseits nicht präzise unterschieden (vgl. RUPP--SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 79).

Kultur im Sinne der europäischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts ist eine moralische Kategorie. In dieser Zeit wird Kultur als Sammlung der Errungenschaften produzierender Tätigkeiten von Menschen bezeichnet. Damit kommt der Begriff Zivilisation in die Diskussion. Es bedarf in der Folge einer Humanisierung des sozialen Lebens durch Werke bzw. Artefakte, denen ein Wert und Sinnstiftung in den Künsten, Wissenschaften, Religion und Rechtsformen zuerkannt wird.

Gründe für eine Änderung des Kulturbegriffs im Zusammenhang mit einer entsprechenden Anthropologie und Religionstheorie im letzten Jahrhundert hängen mit der politischen Vergangenheit zusammen. Die Frage bleibt offen, welche Gründe es gibt, dass nach den Weltkriegen mit ihren Folgen wieder Bemühungen um eine Belebung nicht umgehend versucht wurden.

Folgerichtig ist damit die Ambivalenz des Kulturbegriffs mit seinem Umfeld anzusprechen. Die Errungenschaften eben dieser Kultur kann auch zu ihrer Selbstzerstörung führen. Wissenschaft, Technik, auch Religion und Recht können als Kulturformen zugleich auch als Mittel der Kulturzerstörung werden. Das 20. Jahrhundert mit seinen totalitären Systemen einer Menschenverachtung in Europa führte dies vor. Kultur schlug um in Antikultur.

Der jüdische Kultur-, Wissenschafts- und Religionsphilosoph Ernst CASSIRER versuchte in seinem letzten Hauptwerk "Vom Mythus des Staates" Anfang der vierziger Jahre vor seinem Tod begreiflich zu machen, dass Kultur in Kunst, Wissenschaft, Technik und Sprache zur Barbarei auf hohem Niveau pervertiert.

Theodor W. Adorno von der "Frankfurter Schule" formuliert mit seinen Aussagen der Situation nach Auschwitz seinen Kulturpessimismus wohl nicht als letztes Wort, allerdings pädagogisch positiv in der Folge in einen Realismus und einem elementaren Erziehungsauftrag.

Die Aktualität in der Politischen Bildung bedeutet

  • aus der Nichtvorbereitung nach den Schrecken der Kriegszeit einen Wandel zu einer "Wissensgesellschaft" und
  • aus der Nichtvorbereitung einen Fahrplan zu einem "Europa" einzurichten (vgl. die politisch - kulturell -ökumenische Dimension/ Europarat - OECD - Weltrat der Kirchen) (vgl. DICHATSCHEK 2017, 2022b).
Wissen hat einen Stand erreicht, dem die pädagogische Vorbereitung nicht folgen konnte, denn Globalität und Komplexität sollen Kompetenzen erreichen, die zu weiterführenden Antworten mit einem Fortschritt führen.

Damit ist Bildung zur Organisation von Wissen angesprochen, Sach- und Lebenskompetenz erforderlich.

Die erforderlichen Kriterien sind wiederzuentdecken und umzusetzen. Die Trias Theorie-Praxis-Handlungsorientierung? auf allen Bildungsebenen ist erforderlich.

10.11.2 Politische und religiöse Bildung    

Anzusprechen ist das Verhältnis politische und religiöse Bildung (vgl. RUPP-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 178-180).

Religiöse Bildung beinhalten kulturelle Erinnerungsfähigkeit, Lebensbedeutung, Lebensführung und Überzeugungen. Im öffentlichen Diskurs wird gerne von "Werten" gesprochen, die so etwas wie ein "kulturelles Gedächtnis" darstellen.

Schwerpunkte sind etwa die Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Hoffnung und Solidarität. Nicht ohne die in der Bibel überlieferten Erzählungen, Gleichnisse, Briefe und Gebete geht es um geistige Prinzipien, Erläuterungen oder Illustration. Es geht um Erfahrungen, die Menschen als ihre Begegnung mit Gott gedeutet und bezeugt haben. Wer damit angesprochen wird, umgeht und begegnet, kann diese Lebens- und Weltdeutung ausweiten und weitergeben.

Vor diesem Hintergrund wird man Bildungs- und Erziehungsprozesse unterscheiden müssen. Dies gilt gleichermaßen für eine politische Bildung.

Aus erziehungsethischen Gründen liegen die Einstellungen von Heranwachsenden im Unterschied zu ihrem moralischen Regelwissen und ihrer Urteilsbildung nicht im Bereich pädagogisch-didaktischer Handlungen. Man kann zwar Lernende dazu veranlassen, etwas zu tun, aber nicht das auch zu wollen.

Die unterrichtlich-didaktische Grenze ist für Lehrende die pädagogische Handlungsgrenze. Man beachte die unterschiedliche Professionalität zwischen Lehrenden und Erziehenden.

Intentionale Bildungsanstrengungen stehen zur Verfügung, wenn die verschiedenen sozialen und kulturellen Handlungsräume zum Zug kommen. Zu beachten sind die Erziehungswirkungen in der Familie, mit Gleichaltrigen und in Formen der Freizeitgestaltung.

Mit diesen Aspekten ist deshalb so wichtig, wenn Schule nicht nur als Unterrichtsveranstaltung, vielmehr auch als eigener Lebensraum bewusst gestaltet wird (vgl. die Bedeutung der Schulbauten und Gestaltung der Räumlichkeiten und des Geländes). Ohne diese beeinflussbare Erfahrungen in Verbindung mit dem pädagogischen Motivfundus im Kontext ethischer Bildung bleibt Erziehung und Bildung kraftlos (vgl. den Ausdruck "totes Wissen").

Die Bedeutung dieser Überlegungen gewinnt an Dringlichkeit, weil sich nirgendwo in einem öffentlichen Raum Menschen unterschiedlicher kulturell-religiöser Herkunft in gleicher Nähe und Intensität wie in der Schule begegnen. Hier findet eine interkulturelle, politische und ökumenische-interreligiöse Bildung statt.

Der Respekt vor vor dem Fremden ("Anderen") entwickelt sich und findet nicht ohne eigene Selbstvergewisserung statt. Eine interkulturell-religiöse Schulseelsorge findet ein großes Betätigungsfeld.

Für den Religionsunterricht stellt sich das Problem, wie der weltanschaulich neutrale Stat+at sein Interesse an kulturell-religiöser Bildung im Kontext mit Politischer Bildung gewährleisten kann.

Analog zur Politischen Bildung ist ebenso die weltanschauliche Neutralität zu wahren (vgl. den "Beutelsbacher Konsens"). Dennoch ist es Bildungziel, politisch urteilsfähige und handlungsfähige Menschen zu bilden.

Für einen konfessionellen Religionsunterricht gilt ganz ähnliches. Die Analogie hat aber einen Unterschied. Politische Bildung kennt an der Schule kein Recht auf Nichtteilnahme. Damit ist auch keine besondere Zurückhaltung gegenüber Meinungsunterschieden bedeutend. Takt und Behutsamkeit werden gleichermaßen in beiden Bildungsprozessen verlangt.

Eine öffentliche Erörterung ist ein wesentlicher Teil der Politik. Gleiches gilt für religiöse Fragen nicht. Eine öffentliche Diskussion über religiöse Fragen ist aber nicht schon eine religiöse Praxis. Religiöse Fragen benötigen besondere Sensibilität durch ihre individuelle Bedeutung im Glaubensleben und ihrer Umsetzung. Als solche letzte Fragen stehen sie unter besonderem verfassungsrechtlichem Schutz, ebenso sie als Menschenrecht kodifiziert.

10.12 Nachhaltigkeit    

Ein Mangel an der Bedeutung der Natur und ihren Abläufen kann über kurz oder lang die menschliche Zivilisation massiv beeinträchtigen. Die Bewahrung bzw. Wiederherstellung naturgemäßer Gleichgewichte und Kreisläufe ist ein zentrales Anliegen der Menschheit als Teil der Natur und ihrer Verantwortung.

Dazu bedarf es entsprechender Kenntnisse und spezifischer Handlungsanleitungen zur Ausbildung eines ökologischen Bewusstseins. Dies beginnt in einer Schule, die Ökologie in Verbindung mit Ökonomie nicht nur als ein Fach (zumeist in Kombination) unter anderem lehrt, vielmehr selbst ökologisch arbeitet, um für praktische Lösungen vorzubereiten. In der Folge ist die Vielfalt der Erwachsenenpädagogik vermehrt in der Pflicht.

10.13 Digitalisierung    

Zukunftsfähigkeit in der Thematik der Bildung betrifft "technologiegestütztes Lernen und Lehren". Das Themenfeld ist interdisziplinär angelegt.

Als Technologien gelten Präsentations-, Kommunikations-, Computer-, Internet- und Sensorentechnologien.

"Lernen mit neuen Medien" als Begriff verwendet, betrifft das Arbeitsgebiet Medienpädagogik. Zentrale Bereiche bilden die Medienerziehung und Mediendidaktik. Hier wird in Verbindung mit Medienarbeit eine Medienkompetenz vermittelt, die in der Vielfalt der Medienlandschaft und der Bedeutung der Digitalisierung zunehmend bedeutend wird.

Online-Lernen? und Blended Learning, Mischformen Wikis, Podcasts, Netzwerke und Medienplattformen sind zu nennen. Zunehmende Bedeutung erhält die Fernlehre in verschiedensten Varianten.

Für zukünftiges Lernen sind Formen von "distance learning" interessant. Der Kontext zur Politischen Bildung ist durch das gemeinsame Lernen im Web 2.0, die individuelle Lernumgebung, Anwendung medialer Unterstützungssysteme, mobiles Lernen und der Aktualität gegeben (vgl. ausführlich EBNER-SCHÖN? 2011).

Literaturverzeichnis/ Auswahl Kap.10    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/ oder direkt zitiert werden.

Altenburg Fr. - Faustmann A.- Pfeffer Th. - Skrivanek I. (Hrsg.) (2017): Migration und Globalisierung in Zeiten des Umbruchs, Festschrift für Gudrun Biffl, Edition Donau-Universität? Krems

Baldinger I.- Zimmermann M. (2024): Und ewig reizt die Migration, in: Salzburger Nachrichten, 12. Jänner 2024, Hintergrund 3

Brinkmann H.- Sauer M.(Hrsg. (2016): Einwanderungsgesellschaft Deutschland, Wiesbaden

Bertels U. - Bußmann Cl. (2013): Handbuch interkulturelle Didaktik, Münster - New York - München - Berlin

Bartmann S. - Immel O. (Hrsg.) (2012): Das Vertraute und das Fremde. Differenzerfahrung und Fremdverstehen im Interkulturalitätsdiskurs, Bielefeld

Dichatschek G. (2018): Lernkulturen der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung. Ein Beitrag zu Theorie, Praxis und handlungsspezifischen Herausforderungen im Kontext mit Politischer Bildung, Saarbrücken

Dichatschek G. (2021): Vorberufliche Bildung von Migranten in der Erwachsenenbildung. Didaktik und Methodik bei der Berufswahl, Berufsvorbereitung und Berufsberatung, Saarbrücken

Dichatschek G. (2022): Grundwissen Politische Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder, Saarbrücken

Dichatschek G. (2023): Friedenslernen. Theorie, Praxis und Perspektiven, Saarbrücken

Faus R.- Storks R. (2019): Das pragmatische Einwanderungsland. Was die Deutschen über Migration denken, Bonn: Fridrich-Ebert-Stiftung?

Fereidooni K.(2016): Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen im Schulwesen: eine Studie zu Ungleichspraktiken im Berufskontext, Wiesbaden

Foroutan N. (2019): Die postmigrantische Gesellschaft. Ein Versprechen der pluralen Demokratie, Bielefeld

Hill M.- Yildiz E. (Hrsg.) (2018): Postmigrantische Visionen: Erfahrungen - Ideen - Reflexionen, Bielefeld

Hormel U. - Scherr A. (2006): Bildung für die Einwanderungsgesellschaft. Perspektiven der Auseinandersetzung mit struktureller, institutioneller und interaktioneller Diskriminierung, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 498, Bonn

Hufer Kl.-P. (2016): Politische Erwachsenenbildung. Plädoyer für eine vernachlässigte Disziplin, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1787, Bonn

Mecheril P. (Hrsg.) (2016): Handbuch Migrationspädagogik, Weinheim

Neumann U. - Schneider J. (Hrsg.) (2011): Schule mit Migrationshintergrund, Münster

Nowicka M. (2018): Postmigrantische Zeitdiagnose, in: Forountan N./ Karakayali J./ Spielhaus R. (Hrsg.): Postmigrantische Perspektiven: Ordnungssysteme, Repräsentationen, Kritik, Frankfurt/ M., 57-69

Salzborn S. (Hrsg.) (2006): Minderheitenkonflikte in Europa. Fallbeispiele und Lösungsansätze, Innsbruck - Wien - Bozen

Treichel D./ Mayer Cl. - H. (Hrsg.) (2011): Lehrbuch Kultur. Lehr - und Lernmaterialien zur Vermittlung kultureller Kompetenzen, Müntzer - New York - München - Berlin

Varela C.- do Mar M.- Mecheril P. (Hrsg.) (2016): Die Dämonisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart, Bielefeld

Zum Autor    

Lehramt - APS VS - HS - PL (1970, 1975, 1976) - zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater (1975, 1999) - Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol (1993 - 2002)

Absolvent des Studiums Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt?/ MSc (2008), der Weiterbildungsakademie Österreich/ Wien/ Diplome (2010), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom /2012), des 4. Internen Lehrganges Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016), des Fernstudiums Grundkurs Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium Comenius-Institut? Münster/ Zertifizierung (2018), des Fernstudiums Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium Comenius-Institut? Münster/ Zertifizierung (2020)

Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Berufspädagogik-Vorberufliche? Bildung VO-SE? (1990-2011), am Fachbereich Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt Geschichte-Sozialkunde-Politische? Bildung - Didaktik Politische Bildung (2016-2017)

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich (2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004-2009, 2017-2019), Kursleiter an der VHS Salzburg Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg/ "Freude an Bildung" - Politische Bildung (2ß012-2019), VHS Tirol "Grundkurs Politische Bildung" (2024)

- - -

MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 3. Februar 2024